So verteidigen illwerke vkw und Land die Preiserhöhung im April

Markt / 15.06.2023 • 20:15 Uhr
Markus Wallner betont, dass die Welt im Februar noch anders aussah. <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
Markus Wallner betont, dass die Welt im Februar noch anders aussah. VN/Paulitsch

Im Interview verteidigen die illwerke vkw angesichts des hohen Gewinns die Preiserhöhung vom April.

Bregenz Die illwerke vkw werden die nächsten Tage ein Rekordergebnis präsentieren können. Erwirtschaftet wurde es auf dem deutschen Markt von Regel- und Spitzenstrom, auf dem Vorarlberger Strom- und Gasmarkt musste das Unternehmen sogar einen Verlust in Millionenhöhe hinnehmen. Mit ein Grund dafür waren die Preisgarantien bis April 2023 mit einem Strompreis unter 10 Cent und Gaspreis von 3,8 Cent pro Kilowattstunde. Daher kündigten die illwerke vkw im Februar Preiserhöhungen mit 1. April an, dann einen neuen Tarif ab Juli. Den VN standen Landeshauptmann Wallner, Aufsichtsratschef Summer und Vorstandsvorsitzender Germann Rede und Antwort.

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Wie lässt sich dieses Rekordergebnis den Vorarlberger Haushalten und Betrieben erklären, die empfindliche Preissteigerungen akzeptieren mussten?

Vorstandsmitglied Christof Germann In Vorarlberg schreiben wir rote Zahlen. Ich glaube, es gibt nirgendwo in Österreich günstigere Endkundenpreise. Und das geht nur, weil wir eben diese guten Geschäfte in Deutschland machen. Ohne positives Ergebnis gibt es keine Energiezukunft und nicht die günstigen Strompreise, die wir haben.

Wie nachhaltig ist es, über den deutschen Markt die Vorarlberger Strompreise zu stützen?

Germann Die Peaks 2022 von Tausend Euro pro Megawattstunde beim Strom und 350 Euro beim Gas waren Ausreißer. Der große Ergebnisbeitrag der illwerke vkw wird aber auch in Zukunft durch die Spitzen- und Regelenergie in Deutschland kommen.

Vorstandsmitglied Christof Germann betont, immer den Endkunden im Mittelpunkt gestellt zu haben.<span class="copyright"> VN/Paulitsch</span>
Vorstandsmitglied Christof Germann betont, immer den Endkunden im Mittelpunkt gestellt zu haben. VN/Paulitsch

Landeshauptmann Markus Wallner Das Ziel bleibt, die Preise in Vorarlberg unter den günstigsten in Österreich zu halten. Damit das gelingt, brauchen wir natürlich den deutschen Regelenergiemarkt. Die Frage ist berechtigt, bleibt dies dauerhaft so? Die Energiewende in Deutschland sowie der Ausstieg aus Atomstrom und Kohle machen den Regelenergiemarkt zu einem Zukunftsmarkt für uns.

Dann stellt sich die Frage, warum überhaupt die Preiserhöhung per 1. April 2023?

Germann Wir haben diese Entscheidung am 6. Februar getroffen. Da haben wir ganz bewusst darauf geschaut, dennoch der günstigste Landesversorger zu sein. In Wien, Niederösterreich oder im Burgenland waren wir damals kurz über 30 Cent/kWh. Durch die Landtagswahl in Salzburg ist das in Bewegung gekommen, Oberösterreich zog nach. Wir haben dann gesagt, wir wollen ganz bewusst zum 1. Juli wieder die Preisführerschaft haben. Seitdem hat sich einiges getan: Die Großhandelspreise sind zurückgegangen. Und daher möchten wir auf den 1. Oktober noch einmal prüfen, ob es eine Senkungsmöglichkeit für die Kunden gibt. Der Kunde stand für uns immer im Mittelpunkt.

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Die Strompreisbremse läuft Mitte 2024 aus. Bis wann normalisiert sich der Strommarkt wieder?

Wallner Ich kenne nichts Vergleichbares zum vergangenem Jahr. Eine gewisse Stabilität hineinzubringen und Prognosen sind gar nicht so einfach. Wir sind auf April hin von ganz anderen Voraussetzungen ausgegangen. Ich musste mit einer Verschärfung der Gaslage rechnen. Wir sehen nun, welche Verluste ein solcher Gasspeicher bedeuten kann. Im Nachhinein zu sagen, warum war irgendetwas notwendig, ist immer einfach.

An der österreichischen Abhängigkeit vom russischen Gas ändert sich wenig.

Germann Wir sind nicht verbunden mit dem österreichischen Netz, hängen zur Gänze an Deutschland. Das heißt, was Deutschland im Bereich des Flüssiggases LNG vorantreibt, hilft auch uns. Die Gasreserven sind in der gesamten EU überproportional groß. Aber die Zeiten von billigem Erdgas, die sind definitiv vorbei.

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Bisher sprachen wir über Haushalte, was ist mit Unternehmen?

Germann Kunden zwischen 100.000 und 500.000 kWh haben einen Jahrespreis, der liegt bei circa 33 Cent. Hier liegt das Problem darin, dass die Richtlinien für den Energiekostenzuschuss II der Bundesregierung immer noch fehlen, weil sich die Regierungspartner nicht einigen. Die gehören endlich auf den Tisch, dann würden 60 Prozent der Mehrkosten seit 2021 übernommen werden.