Welches Unternehmen in Bludenz “Seelentröster” produziert

Mehr als eine Million Großtafeln werden im Milka-Werk Bludenz täglich produziert. VN/Stiplovsek
Mondelez produziert in Bludenz über eine Million Milka-Großtafeln – Preiserhöhung “unumgänglich”.
Bludenz, Wien Das vergangene Jahr war für die Marke Milka etwas ganz Besonderes. Nicht nur, dass die Milka-Fabrik in Bludenz ihren 135. Geburtstag feierte, auch die Rezeptur der beliebtesten Tafelschokolade im deutschsprachigen Raum wurde geändert. Drei Jahre Entwicklungsarbeit steckten die Snack-Spezialisten von Mondelēz International in diese wichtige Mission, berichtet beim Besuch in der VN-Redaktion Mondelez-Österreich-Geschäftsführerin Elisabeth Hülsmann. Im Großen und Ganzen – alle Fans zu begeistern ist fast unmöglich – ist das Update der lila Tafel gelungen. Wie man weiß, ist das kein einfaches Unterfangen – endete die Veränderung des Geschmacks bei anderen Konzernen – z. B. Coca Cola – oft in einem Desaster. Geschuldet ist die Neupositionierung – Slogan: “Noch schokoladiger” – den geänderten Genussgewohnheiten genauso wie neuen Erkenntnissen zur Gesundheit: Der Anteil von Kakao wurde erhöht, jener von Zucker reduziert.
Starker Standort
Die neue Rezeptur wird auch in Bludenz angewendet: Im traditionsreichen Werk am Bludenzer Bahnhof werden nur Großtafeln hergestellt. Wobei “nur” die Dimensionen nicht wirklich transportiert: In Bludenz werden Tag für Tag über eine Million Tafeln mit 270 Gramm hergestellt. “Zwölf verschiedene Sorten unserer Milka-Mmmax-Tafeln gibt es. 25 Prozent aller im Mondelez-Werk in Bludenz produzierten Schokolade-Großtafeln werden im DACH-Raum konsumiert. Der Rest geht in 34 Länder weltweit. Am Produktionsstandort in Bludenz werden neben den Milka-Mmmax-Tafeln auch Großtafeln anderer Mondelez-Marken erzeugt, informiert Hülsmann, seit 2021 an der Spitze von Mondelez Österreich.
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Bludenz ist eines von drei europäischen Schokoladenwerken des weltweit tätigen Konzerns. Die Qualität und Leistungsfähigkeit des Werkes sei im Kompetenzzentrum im Walgau so hoch, dass es in internen Bewerben immer wieder Auszeichnungen gebe. Der Standort Bludenz, an dem rund 300 der 450 Mondelez-Mitarbeiter in Österreich tätig sind, sei jedenfalls eine Konstante, an der es nichts zu rütteln gebe. In die Optimierung der Produktion werde laufend investiert, “jedes Jahr sind es Millionenbeträge für unser europäisches Kompetenzzentrum für Großtafeln”, betont sie.

“Schokolade ist ein gewisser Seelentröster”, stellt die Managerin zu der Geschäftsentwicklung in den vergangenen Krisenjahren fest, die Milka nichts anhaben konnten. Doch einfach ist das Geschäft derzeit nicht. Auch Mondelez hat mit starken Preissteigerungen bei der Rohware wie der Energie zu kämpfen. “Eine solche Situation habe ich in den vergangenen 20 Jahren nicht erlebt. Wir tun alles, um die Kosten niedrig zu halten, doch wir müssen einen Teil weitergeben”, kündigt sie an, dass auch inzwischen die vielen Milka-Produkte teurer werden. Dass verschiedene Handelsunternehmen den Markenartiklern den Schwarzen Peter für die Teuerungen zuschieben wollen, sieht sie kritisch. Der Handel habe auch Druck, doch so werde der Konsument noch mehr verunsichert.

