Kika Leiner: Auch Mitarbeiter im Land denken ans Aufhören

Standort Dornbirn soll offen bleiben: Vertrauen in Arbeitgeber Kika ist aber auch in Vorarlberg erschüttert. Studie: Wie sich der Möbelmarkt in Österreich verändert.
St. Pölten, Dornbirn In Dornbirn herrscht gespannte Stimmung unter den Mitarbeitern, berichtet eine nicht genannt werden wollende Mitarbeiterin des Kika-Möbelhauses in Dornbirn, die quasi “krisengestählt” ist, was die letzten Jahre bei Österreichs drittgrößten Händler angeht. Man habe zwar registriert, dass der Standort Dornbirn nicht geschlossen werden soll, doch durch die Ankündigung der Insolvenz durch den neuen Eigentümer “macht die Zusage des Managements wieder unsicher”, sagt sie. Aus Gespräch mit Kollegen weiß sie auch, dass sie sich “absetzen wollen, bevor alles zusammenbricht”.

Immerhin: Die Chancen stehen gut, dass die Mitarbeiter des schwankenden Unternehmens schnell wieder Arbeit bekommen. Die 1900 Mitarbeiter werden mit Handkuss genommen – ein regelrechter Wettbewerb der Angebote hat eingesetzt. Zuletzt haben sich auch DM und Bauhaus mit Angeboten eingefunden, die Donau Versicherung will die Einrichtungsfachleute zu Versicherern machen. Den Zorn der Mitarbeiter und die scharfe Kritik der Arbeitnehmervertreter und Parteien kriegt nicht das neue Management um Investor Hermann Wieser ab, sondern der Verkäufer der Kette, der Tiroler Investor Rene Benko, der in Lech das Luxusresort Chalet N besitzt und im Nobelort auch eine KDW-Filiale errichten wollte und damit letztlich scheiterte. Sicher ist sich die Dornbirner Mitarbeiterin aber, dass “Benko für die Möblierung des Chalet N nicht bei uns eingekauft hat.”

Studie: Wie sich der Möbelmarkt in Österreich verändert
Die Handelsexperten des Unternehmens “Standort+Markt” haben sich kurzerhand die Situation im filialisierten Einrichtungs- und Möbelhausmarkt in Österreich angesehen. Die Zahlen basieren auf Marktbeobachtungen und Markteinschätzungen der Standort + Markt. Aufgrund der Umwälzungen im Wohnungseinrichtungssektor durch die Schließungswelle von 23 Einrichtungshäusern von kika/Leiner mit Ende Juli ergibt sich ein deutlich konzentrierteres Bild dieser Branche was die Verkaufsflächen und Brutto-Umsätze in Österreich betrifft.
Neo-eigentümer übernimmt Haftung für Gutscheine
Wien/St. Pölten. Trotz geplanter Insolvenz verspricht Kika/Leiner, dass alle Gutscheine ihre Gültigkeit behalten. Möglich werden soll das, weil der neue Eigentümer, Hermann Wieser, über seine Gesellschaften die Haftung dafür übernimmt, sagte ein Kika/Leiner-Sprecher am Freitag. Denn im Rahmen der Insolvenzmasse dürfen Gutscheine nicht besser gestellt werden als andere Forderungen, wie Anwalt Michael Poduschka im Gespräch mit der APA erinnert.
Auch Anzahlungen für künftige Lieferungen gehören zu den Forderungen. Allerdings soll im Zuge des Fortführungsplans sichergestellt werden, dass alle offenen Aufträge erfüllt und die geleisteten Anzahlungen zur Gänze angerechnet werden, so der Sprecher. Damit würden Kunden auch nicht um ihre Anzahlungen umfallen.
Poduschka rät trotz der Garantie zur Vorsicht. “Wenn ich einen Gutschein hätte, würde ich sofort hinlaufen und ihn einlösen”, empfiehlt er. Denn es gelte “die Binsenweisheit, dass eine Garantie nur so stark ist wie der Garantiegeber”. Der Anwalt vermutet, dass die Ansage des neuen Kika/Leiner-Eigentümers vor allem dazu gedacht ist, die Stürmung der Geschäfte zu verhindern.
Ähnlich vorsichtig äußert sich Anja Mayer von der Konsumentenschutzabteilung der Arbeiterkammer (AK). Im Falle einer Insolvenz dürfe das Unternehmen keine Gutscheine mehr annehmen und es bleibe den Konsumentinnen und Konsumenten nur die Möglichkeit, sich als Gläubiger am Verfahren zu beteiligen. Dabei falle aber eine Anmeldegebühr von 25 Euro an, so Mayer. Die AK rät Kunden von Kika/Leiner auch dazu, keine Anzahlungen mehr zu leisten. Eine genaue Beurteilung sei aber erst möglich, wenn die Details des Insolvenzantrags auf dem Tisch lägen.
Gerhard Weinhofer, Geschäftsführer des Gläubigerschutzverbandes Creditreform, hält eine Umsetzung des Versprechens, dass die Gutscheine weiter ihre Gültigkeit behalten, durchaus für realistisch. So zeige sich in der Praxis, dass Masseverwalter im Rahmen von Sanierungsverfahren üblicherweise eng mit der Geschäftsführung zusammenarbeiten – und zwar unabhängig davon, ob eine Eigenverwaltung vorliegt oder nicht. Inwieweit eine Umsetzung aber tatsächlich gelingen kann, werde sich erst im Zuge des Verfahrens weisen, erklärte Weinhofer. (APA)