Deshalb muss sich Vorarlberg an Holland messen

„Regionaler Wettbewerbsindex“: Utrecht ist Europas bester Standort, Vorarlberg landet auf Platz 64.
Brüssel, Schwarzach Zum fünften Mal nach 2010, 2013, 2016 und 2019 untersuchte die Europäische Kommission im März 2023 die Wettbewerbsfähigkeit von insgesamt 234 Regionen in Europa, darunter auch Vorarlberg. Herauskristallisiert hat sich dabei einmal mehr, an welcher Region sich die Standorte messen müssen. Und so viel sei gesagt: nicht an Vorarlberg.

Europas wettbewerbsfähigste Region liegt in den Niederlanden – Utrecht hat nach den Kriterien der Untersuchung in elf Bereichen – z. B.werden der Stand der Infrastruktur, das Gesundheitssystem, die Innovationsleistung und das Bildungsangebot sowie die makroökonomische Stabilität und die technologische Leistungskraft der Wirtschaft ermittelt – das meiste besser gemacht als die übrigen 233 Regionen. Überhaupt müssen sich die Regionen in den Niederlanden umschauen, wenn sie sich verbessern wollen. „Unter den Top-10-Regionen sind sechs niederländische, aber weder eine deutsche noch eine österreichische Region“, informiert Stefan Höffinger, Geschäftsführer von Höffinger Solutions, einem Beratungsunternehmen, das Unternehmen sowie Regierungen in ihrer strategischen Arbeit unterstützt und in dieser Funktion auch in Vorarlberg die Strategieentwicklung des Industriestandortes begleitet hat.
Zehn Plätze vorgerückt
Höffinger ist seit Beginn auch Partner der Europäischen Kommission bei der Untersuchung, die weniger Kritik als Anregung für weitere Schritte der Wirtschaftsstandorte sein soll, sich im Ranking und damit als Lebens- und Wirtschaftsraum zu verbessern. Immerhin hat sich Vorarlberg langsam nach vorne gearbeitet. 2019 landete Vorarlberg zusammen mit Oberösterreich auf Rang 74 der Standorthitparade, in der brandneuen Auswertung ist Vorarlberg zehn Plätze nach vorne gerückt. Weit dynamischer die Oberösterreicher, die von Rang 74 auf Rang 47 aufgerückt sind und jetzt die Nummer zwei unter Österreichs Wirtschaftsregionen sind.

Die Nummer eins ist oft – auch in anderen Staaten – die Hauptstadt bzw. eine der großen Städte. In Österreich ist das Wien und sein Umland. Die Metropolen haben mehr Hochschulen, mehr Forschung und Entwicklung, sie haben Kliniken und eine breite Infrastruktur. Die Möglichkeiten, sich zu verbessern wurden genutzt, wie die Wertung zeigt, allerdings gibt es, wie Höffinger schon bei der Präsentation 2019 formulierte „Luft nach oben“. „Die Region Vorarlberg hat vor allem durch eine Verbesserung in den Kategorien Höhere Bildung und Innovation Potenziale zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit“, heißt es zusammenfassend in der Studie. Gut positioniert sieht die Untersuchung Vorarlberg beim Kriterium Gesundheit und auch bei der Arbeitsmarkteffizienz mit jeweils Platz zwei in Österreich.
Wettbewerbsindex 2023
1. Utrecht
2. Zuid Holland
3. Île de France
4. Noord Brabant
5. Amsterdam
6. Stockholm
7. Hovedstaden
8.Gelderland
9. Brussels
10. Oost Vlaanderen
Österreich
33. Wien/NÖ
47. Oberösterreich
61. Salzburg
64. Vorarlberg
68. Steiermark
69. Tirol
91. Burgenland
93. Kärnten
Quelle RCI/EU-Kommission
Die wichtigsten statistischen Ergebnisse
– Wettbewerbsfähigste Regionen hauptsächlich im Nordwesten Europas ( va . BENELUX Länder, Skandinavien
– Höchste Wettbewerbsfähigkeit oft in Hauptstadt und
Großstadtregionen, Île de France auf Platz 3 (begrenzter Ausstrahlungseffekt auf Nachbarregionen)
– Die Hälfte der Top 10-Regionen sind Hauptstadtregionen oder Regionen um Großstädte (mit leistungsfähiger Infrastruktur wie Bahnhöfen und Flughäfen)
– Ausnahme: Berlin/Brandenburg (Platz 27 ) liegt als Hauptstadtregion hinter vielen anderen deutschen Regionen, beim Wettbewerbsfähigkeitsindex aber vor Wien/Niederösterreich
– Hauptstadtregion Wien /Niederösterreich 1) auf Platz 33 in der EU
– Österreichische Regionen sind nur im Mittelfeld zu finden, was dem Anspruch, zu den wettbewerbsfähigsten Regionen der EU zu gehören, nicht genügen kann.