Weshalb der Raiffeisen-Vorstand mit seiner ersten Bilanz zufrieden ist

Raiffeisen konnte in Vorarlberg im vergangenen Jahr starkes Ergebnis realisieren.
Bregenz “Muss es denn gleich so ruppig sein”, dachte sich Michael Alge, als er im Juli 2022 die Nachfolge von Wilfried Hopfner als Vorstandsvorsitzender der Raiffeisen Landesbank angetreten hat. In der Tat hatte er mit einer Gemengelage an Herausforderungen zu kämpfen: Galoppierende Energiepreise, die den Kunden schwer zu schaffen machten, eine sich steigernde Inflation und damit zusammenhängend der stärkste Zinsanstieg seit vielen Jahren durch die EZB. Nicht zu vergessen die Kreditinstitute-Immobilienfinanzierungsmaßnahmen-Verordnung (kurz: KIM-Verordnung), die im zweiten Halbjahr das Immobiliengeschäft abwürgte.

Nun, bei der Präsentation der Zahlen für das vergangene Jahr, waren er und seine beiden Vorstandskollegen Thomas Nussbaumer und Manfred Miglar bei ihrer “Bilanz-Premiere”, stolz darauf, wie gut sich die größte Bankengruppe Vorarlbergs, die Raiffeisen-Gruppe, und ihre 1500 Mitarbeiter in 69 Bankstellen geschlagen haben.
Kräftiger Zuwachs
Raiffeisen erreicht im Jahr in Vorarlberg ein Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit in Höhe von 94,4 Millionen Euro. Nachdem im vergangenen Jahr einige Sondereffekte schlagend wurden, etwa die Hebung stiller Reserven und die Spaltung der Walser Privatbank in eine Raiffeisenbank klassischen Musters und die Alpen Privatbank, ist dies um 28,4 Millionen Euro weniger als im Jahr zuvor, jedoch ein kräftiger Zuwachs in Höhe von 35,1 Millionen Euro gegenüber dem Jahr 2020.
Mit einem Plus von drei Prozent sind die Einlagen der Banken deutlich gewachsen: 10,8 Mrd. Euro vertrauen die Vorarlberger den Genossenschaftsbanken inzwischen an. Noch größer ist das Wachstum bei den Ausleihungen: Mit 10,4 Mrd. Euro borgen sich die Menschen um 5,8 Prozent mehr Geld bei Raiffeisen aus als im Jahr zuvor.
Vorzugszeugnis mit A3
Die Bilanz, die auch in einem hübschen Büchlein gebunden erhältlich ist, stellt dem neuen Vorstandsteam überhaupt ein Vorzugszeugnis aus, das Moody’s Rating A3 unterstreicht die Leistung eindrücklich. Knapp 1,6 Mrd. Euro wurden an Neukrediten vergeben. Der Geldfluss an Private und Unternehmen war etwa gleich groß (0,7 Mrd. Euro Wohnbaukredite, 0,8 Mrd. Euro Investitionskredite). Das von Raiffeisen verwaltete Kundenvermögen nahm auf 11,188 Mrd. Euro (2021: 12,683 Mrd.) ab. Die Eigenmittel wurden bei 1,45 Mrd. Euro (2021: 1,47 Mrd., minus 1,3 Prozent) weitgehend stabil gehalten, die Gesamtkapitalquote betrug 17,9 Prozent (2021: 18,1). Einen Gewinn konnte man bei der Zahl der Kunden erzielen. 9300 neue Kunden kamen dazu, jetzt zählt die Raiba-Gruppe 241.000 Private und 21.000 Firmenkunden. Und die werden von der Universalbank sowohl digital wie auch persönlich serviciert und beraten.
Dazu rät Vorstand Miglar nicht nur bei Wohnbaukrediten, die nun so schwer zu bekommen sind. Auch in allen anderen Bereichen sei ein Beratungsgespräch wichtig.
Den Geschäftsbericht 2022 der Raiffeisen Landesbank Vorarlberg finden Sie unter www.rlbv.at/geschäftsbericht-2022.
Raiffeisen Geschichte
Raiffeisenbanken in Vorarlberg
Die Zeit um 1880 war geprägt von Armut, Not und Landflucht. Zahlreiche Missernten führten zu Hungersnöten und Notverkäufen. Acht Jahre später kommt zu der Armut eine folgenschwere Rheinüberschwemmung. Ganze Dörfer waren unter Wasser, Hab und Gut war verloren. Geld für den Wiederaufbau war nirgends zu bekommen.
Ein Anfang mit Zukunft
1889 gründen Bauern, Handwerker und Arbeiter in Lustenau die erste “Raiffeisenkasse”. Das Prinzip geht auf Friedrich Wilhelm Raiffeisen zurück und ist so einfach wie genial:
Hilfe zur Selbsthilfe – Jeder haftete mit seinem Vermögen und ermöglichte so für sich und andere Mitglieder günstige Darlehen für den Wiederaufbau und das Saatgut. Aus kleinen, bescheidenen Anfängen führte der Weg bald in die große Welt. Heute ist Raiffeisen auf allen großen Handelsplätzen der Erde ein gefragter Partner.
Genossenschaft: 74.000 Mitglieder in Vorarlberg