Nachhaltigkeit
Cocoa Life bis 2030
Mondelēz International steht wegen seiner Einkaufspolitik unter kritischer Beobachtung. Das Unternehmen beruft sich auf sein eigenes Nachhaltigkeitsprogramm in Sachen Rohstoffe, hier die eigene Sicht der Dinge des Konzerns.
“Mondelez hat die nächste Phase seines globalen Cocoa-Life-Nachhaltigkeitsprogramms für Kakao bekannt gegeben, das bis 2030 mit zusätzlichen 600 Millionen US-Dollar unterstützt wird. Damit belaufen sich die Investitionen seit Beginn des Programms auf insgesamt 1 Milliarde US-Dollar. Diese sind mit dem Ziel verbunden, das Kakaovolumen in großem Maß zu steigern und bis 2030 mit rund 300.000 Bäuerinnen und Bauern zusammenzuarbeiten. Mit dieser Investition ist Mondelēz International bestrebt, eine groß angelegte Zusammenarbeit in der Branche anzustoßen, um systemische Umwelt- und Menschenrechtsprobleme zu lösen und die Lebensbedingungen der Kakaobäuerinnen und -bauern zu verbessern.
„Als eines der weltweit führenden Snacking-Unternehmen hat für uns Priorität, unsere wichtigsten Zutaten wie Kakao weiterhin richtig zu beziehen, und Cocoa Life ist das Herzstück dieser Strategie“, sagte Dirk Van de Put, Chairman & CEO von Mondelēz International. „Wir freuen uns über die vielversprechenden Ergebnisse unserer Investitionen, aber wir fordern auch mehr sektorweite Bemühungen und Maßnahmen, um eine größere Wirkung zu erzielen, einschließlich neuer öffentlich-privater Partnerschaften. Wir wollen eine umfassende Zusammenarbeit anregen, um den Kakao gemeinsam voranzubringen.“
Mondelēz International hat Cocoa Life im Jahr 2012 ins Leben gerufen, um die Beschaffung von nachhaltigerem Kakao zu sichern und einen integrierten Ansatz zu entwickeln, der danach strebt, die Ursachen für systemische Probleme im Kakaosektor zu bekämpfen. Dazu gehört die Produktivität der Farmen, sprich die Lebensgrundlage der Bäuerinnen und Bauern, die Entwicklung der Gemeinden, die Bekämpfung von Kinderarbeit und Abholzung – und das in einem einzigen Programm. Zehn Jahre später hat das Programm mit über 200.000 teilnehmenden Bäuerinnen und Bauern und Investitionen in Höhe von 400 Millionen US-Dollar bis Ende 2022 ein bemerkenswertes Ausmaß erreicht und messbare Ergebnisse erzielt:
Die Nettoeinkommen der Bäuerinnen und Bauern sind in Ghana um 15 % und in der Elfenbeinküste um 33 % gestiegen.
Höhere Kakaoerträge und zweistellige Steigerungsraten bei den Bäuerinnen und Bauern, die ein existenzsicherndes Einkommen erzielen.
61 % der Cocoa-Life-Gemeinden in Westafrika sind mit Überwachungs- und Abhilfesystemen für Kinderarbeit ausgestattet, mit dem Ziel, bis 2025 100 % zu erreichen.
Die wichtigsten Erkenntnisse aus den letzten zehn Jahren werden es Mondelēz International ermöglichen, das Cocoa-Life-Nachhaltigkeitsprogramm zu beschleunigen, da noch viel zu tun ist. Möglich wird dies unter anderem durch die Anwendung eines integrierten Ansatzes, der dazu beiträgt, die Wirkung in einem für die Bäuerinnen und Bauern, die Gemeinschaft und die Landschaft geeigneten Umfang zu erzielen. Zudem liegt ein Fokus darauf, den Bäuerinnen und Bauern zu ermöglichen, ihr Einkommen zu steigern – sei es durch die Beschleunigung von Innovationen in der Kakaoproduktion, Anreize zur Professionalisierung des kleinbäuerlichen Kakaoanbaus oder die Einführung klimaresistenter, neuer Produktionsmodelle.
Bis 2030 will Cocoa Life die Zahl der Bauernhaushalte erhöhen, die ein existenzsicherndes Einkommen erzielen, die Systeme zum Schutz von Kindern und den Zugang zu hochwertiger Bildung in den Cocoa-Life-Gemeinschaften verbessern und die Abholzung von Wäldern auf den Cocoa-Life-Farmen weltweit verhindern. Zu den Schwerpunktbereichen des Programms gehören:
Einkommen der Bäuerinnen und Bauern: Zusammenarbeit bei der Entwicklung eines Mechanismus, der einen angemessenen Preis für Bäuerinnen und Bauern unterstützt. Außerdem Zusammenarbeit mit Frauengruppen, um zusätzliche Geschäftschancen zu entwickeln.
Kinderschutz und Bildung: Weiterer Ausbau der Überwachungs- und Abhilfesysteme für Kinderarbeit und aktive Beteiligung an öffentlich-privaten Partnerschaften zur Verbesserung der Bildungsqualität.
Keine Entwaldung: Unterstützung bei der Stärkung von Überwachungssystemen für die Entwaldung, Förderung der Agroforstwirtschaft und Steigerung der Attraktivität des Waldschutzes.
„Wir feiern das 10-jährige Bestehen von Cocoa Life und freuen uns, die nächste Phase ankündigen zu können“, so Christine Montenegro McGrath, Senior Vice President und Chief Impact and Sustainability Officer von Mondelēz International. „Auch wenn bereits Fortschritte und Auswirkungen erzielt wurden, stehen die Kakaobäuerinnen und -bauern und ihre Gemeinden noch immer vor großen Herausforderungen. Wir setzen uns leidenschaftlich für einen dauerhaften Wandel im gesamten Kakaosektor ein und investieren in den integrierten Ansatz von Cocoa Life, denn wir wissen, dass nur eine langfristige Strategie für den gesamten Sektor, unterstützt durch Maßnahmen aller Akteure der Branche, der Regierungen der Erzeuger- und Verbraucherländer und der Zivilgesellschaft, zu einer dauerhaften Wirkung führen wird.“
Nachhaltigkeit ist eine der vier Säulen der langfristigen Wachstumsstrategie des Unternehmens. Sie strebt an, einen langfristigen Wert für das Unternehmen und seine Stakeholder entlang der Wertschöpfungskette zu schaffen. Dazu baut die zusätzliche Investition in Cocoa Life auf den wichtigsten Erkenntnissen auf, die durch den integrierten Ansatz von Cocoa Life und zehn Jahre messbare Ergebnisse gewonnen wurden. Außerdem ist ein Ziel, die Wirkung im Kakaosektor in großem Maßstab zu beschleunigen.”