Schoeller-Aus: Das sagt der Eigentümer

Produktion wird nach Polen verlagert – Verwaltung bleibt in Hard.
Bangkok, Hard Das Harder Unternehmen Schoeller GmbH & CoKG schließt nach fünf Jahren im Eigentum des thailändischen Konzerns Indorama Ventures zum Jahresende die Produktion des Traditionsunternehmens Schoeller am Stammsitz in Hard.

Stuart Kelly, Global Head of Corporate Communications, argumentiert die Schließung damit, dass „Indorama Ventures die Produktion in seinen europäischen Wollbetrieben rationalisiert, um die langfristige Nachhaltigkeit des Unternehmens sicherzustellen.“ Nach einer gründlichen Analyse sei Indorama Ventures zum Schluss gekommen, „dass dieser Schritt jetzt notwendig ist, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.“
Betroffen sind rund 80 der insgesamt 110 Arbeitsplätze am Standort Hard, vor allem in der Produktion. Unterstützende Rollen in den Bereichen Vertrieb und Marketing, Finanzen und Personalwesen werden beibehalten, um Kunden in ganz Europa zu unterstützen, verspricht der Firmensprecher des 14.000 Mitarbeiter-Konzerns, der Standorte weltweit betreibt, 18 in Europa.
Die Produktion wird ausgelagert, informiert Kelly auf VN-Anfrage: „Kammgarngarne, die derzeit bei Schoeller GmbH & CoKG, einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft von Indorama Ventures in Hard, Österreich, gefärbt werden, werden nach Lodz, Polen, verlagert, wo Indorama Ventures einen vom italienischen Textilkonzern Tollegno übernommenen Standort betreibt.“
Indorama Ventures wolle den Stellenabbau so verträglich wie möglich gestalten, verspricht Kelly. „Unternehmens- und Arbeitnehmervertreter bei Hard werden in den kommenden Wochen einen Sozialplan festlegen. Auch die Kunden wurden informiert und können den gleichen Servicestandard erwarten.“
Gewerkschaft betreut Mitarbeiter
„Wir hoffen auf gute Gespräche mit der Geschäftsführung, um eine sozial verträgliche Lösung für die betroffenen Mitarbeiter:innen erzielen zu können“, so der Landesvorsitzende der für die Beschäftigten zuständigen Gewerkschaft PRO-GE, Wolfgang Fritz. Am Donnerstag starten die Verhandlungen zwischen Gewerkschaft und der Geschäftsführung. „Es braucht eine sozial verträgliche Lösung für die Beschäftigten. Wir erwarten uns, dass ein dementsprechendes Angebot auf den Tisch gelegt wird“, stellt Fritz unmissverständlich klar.

Fritz warnt die Mitarbeitenden davor, voreilig irgendwelche Verträge, wie etwa einvernehmliche Auflösungen, zu unterschreiben, ohne davor mit der Gewerkschaft Kontakt aufzunehmen. „Unser Rat: Ruhe bewahren und nichts unterschreiben, sonst verliert man eventuell finanzielle Ansprüche.“ Fritz sichert den Beschäftigten volle Unterstützung zu. „Die PRO-GE steht den Beschäftigten zudem für sämtliche Fragen rund um deren Dienstverhältnisse zur Verfügung”, versichert er.

Im engen Kontakt mit dem Unternehmen ist auch die Gemeinde Hard, wie Bürgermeister Martin Staudinger im Gespräch mit den VN betont. Für die Bodenseegemeinde ist die Nachricht ebenso ein Schock wie für die Mitarbeiter. Man stehe den Mitarbeitern zur Seite, gleichzeitig liege es der Gemeinde am Herzen, dass in dem Firmenareal auch in Zukunft ein Unternehmen tätig werden könne. Ideal wäre der Betrieb z. B. für die Firma Wolford, sagt Staudinger. Das Unternehmen suche eine neue Produktionsstätte und bei Schoeller wäre das gegeben. Sogar eine Färberei sei vorhanden, so Staudinger.