Wem die Grundstücke in Vorarlberg gehören

Markt / 19.06.2023 • 10:05 Uhr
Die Arbeiterkammer hat die Eigentumsverhältnisse in Vorarlberg erhoben. <span class="copyright">vn/Steurer</span>
Die Arbeiterkammer hat die Eigentumsverhältnisse in Vorarlberg erhoben. vn/Steurer

Arbeiterkammer zeigt erstmals aktuelle Besitzverhältnisse auf und fordert Maßnahmen.

Feldkirch Vorarlberg – das Land der Hüslebauer? Eine umfassende Studie von Telesis und des ISK-Instituts im Auftrag der Arbeiterkammer Vorarlberg zeigt: Fast zwei Drittel der Vorarlberger besitzen weder ein Baugrundstück noch ein Haus noch eine Eigentumswohnung.

Aber wem gehört das Land? „Zehn Prozent der Eigentümer besitzen drei Viertel der gesamten bebauten und unbebauten Wohnbaugrundstücksflächen, 16 Prozent verfügen über noch unbebaute Wohnbauflächen“, erklärt AK-Präsident Bernhard Heinzle.

<strong>Wem die Grundstücke in Vorarlberg gehören</strong>
AK-Präsident Bernhard Heinzle (m.) mit den Studienautoren Paul Stampfl, Geschäftsführer der Telesis Entwicklungs- und Management GmbH, und ISK-Geschäftsführer Gerald Mathis. Bernd Hofmeister

Noch viel knapper werde es bei Betriebsgrundstücken: 773 Hektar stehen noch zur Verfügung und diese Flächen seien kaum verfügbar.

Besitzverhältnisse nach Flächenwidmung- und Bebauungstatus

 

Top 10 nach Wohnbauflächen gesamt

 

1.       Vorarlberger gemeinnutzige Wohnungsbau und Siedlungsgesellschaft GmbH: 1.970.808 Quadratmeter

2.       Kirche: 696.684 Quadratmeter

3.       Alpenlandische Gemeinnutzige Wohnbau GmbH: 455.818 Quadratmeter

4.       Wohnbauselbsthilfe: 402.830 Quadratmeter

5.       illwerke vkw: 280.612 Quadratmeter

6.       Stadt Feldkirch: 261.005 Quadratmeter

7.       Marktgemeinde Lustenau: 206.745 Quadratmeter

8.       F.M.Hammerle: 172.729 Quadratmeter

9.       Land Vorarlberg: 172.571 Quadratmeter

10.   Marktgemeinde Rankweil: 172.514 Quadratmeter

Land der Mieter

Für die Arbeiterkammer steht fest: Aus dem Land der Eigentümer ist längst ein Land der Mieter geworden. Die Nachfrage nach Bauland sei hoch, Spekulanten würden das Angebot zusätzlich verknappen. Dadurch steigen die Bodenpreise. „Die Studie bestätigt die Forderungen der AK Vorarlberg, dass das Land endlich wirksame Schritte setzen muss, weil aufgrund der steigenden Immobilienpreise leistbares Wohnen im Ländle längst nicht mehr im notwendigen Ausmaß sichergestellt werden kann“, stellt Heinzle klar.

Top 10 nach Wohnbauflächen unbebaut

1.       Vogewosi: 549.337 Quadratmeter

2.       Kirche: 510.205 Quadratmeter

3.       illwerke vkw: 195.157 Quadratmeter

4.       Stadt Feldkirch: 190.380 Quadratmeter

5.       Marktgemeinde Rankweil: 150.392 Quadratmeter

6.       Gemeinde Altach: 128.850 Quadratmeter

7.       Wohnbauselbsthilfe: 105.453 Quadratmeter

8.       Stadt Dornbirn: 97.499 Quadratmeter

9.       Marktgemeinde Lustenau: 80.654 Quadratmeter

Abgesehen davon, dass es an verfügbaren Betriebsgrundstücken mangele, gebe es in Vorarlberg per se eigentlich keine Bodenknappheit. Denn 40 Prozent aller für den Wohnbau gewidmeten oder vorbehaltenen Grundstücksflächen seien noch unbebaut – gesamt 4116 Hektar. Die Bevölkerung wohne auf den bebauten 60 Prozent, also auf 6297 Hektar.

