Heimische Banker beruhigen: Schweizer Krise ohne Auswirkung auf Euro-Raum

Auch nach Not-Übernahme der Credit Suisse durch die UBS bleiben Finanzmärkte unruhig. Österreichische Banken nicht in Gefahr.
Zürich Die anhaltende Verunsicherung an den Finanzmärkten hat den Goldpreis am Montag erstmals seit Längerem über die Marke von 2000 US-Dollar getrieben. Am Vormittag stieg der Preis für eine Feinunze (etwa 31,1 Gramm) an der Londoner Rohstoffbörse bis auf 2009 Dollar. Das ist der höchste Stand seit etwa einem Jahr. Im Wesentlichen hat der tiefe Fall der Schweizer Traditionsbank Credit Suisse diesen Höhenflug bewirkt, darin sind sich Finanzexperten einig. Selbst die von Bankern immer wieder verunglimpfte Kryptowährung Bitcoin legte wieder deutlich zu.
Schlimmer als bei der tradtionellen Finanzwirtschaft könne ja auch das nicht sein, werden sich die Anleger wohl gedacht haben, als eine der traditonsreichsten Großbanken der Welt, ein Symbol der Schweizer Banken, am Sonntagabend aufgehört hat zu existieren. Der Schaden für den Finanzplatz Schweiz ist maximal. Darin sind sich die Finanzfachleute in der Eidgenossenschaft wie in der Branche weltweit einig.

Einig sind sie sich auch bei der Krisenbewältigung: Nachdem sich die Finanzwelt in der Früh bezüglich Übernahme der kriselnden CS durch die größere Konkurrentin UBS noch skeptisch gezeigt hatte, scheinen sich nun die positiven Stimmen durchzusetzen. Die Aktien der UBS drehten am Nachmittag 3,1 Prozent ins Plus und sind inzwischen deutlich gefragt. “Der europäische Bankensektor ist widerstandsfähig und verfügt über ein solides Kapital- und Liquiditätsniveau”, bekräftigten die Bankenaufsicht der EZB, der europäische Bankenabwicklungsfonds SRB und die europäische Bankenaufsichtsbehörde EBA am Montag in einer gemeinsamen Mitteilung. Es gibt aber auch vorsichtigere Einschätzungen: “Niemand kann zu diesem Zeitpunkt ausschließen, dass es auch in Deutschland und Europa zu einer Bankenkrise mit signifikanten Kosten für Wachstum und Wohlstand kommen wird”, sagte der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher.
Österreich dürfte, so die Krise nicht das gesamte System erfasst, außen vor bleiben. Österreichs Banken sind laut der Österreichischen Nationalbank nicht vom Ausfall der sogenannten AT1-Anleihen der Credit Suisse betroffen. Heimische Fonds und private Anleger würden aber Anleihen im Wert von zwei Millionen Euro halten.
Pressestimmen
“de Volkskrant”, Amsterdam Man hofft, dass nur schwächere Institute wie die Silicon Valley Bank (SVB) und – in Europa – die Credit Suisse von dieser Finanzkrise betroffen sein werden, aber das ist alles andere als sicher. Schon jetzt scheint klar zu sein, dass Banker und Anleger, die unverantwortliche Risiken eingegangen sind (…) wie 2008 mit einem blauen Auge davonkommen werden. Andere Banken werden für die Ersparnisse bürgen, und die Zentralbanken werden wieder einmal mit Milliarden (…) bereitstehen. Ungezügelte Gier ist immer noch nicht strafbar.”
Neue Züricher Zeitung Die Schweiz hat sich jetzt zwar einer Zombie-Bank entledigt, wacht am Montag jedoch mit einer Monster-Bank UBS auf. “Monster” deshalb, weil ihre neue Bilanzsumme fast doppelt so groß sein wird wie die Schweizer Wirtschaftsleistung. Die neue UBS ist somit erst recht zu groß, um sie untergehen zu lassen – “too big to fail” ist also mit voller Wucht zurück. (…)
Frank A. Meyer, Publizist, im Blick Der Credit ist verspielt. Misscredit Suisse. Doch vielleicht verschluckt sich ja die UBS am toxischen Happen. Was an all dem stört und was von all dem hängen bleibt, ist die Zuordnung: Suisse – Schweiz! Der Eidgenossenschaft – um den ramponierten Begriff Suisse zu vermeiden – wurde durch die Geldmanager grosser Schaden zugefügt.
Tages-Anzeiger, Zürich Das Image der Schweiz als stabiler Finanzplatz hat durch das Ende der CS nachhaltig Schaden genommen. Wenn selbst eine der beiden weltweit systemrelevanten Großbanken fallen kann, die mit der Geschichte dieses Landes geradezu verwachsen ist – wie soll man Vertrauen in diesen Standort haben?