Fast geschlossen: Jetzt heizt diese Firma kräftig ein

Harder Holzfeuerungspionier schafft nach Übernahme Turnaround und ist weiter auf Wachstumskurs.
Hard Am 15. April 2020, mitten in der „heißen Phase“ der Corona-Pandemie, schockte der deutsche Heizungspezialist Viessmann seine Mitarbeiter im damaligen Ableger des Milliarden-Konzerns in Hard. Aufgrund der Konkurrenzsituation und der Corona-Maßnahmen rechneten die Konzernstrategen damit, dass das Neugeschäft zusammenbrechen könnte, man wolle sich auf den Bereich Service konzentrieren. 60 Mitarbeiter wurden zur Kündigung angemeldet.

Am 6. Juli 2020 übernahm die SAB Holding, inzwischen umbenannt in Legro Group, mit Hauptsitz in Schwarzach, die Holzfeuerungsanlagen GmbH, die zuvor unter Viessmann Holzfeuerungsanlagen GmbH firmierte. Gesellschafter der Legro Group sind Stefan Gritsch, der auch Legro-Geschäftsführer ist, IMA Schelling-Chef Wolfgang Rohner und der Industrielle Günther Lehner. Die Legro Group ist Mehrheitseigentümer u. a. der IMA Schelling Group.

Mawera ist Spezialist für industrielle Biomasseanlagen. FA
Erste Maßnahme, um das Unternehmen, das unter seinem Namen Mawera von Claus Steurer gegründet hat, zu stabilisieren, war es, bereits gekündigte Mitarbeiter mit ihrem großen Know-how wieder zurückzugewinnen und den verbliebenen Mitarbeitern eine Perspektive zu geben. Das ist gelungen, das Unternehmen ist wieder auf Wachstumskurs, wie die Geschäftsführer Thomas Findeis und Hans Winter im Gespräch mit den VN berichten. Heute beschäftigt das Unternehmen am Stammsitz in Hard wieder 128 Mitarbeiter und in den Niederlassungen in Deutschland, der Schweiz, Italien und seit heuer in Polen 42 Mitarbeiter, seit einem Jahr werden wieder Lehrlinge ausgebildet, so Winter.
Volle Auftragsbücher
Mehr Mitarbeiter sind auch notwendig beim Harder Biomasse-Pionier und Marktführer. Denn die Auftragsbücher sind voll, da spiele nicht nur die aktuelle Energiedebatte und -wende den Hardern in die Karten, sondern auch die Expertise der Anlagenbauer. „Wir suchen Mitarbeiter und Lehrlinge in allen Bereichen, von der Verwaltung bis zur Fertigung, von IT bis zur Steuerungstechnik“, sagt Findeis. Zugute kommt Mawera auch das Produkt. „Für viele Menschen ist es wichtig, dass ihre Arbeit Sinn macht, dazu beiträgt, dass Nachhaltigkeit nicht nur ein Schlagwort bleibt“, so die beiden Geschäftsführer.
In den vergangenen zwei Jahren ist viel geschehen. „Wir haben die Fertigung, die schon eingestellt war, wieder auf Schiene gebracht und an die bekannte Qualität wieder angedockt“, berichtet Findeis. Auch die Forschung und Entwicklung habe wieder Fahrt aufgenommen, und entwickle, basierend auf dem Erfahrungsschatz, der seit 1975 aufgebaut wurde, an der weiteren Optimierung der bereits jetzt „extrem guten Verbrennungstechnologie und Filtertechnik“. In der Produktion habe man eine hohe Fertigungstiefe, mache vom Blech und Rohr weg bis zur Schamottierung alles im Haus und natürlich vor Ort beim Kunden.

Zahlen nennen die beiden Geschäftsführer noch nicht, das Wachstum soll aber zweistellig sein. Zuerst müsse man die Zahlen noch den Gesellschaftern vorlegen. Für das laufende Jahr rechnet das Mawera-Management jedenfalls mit 20 Prozent Wachstum. Eine Leistung der Mitarbeiter, weshalb das Unternehmen auch Ende 2022 einen Teuerungsbonus von 1000 Euro ausschütten konnte.

Sitz der Firmen-Administration am Stammsitz in Hard. Wegen der Expansion wird der Platz in den Werkshallen und in der Verwaltung knapp. FA
amMawera ist international tätig, der Fokus liegt aber im DACH-Raum. „Wir haben aber auch gute Kunden in Kanada“, so Winter. Heuer wurde in Wolbrom in Polen ein neuer Standort eröffnet, weitere Standorte, deren Fokus auf Verkauf, Service und Projektbetreuung liegt, gibt es in Dillenburg, wo im Dezember 2020 die Servicegesellschaft Viessmann Industrial Service übernommen wurde, in Balstahl in der Schweiz und in Mühlbach im Südtirol für den italienischen Markt. Seit 2020 produziert Mawera auch die ehemaligen Köb-Anlagen Pyrot und Pyrotec sowie die entsprechenden Originalersatzteile und serviciert die Köb-Anlagen. Kunden sind neben Nahwärmeversorgern die holzverarbeitende Industrie bzw. das Gewerbe und auch neue Absatzmärkte tun sich auf. „Wir verzeichnen eine zunehmende Nachfrage aus der Industrie nach Prozesswärme, Dampf- und Termalölanwendungen aus Biomasse.”
Mawera
Das Harder Unternehmen Mawera baut seit dem jahr 1975 industrielle Biomassefeuerungen zur Energiegewinnung im Leistungspektrum von 150 kW bis 10 MW und ist Marktführer in diesem Bereich. Andere Vorarlberger Anbieter in diesem Bereich bauen entweder weit größere Anlagen (Dieffenbacher Energy) oder Anlagen mit anderen Spezifika (vee – valuable ecological energy).
Biomasse, Altholz und Produktionsreststoffe aus der holzverarbeitenden Industrie leisten einen entscheidenden Beitrag zur CO2-Neutralität. Die Anlagen werden individuell nach Kundenwunsch mit Unterschub-, Rost- und Einblasfeuerungen mit Warmwasser-, Heißwasser-, Dampf- oder Thermalölkessel gefertigt, montiert und vom Unternehmen auch serviciert.
2006 wurde das Unternehmen an den deutschen Branchenriesen Viessmann verkauft, man erhoffte sich dadurch einen größeren Markt und neue Chancen. 2020 zog sich Viessmann ganz aus Vorarlberg zurück, nachdem zuvor schon der Köb-Betrieb in Wolfurt geschlossen wurde. Geplant war vor dem Verkauf an die Legra-Gruppe, nur noch als Serviceunternehmen zu agieren.