Deshalb machen Raucher schneller Karriere

Markt / 18.06.2023 • 15:00 Uhr
Begehrter Vortragender, z. B. bei der Veranstaltungsserie "Unternehmer sein heute" von VN, Sparkasse, Wiener Städtische: Der Verhaltensökonom hat sich intensiv mit menschlichen Verhaltensmustern beschäftigt. <span class="copyright">VN/Paulitsch</span><p class="caption">
Begehrter Vortragender, z. B. bei der Veranstaltungsserie "Unternehmer sein heute" von VN, Sparkasse, Wiener Städtische: Der Verhaltensökonom hat sich intensiv mit menschlichen Verhaltensmustern beschäftigt. VN/Paulitsch

Vorarlberger Verhaltensökonom erklärt in 55 Beispielen, wie die Berufswelt funktioniert – ein Bestseller in zweiter Auflage.

Schwarzach „Das Buch fasziniert Fachleute und Laien gleichermaßen, da es auf verständliche und gleichwohl tiefgründige Weise zeigt, wie grundlegende menschliche Neigungen praktisch alle Aspekte des Berufslebens und des Arbeitsmarktes durchdringen“, schreibt der Hörbranzer Ernst Fehr, der wichtigste Ökonom im deutschsprachigen Raum, über das Werk „Der menschliche Faktor“ seines Vorarlberger Kollegen Matthias Sutter, das nun in zweiter, erweiterter Auflage erscheint.

Fehr ist nicht der Einzige, der von Sutters Werk beeindruckt ist: Fachleute wie Arbeit- und Unternehmer zollen ihm höchstes Lob für seine „55 Erkenntnisse fürs Berufsleben“, wie das Buch im Untertitel offenbart. Die Bestsellerlisten und die Tatsache, dass gerade die zweite Auflage erscheinen, zeugen vom praktischen Wert für Arbeitnehmer und ihre Chefs und vor allem von der Umsetzung verhaltensökonomischer Forschung in eine verständliche, sogar unterhaltsame Sprache. Vor wenigen Monaten ist der Fachbuchbestseller auch in englischer Sprache erschienen, so Sutter im Gespräch mit den VN.

Matthias Sutter lehrt und forscht an mehreren Universitäten - seine Veröffentlichungen sind regelmäßig in den Bestsellerlisten. <span class="copyright">FA</span>
Matthias Sutter lehrt und forscht an mehreren Universitäten - seine Veröffentlichungen sind regelmäßig in den Bestsellerlisten. FA

Der Wissenschaftler wollte nicht im Elfenbeinturm verharren: „Die Verhaltensökonomie hat in den letzten Jahren so viele spannende Erkenntnisse darüber gewonnen, wie sich Menschen im beruflichen Umfeld verhalten und Entscheidungen treffen, dass ich diese einem breiteren Publikum zugänglich machen wollte“, so Sutter anlässlich der ersten Auflage des Buches. „Außerdem beleuchten gängige Ratgeber das Berufsleben manchmal aus einem einseitigen Blickwinkel. Hier wollte ich mit dem Blick auf die ‚große Klammer‘, also mit Erkenntnissen für alle Stufen und Hierarchien einer beruflichen Laufbahn – und für Frauen und Männer gleichermaßen – eine fundierte Alternative bieten.“

Nicht zuletzt aufgrund von Leseranfragen hat er jetzt topaktuelle Themen wie die Meetingkultur, die viele Firmen pflegen, aufgearbeitet. Nur so viel: Wenn der Vorgesetzte das große Wort führt im Meeting, darf man nicht mit allzu viel Produktivität rechnen: „Wenn die Teilnehmer wissen, was der Chef will, bleibt man in der Deckung.“ Kreativität bei Videokonferenzen ist ein anderes Thema: Er erklärt – basierend auf fundierter Forschung –, warum Menschen, die sich in echt gegenübersitzen, kreativer sind. Unter die Lupe nimmt er auch bislang nicht angezweifelte Wahrheiten aus dem Management-ABC, etwa zur Wirksamkeit von Gratifikationen und Boni. Und er sagt, warum Raucher auf der Karriereleiter schneller nach oben klettern. „Die Rauchpause gibt die Möglichkeit, andere kennenzulernen, sich zu vernetzen. Dadurch wissen auch Vorgesetzte, die selbst rauchen, mehr über ihre Mitarbeiter – eine klassisch verhaltensökonomische Tatsache.“ Auch wenn Rauchen gesundheitlich hinterfragenswert ist, das Muster stimmt. „Das funktioniert auch, wenn es zum Beispiel Fitnessräume in Firmen gibt.“ Auch Feste und gemeinsame Aktivitäten seien gut.

