Dieses Unternehmen war Energiepionier: Jetzt nutzt es seine Kompetenz wieder

Markt / 21.02.2023 • 18:35 Uhr
Der frühere Textilstandort Steinebach ist heute ein blühendes Gewerbezentrum, jetzt sollen die Gebäude auch noch mit Wärme aus dem eigenen Heizwerk versorgt werden. <span class="copyright">FA</span>
Der frühere Textilstandort Steinebach ist heute ein blühendes Gewerbezentrum, jetzt sollen die Gebäude auch noch mit Wärme aus dem eigenen Heizwerk versorgt werden. FA

Die Energieengpässe sorgen dafür, dass Firmenkraftwerke wieder verstärkt genutzt werden und neue Heizwerke entstehen.

Dornbirn Die Dornbirner Textilindustrie entwickelte sich im 19. Jahrhundert unter anderem deshalb sehr gut, weil sie die Energie aus den Tälern nutzte. Sie waren damals die größten Energieerzeuger im Land, auch die Vorarlberger Kraftwerke waren ursprünglich von einem Textilindustriellen, nämlich Friedrich Wilhelm Schindler, ins Leben gerufen worden. Textilien werden von F. M. Hämmerle (FMH) seit 2016 nicht mehr hergestellt, allerdings zeigt sich aktuell ein Zug zur Energieproduktion. Im vergangenen Jahr, als die Energienot ihren Anfang nahm, verkündete die FMH-Holding, dass das Kraftwerk in Gütle um mehrere Millionen Euro erneuert werden soll, nun stellt der zur Immobilienverwaltung und -entwicklung mutierte Textiler Pläne für den Firmenstammsitz Steinebach vor.

Dieses Unternehmen war Energiepionier: Jetzt nutzt es seine Kompetenz wieder

Vorarlbergs größter Immobilienbesitzer, der sogar in Südafrika Immobilien verwaltet, plant im hintersten Bereich seines Gewerbegebiets Steinebach die Errichtung des Biomasseheizwerks Steinebach. Das vorgesehene Heizwerk kommt auf eine thermische Nennwärmeleistung von 2500 Kilowatt bzw. 2,5 Megawatt. Aktuell laufen an der BH Dornbirn die Behördenverfahren für das Projekt.

Holz aus eigenen Wäldern

F.M.-Hämmerle-Vorstand Tobias Forer-Pernthaler erklärt, dass das geplante Biomasseheizwerk eine “ideale Sache” werde. Denn unmittelbar hinter dem Betriebsareal Steinebach bis hinauf zum Hochälpele befinden sich rund 100 Hektar Wald, die F.M. Hämmerle gehören. “Wir können unser eigenes Holz also direkt aus dem nahen Umfeld verwenden, was lange Transportwege verhindert”, so Forer-Pernthaler. So bleibt die gesamte Wertschöpfung inklusive der Herstellung der Hackschnitzel und der Lagerung vor Ort.

Auch das Werk Gütle wurde mit eigenem Kraftwerk versorgt.
Auch das Werk Gütle wurde mit eigenem Kraftwerk versorgt.

Bestenfalls könne man das Heizwerk bis Ende 2023 oder Anfang 2024 in Betrieb nehmen, vorausgesetzt es gebe grünes Licht von Behördenseite. Das gesamte Investitionsvolumen beziffert Forer-Pernthaler mit etwa neun Millionen Euro netto.

Ohne Gütle keine ausgebaute Rappenlochschlucht.
Ohne Gütle keine ausgebaute Rappenlochschlucht.

Rund 80 Gebäude werden versorgt

Das Heizwerk sei von seiner Leistungsfähigkeit her so dimensioniert, dass nicht nur das gesamte Betriebsareal Steinebach mit Nahwärme versorgt werden könne. Darüber hinaus wird sich das Nahwärmenetz bis hinaus zum Bereich Bündtlitten erstrecken und damit auch viele Wohngebäude mit Wärme bedienen. Insgesamt werden schlussendlich an die 80 Gebäude im Dornbirner Stadtgebiet Steinebach angeschlossen sein.

Gaskessel als Ausfallreserve

Das geplante Biomasseheizwerk besteht aus zwei Gebäuden, nämlich dem Heizhaus und der Hackschnitzelhalle. Hier werden rund 2000 Schüttraummeter Hackschnitzel gelagert. Für die Abdeckung von Leistungsspitzen und als Ausfallreserve gibt es einen Gaskessel mit 3000 Kilowatt Leistung sowie einen Pufferspeicher mit 80 Kubikmetern Volumen. Das Nahwärmenetz zur Versorgung der Abnehmer wird mit einer maximalen Vorlauftemperatur von 100 Grad Celsius betrieben.

Technischer Zusammenschluss mit Fernwärmenetz von Ilg

Zudem ist eine Verbindung mit dem bestehenden Nahwärmenetz der Energiewerk Ilg GmbH vorgesehen. Dadurch kann das Energiewerk Ilg das Netz Steinebach im Sommer mit Wärme beliefern. Im Gegenzug versorge das Heizwerk Steinebach in der Übergangszeit und im Winter das Nahwärmenetz von Ilg mit Wärme.