Wolfurter e.battery systems startet Zehn-Millionen-Finanzierungsrunde

Batterietechnikspezialist auf Wachstumskurs. Vorarlberger Investoren im Fokus.
Wolfurt „Ich wollte meinen Kindern etwas hinterlassen, was positiv für die Umwelt ist“, sagt Christopher Schöpf über seine Motivation, sich selbstständig zu machen. Mit dem Blick auf den wachsenden Markt der Elektrifizierung und einem „Selbstverwirklichungsdrang“, wie er sagt, gründete er 2019 e.battery systems.

Das Unternehmen ist auf Batterietechnik spezialisiert, beliefert Kunden aus Gewerbe und Industrie. Es gibt zwei Standbeine. Zum einen werden wechselbare Lithium-Ionen-Batterien für Zwei- und Dreiradfahrzeuge hergestellt, zum anderen Energiespeichersysteme aus Gebrauchtbatterien. „Viele Batterien werden weggeworfen, obwohl sie noch eine Restkapazität haben“, sagt Schöpf.
Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Youtube angezeigt.
Hier kommt e.battery systems ins Spiel und verwendet diese wieder. Durch die Wiederverwertung verlängere sich deren Lebensdauer um bis zu zehn Jahre. „Wir garantieren eine Ausfallsicherheit. Dazu kommen Kosteneinsparungen von bis zu 30 Prozent gegenüber Neusystemen“, betont der Gründer und Geschäftsführer. Zudem sei es dank Modulsystem möglich, auch nur einzelne Komponenten auszutauschen.

PV-Strom speichern
Die Energiespeichersysteme kommen vor allem in Industrie und Gewerbe zum Einsatz, beispielsweise um den Strom aus einer eigenen Photovoltaikanlage zu speichern. „Damit kann man 80 Prozent seiner Stromrechnung reduzieren. Ganz autark geht nicht, weil nicht jeden Tag die Sonne scheint“, erklärt Schöpf. Die Amortisation erfolge nach sieben Jahren.

Für heuer ist bei den Energiespeichersystemen jedenfalls die Produktion von mindestens 15 Megawattstunden für Kunden geplant.

Das Spezielle an e.battery systems seien auch die Stückzahlen zwischen eins und 50.000. „Wenn jemand eine automatisierte Anlage hat, rentiert es sich erst ab einer Million“, so Schöpf. Dazu komme, dass viele Kunden die Produktion gerne in der Nähe haben. „Es gibt Kunden, die haben in China gekauft und kommen nun wieder zurück. Auch hier sind wir marktfähig, was den Preis betrifft.“

Auftragsbücher gefüllt
Deshalb ist die Auftragslage sehr positiv. Rund 45 Millionen Euro stehen in den Büchern. Heuer soll der Umsatz zum vierten Mal in Folge verdoppelt werden – auf dann acht Millionen Euro. Sechs Millionen davon sollen mit den Battery Packs erzielt werden, zwei Millionen mit den Energiespeichersystemen. „Aber gerade dieser Markt wird exponentiell wachsen.“

Wachstumspotenzial sieht Schöpf in Indien, im Nahen Osten, in Skandinavien sowie der DACH-Region. „Anfangs war alles im Konjunktiv. Heute laufen Zigtausende Stück durch unsere Produktion, unsere Produkte sind weltweit im Einsatz, und es geht darum, zu expandieren, zu skalieren und die Innovationskraft hochzuhalten.“ Die Herausforderung bestehe darin, dass die Organisation entsprechend mitwachse und Prozesse etabliert und stabil gehalten werden.

Personal verdoppelt
Das Personal wurde von 30 auf 60 Mitarbeiter verdoppelt, heuer sollen zwölf weitere dazukommen. „Wir haben gute, erfahrene Mitarbeiter und einen guten Zulauf an Bewerbern. Wichtig ist mir, dass sie unsere Philosophie mittragen, dass unsere Produkte einen Mehrwert schaffen müssen, denn wir sind nicht allein auf der Welt.“ Auch die Investoren hätten eine ähnliche Einstellung.

Neue Finanzierungsrunde
Seit November als Teilzeitfinanzvorstand an Bord ist Günter Hagspiel. Der langjährige Finanzvorstand des Sportartikelherstellers Head betreut mehrere Start-ups in Vorarlberg, Wien und der Schweiz. Bei e.battery systems kümmert er sich hauptsächlich um Themen wie Planung, Finanzprozesse und Finanzierung. „Aktuell sind wir dran, im Rahmen einer Finanzierungsrunde bis Sommer zehn Millionen Euro einzusammeln. Die bestehenden Gesellschafter sind zu 95 Prozent aus Vorarlberg. Deshalb sprechen wir viel mit Vorarlbergern, denn wir wollen den heimischen Bezug erhalten“, sagt Hagspiel.
Generell sei es mit dem Ukraine-Krieg deutlich schwieriger geworden, Kapital zu beschaffen. „Alle sind vorsichtiger geworden. Ich bin aber positiv gestimmt, dass wir das bis Sommer schaffen.“