<p class="caption">Sutter zählt zu den führenden Verhaltensökonomen seiner Generation.<span class="media-container dcx_media_rtab" data-dcx_media_config="{}" data-dcx_media_type="rtab"> </span><span class="marker"><span class="copyright">Preick</span></span></p>

Sutter zählt zu den führenden Verhaltensökonomen seiner Generation. Preick

Gelesen wird das Buch – genaue Untersuchungen gebe es allerdings nicht – vor allem vom HR-Management, das verzweifelt Mitarbeiter sucht und deshalb den Ansprüchen der potenziellen Mitarbeiter auf den Grund gehe. Doch auch wenn man heutzutage unter den Jobs aussuchen könne, „Arbeit zu bekommen, ist eine Sache, weiterzukommen eine andere“, stellt Sutter fest. Als Verhaltensökonom beobachtet Sutter natürlich die aktuelle Entwicklung mit scharfem Blick: Dass man aus der Bonuskultur, die von den Regierungen in den vergangenen Jahren aufgebaut wurde, wieder wegkomme, was notwendig sei, wenn man z.B. die Inflation bekämpfen will, ist auch ihm klar. „Die Leute gewöhnen sich daran, das funktioniert nur mit einer Rosskur.“ Die Gießkanne müsse auf jeden Fall weggestellt werden, unterstützen müsse man sozial treffsicher. Klar ist auch die Meinung des Vorarlberger Verhaltensökonomen zur Diskussion um die 32-Stunden-Woche: „Die Work-Life-Balance ist eine Luxusdiskussion, langfristig ist es für nicht denkbar, dass Europa am globalen Markt mit diesem Modell besteht, da müsste die Produktivität unvorstellbar steigen oder wir brauchen viel mehr Arbeitskräfte“, warnt er. „Weniger arbeiten und mehr Geld verdienen, das geht nicht“, ist er sich gewiss.

Zur Person

Matthias Sutter

Geboren 1968 in Hard

Ausbildung (Ausz.) Studium Theologie, Studium Volkswirtschaftslehre, beides in Innsbruck

Laufbahn (Ausz.) Dir. am Max-Planck-Institut Bonn, Professor an der Universität zu Köln und der Universität Innsbruck, zahlreiche Gastprofessuren, u.a. in Göteborg und Florenz Veröffentlichungen über 130 Publikationen (u.a. in Science, Nature Communications oder American Economic Review), „Die Entdeckung der Geduld“ (2. Auflage 2018 bei Ecowin)

Der menschliche Faktor, Matthias Sutter, Hanser, 2. erweiterte Auflage, erhältlich bei „Das Buch“ und im gutsortierten Buchhandel.

Statements zum Buch

Matthias Sutter hat aus dem riesigen Fundus seiner eigenen
exzellenten Forschungsarbeiten und auf der Basis aktueller
verhaltensökonomischer Studien einen praktischen Ratgeber
für das Berufsleben zusammengestellt. Das Buch präsentiert
hilfreiche und inspirierende Einsichten und öffnet jeder Leserin
und jedem Leser die Augen für die wichtigen verhaltens-ökonomischen Aspekte des Berufslebens.
Prof. Dr. Martin Kocher,
Österreichischer Bundesminister für Arbeit

Das Buch von Matthias Sutter fasziniert Fachleute und Laien
gleichermaßen, da es auf verständliche und gleichwohl tiefgründige
Weise zeigt, wie grundlegende menschliche Neigungen
praktisch alle Aspekte des Berufslebens und Arbeitsmarktes
durchdringen. Es hilft dem Laien, sich vor Manipulation
zu schützen, und den Spezialisten, ihre Organisationen zu
verbessern.
Prof. Dr. Ernst Fehr,
Universität Zürich

Dieses Buch ist ein hervorragendes Beispiel für Wissenstransfer
aus der Grundlagenforschung heraus. Matthias
Sutter gelingt es auf höchst anschauliche Art und Weise, die
Ergebnisse seiner Forschungsarbeiten in alltagstaugliches
Wissen zu übertragen. Tatsächlich bildet die Verhaltensökonomie
den idealen methodischen Rahmen, um verschiedene,
oft überraschende Aspekte des Berufslebens besser zu
verstehen. Ich wünsche diesem Buch daher viele Leserinnen
und Leser.
Prof. Dr. Martin Stratmann,
Präsident der Max-Planck-Gesellschaft

Lebendig, realitätsnah, anekdotisch und zugleich faktenorientiert:
Matthias Sutters neues Buch gibt dem menschlichen
Faktor im Wirtschaftsgeschehen eine gewichtige
Stimme. Fairness, Wertschätzung und Geduld sind nicht
mehr als höfliche „AddOns“ im täglichen Miteinander in
Unternehmen? Weit gefehlt! Das Buch überrascht mit ungeahnten
Einblicken und ist ein Muss für jeden, der wissen
will, was wirklich den Unterschied im Arbeitsleben macht.
Eva Schmidt,
3sat-Wirtschaftsformat „makro“