Bauland klein strukturiert

Grundsätzlich sei das Bauland in Vorarlberg sehr klein strukturiert, da auch Eigentumswohnungen erfasst seien. Durchschnittlich besitzen die Eigentümer in Vorarlberg Wohnbaugrundstücke im Ausmaß von 720 Quadratmeter. Drei Viertel der Eigentümer besitzen Flächen, die kleiner als 720 Quadratmeter sind. Andererseits seien die Besitzverhältnisse sehr unterschiedlich verteilt.

Von den 144.720 Wohnbaugrundstücks- und Wohnungseigentümern besitzen 1509 Personen Baugrund in der Größenordnung über 5000 Quadratmeter bis maximal 10.000 Quadratmeter. Weitere 428 natürliche oder juristische Personen besitzen Wohnbaugrundstücksflächen von mehr als 10.000 Quadratmetern.

Top 10 nach Betriebsgebiet gesamt

1.       Blum: 531.570 Quadratmeter

2.       Rauch Fruchtsäfte: 220.584 Quadratmeter

3.       Alpla: 204.480 Quadratmeter

4.       Doppelmayr: 193.046 Quadratmeter

5.       Getzner: 192.826 Quadratmeter

6.       M-I Immobilien: 168.656 Quadratmeter

7.       Kunert Industriepark: 164.802 Quadratmeter

8.       Agrargemeinschaft Nenzing: 161.828 Quadratmeter

9.       Liebherr-Werk Nenzing: 161.330 Quadratmeter

10. illwerke vkw: 121.108 Quadratmeter

Problem Marktverfügbarkeit

Das große Problem, so die AK, sei die Marktverfügbarkeit. „Leistbares Wohnen“ müsse deshalb als Grundsatz staatlichen Handelns in der Landesverfassung und als Raumordnungsziel im Raumplanungsgesetz verankert werden. „Umso unverständlicher ist es, dass im aktuellen Gesetzesentwurf zur Änderung des Raumplanungsgesetzes dieser wichtige Schritt wieder nicht gesetzt wird“, kritisiert Heinzle. Das Land Tirol habe ein solches Ziel schon längst definiert.

<strong>Wem die Grundstücke in Vorarlberg gehören</strong>

Dadurch könnte die Einhaltung konkreter Bebauungsrichtlinien vor einer Umwidmung vorausgesetzt werden. Bebauungspläne der Gemeinden könnten sich an sozialem und leistbarem Wohnen ausrichten.

AK-Präsident Bernhard Heinzle. <span class="copyright">ak</span>
AK-Präsident Bernhard Heinzle. ak

Die AK kritisiert auch die Ausnahmen beim Vorarlberger Modell, wonach ein Käufer eines unbebauten Grundstücks ab einer bestimmten Größe erklären muss, dass er das Grundstück innerhalb einer Frist von zehn Jahren bebauen wird. Denn dieses Modell gelte nicht für bebaute Flächen, zudem seien Bauträger davon ausgenommen. Damit sei Investoren und Spekulanten Tür und Tor geöffnet. „Wir fordern deshalb, dass ein Kauf von bebautem und unbebautem Bauland bzw. Bauerwartungsland nur noch nach einer Bedarfsprüfung erfolgen kann“, so der AK-Präsident.

Top 10 nach Betriebsgebiet unbebaut

1.       Doppelmayr: 166.144 Quadratmeter

2.       Agrargemeinschaft Nenzing: 161.828 Quadratmeter

3.       Blum: 146.426 Quadratmeter

4.       Getzner: 134.817 Quadratmeter

5.       Alpla: 130.138 Quadratmeter

6.       illwerke vkw: 99.197 Quadratmeter

7.       Meusburger: 91.910 Quadratmeter

8.       Loacker Recycling: 82.983 Quadratmeter

9.       Zumtobel: 79.737 Quadratmeter

10.   Mayr-Melnhof: 72.834 Quadratmeter

Zudem fordert er die Einrichtung eines Bodenfonds. Dieser kaufe Grundstücke und gebe sie bedarfsorientiert und nach Absprache mit der Standortgemeinde an gemeinnützige Wohnbauträger oder Gewerbebetriebe weiter.