Strommärkte sind keine Einbahnstraßen

E-Control-Leiter Wolfgang Urbantschitsch referierte über die Zukunft der Energieversorgung.
lustenau Immer wenn es um Energie geht, darf auch der Klimawandel nicht unerwähnt bleiben. So auch bei der 52. Auflage der innovation(night, die im Competence Center Rheintal in Lustenau über die Bühne ging. Referent Dr. Wolfgang Urbantschitsch, Leiter der Regulierungsbehörde E-Control, startete seinen Vortrag mit Bildern vom Piz Buin, um den Rückgang der Gletscher rund um Vorarlbergs höchster Erhebung zu dokumentieren. Der studierte Jurist wollte damit jedoch keine düsteren Szenarien ausmalen, sondern vielmehr aufzeigen, dass die Energiewende zügig vorangetrieben werden sollte. Denn rund zwei Drittel des Verbrauchs in Österreich stammen nach wie vor aus fossilen Energieträgern. Der Großteil davon wird importiert. So wie Gas aus Russland, das nach wie vor fließt und für die Energieversorgung relevant ist. „Wesentlich besser schaut es beim Strom aus, der aus 80 Prozent aus erneuerbaren Formen stammt“, hob Urbantschitsch aber auch die positiven Aspekte hervor, um auch gleich zu betonen, dass die E-Control – bis auf die Netztarife – die Energiepreise nicht festlegt.
LNG-Gas als Rettung
Eine der wichtigsten Aufgaben der E-Control ist es, für Energiesicherheit zu sorgen. „Hier hat sich der freie Markt, den es seit rund 20 Jahren bei uns gibt, eigentlich recht gut bewährt.“ Nur in der Krise, als es zur exorbitanten Preissteigerung kam, hat er versagt. Sein Vorschlag: „Es braucht für den Krisenfall Mechanismen, dass dies nicht mehr passiert.“ Ebenso sollte es nie mehr wieder eine solche Abhängigkeit geben wie in Österreich – und auch anderen europäischen Staaten – vom russischen Gas. Das deckte bis zu 80 Prozent der heimischen Energieversorgung. „Stellen Sie sie vor, sich hätten in Ihrer Firma eine solche Abhängigkeit von einem einzigen Lieferanten“, zog Urbantschitsch einen Vergleich mit der Geschäftswelt. Nur dank des wenig umwelt- und klimafreundlichen LNG-Gases sei es gelungen, dass die Staaten gut durch den Winter gekommen sind. „Ein einziger großer Tanker ist in der Lage, rund 1,5 Terawatt-Stunden Energie zu liefern.“ Zum Vergleich: Vorarlbergs Jahresbedarf liegt bei rund 2,1 Terawatt-Stunden.
Innovationen gefragt
Bewusst richtete er seine Worte auch an die zahlreich anwesenden Unternehmer und Unternehmerinnen. „In Sachen Energiezukunft und -sicherheit braucht es vor allem Innovationen.“ So liegt die Zukunft der Energieversorgung im „sauberen Strom“, der möglichst vor der eigenen Haustüre produziert werden sollte. Ein Beispiel dafür sind Photovoltaikanlagen.
Doch nicht für alle Bereiche ist regionale Stromproduktion möglich. Vielmehr braucht es wieder starke Hochspannungsnetze, die Energie dorthin transportieren, wo sie gerade benötigt wird. Es wird kein Weg daran vorbeiführen, Infrastruktur auch mitten in die Landschaft zu stellen. „Neue Strommärkte sind keine Einbahnstraßen mehr. Es gibt durch die dezentralen Anlagen viel Gegenverkehr.“ Rund 15 Milliarden Euro müssen in zehn Jahren in die Verbesserung und den Ausbau der Infrastruktur investiert werden. Kosten, die letztlich die Konsumenten zu tragen haben. Dennoch rechnet Urbantschitsch damit, dass der Peak bei den Energiepreisen überschritten ist. „Die Preise werden sich auf dem jetzigen Niveau einpendeln, vielleicht sogar wieder etwas nach unten gehen.“ Auch wo der Strom gespeichert wird, ist eine essenzielle Zukunftsfrage. „Auch hier sind Ihre Ideen gefragt“, richtete er erneut einen Appell an die Innovationskraft der Unternehmen.
Die nächste innovation(night findet am 12. Oktober statt – initiiert wurde sie vor 20 Jahren in Koopertion der Prisma Unternehmensgruppe, Wirtschafts-Standort Vorarlberg GmbH (WISTO), der FHV, der Industriellenvereinigung (IV) und der Vorarlberger Nachrichten. CRO





