Diese Firmen zahlen Mitarbeitern Extrabonus

Markt / 09.02.2023 • 18:15 Uhr
Viele Vorarlberger Firmen unterstützen Mitarbeiter mit einem Teuerungsbonus. Doppelmayr (Bild) hat 2022 einen gestaffelten Erfolgsbonus aubezahlt und Essenszuschüsse erhöht. <span class="copyright">VN/Rhomberg</span>
Viele Vorarlberger Firmen unterstützen Mitarbeiter mit einem Teuerungsbonus. Doppelmayr (Bild) hat 2022 einen gestaffelten Erfolgsbonus aubezahlt und Essenszuschüsse erhöht. VN/Rhomberg

Bonuszahlung ist Entscheidungshilfe für Arbeitnehmer und das Management.

Schwarzach „Jeder Cent ist jetzt wichtig“, sagt der Landesvorsitzende der Gewerkschaft Pro-GE, Wolfgang Fritz, zur Möglichkeit, den Mitarbeitern einen Teuerungsbonus bis in Höhe von 3000 Euro steuerfrei auszubezahlen. „Das ist super und für viele Arbeitnehmer sehr wichtig. Besonders Firmen, die selbst mit den derzeitigen Krisen zu kämpfen haben und trotzdem an die Mitarbeiter denken, spreche ich meine Hochachtung aus“, so der Gewerkschafter, der selbst in einem Unternehmen arbeitet, das die Mitarbeiter mit den Bonus unterstützt: Beim Beschlägehersteller Grass in Höchst haben alle Mitarbeiter die unter 5000 Euro netto verdient haben, einen Bonus von 500 Euro bekommen.

“Ein klares Jein”

Der Spitzengewerkschafter weiß aber auch, dass sich nicht alle Firmen in der derzeitigen Situation eine solche Bonuszahlung leisten können, erklärt er im Gespräch mit den VN, berichtet aber über eine hohe Zustimmung bei den Arbeitnehmern und natürlich deren Betriebsräten. Ganz anders bei der Zumtobel-Group, wie Vorstandsvorsitzender Alfred Felder berichtet: „Bei uns gibt es ein klares Jein zur Teuerungsprämie. Das hängt vom Betriebsrat ab, der derzeit überlegt, ob so eine Prämie gut ist. Wenn ja, dann sind wir gerne bereit, diesen Teuerungsbonus zu bezahlen.“

Zumtobel-Group CEO Alfred Felder: "Wenn der Betriebsrat zustimmt, sind wir bereit, einen Bonus auszubezahlen."<span class="copyright">VN/Sams</span>
Zumtobel-Group CEO Alfred Felder: "Wenn der Betriebsrat zustimmt, sind wir bereit, einen Bonus auszubezahlen."VN/Sams

Besonders interessiert, wer mit dem Teuerungsbonus wie umgeht, sind Personal- und Finanzchefs großer Unternehmen, heißt es aus Arbeitnehmerkreisen. Einerseits – das  hat auch GPA-Geschäftsführer Marcel Gilly den VN bestätigt, sei eine solche Prämie verbunden mit weiteren Goodies für Arbeitnehmer (flexible Arbeitszeiten, verschiedene Arbeitszeitmodelle, Weiterbildung, Lohn, Bonuszahlungen) eindeutig ein Trumpf im Poker um die besten Arbeitskräfte, andererseits wägen Finanzverantwortliche durchaus ab, ob sie einen Bonus zahlen sollen, „oder ob eh viele keinen zahlen“ und man die Erfolgrechnung im Auge behalten kann. Für die Führung von Unternehmen ein durchaus sensibles Thema, denn am Arbeitsmarkt sind derzeit und wohl noch länger, die Arbeitnehmer in der stärkeren Position, wie Arbeitnehmervertreter nicht anzumerken vergessen.

<p class="caption">Wolfgang Fritz, Vorsitzender PRO-GE Vorarlberg: „Die Mitarbeiter in unseren Betrieben freuen sich, wenn sie vom Arbeitgeber unterstützt werden." <span class="media-container dcx_media_rtab" data-dcx_media_config="{}" data-dcx_media_type="rtab"> </span><span class="marker">VN</span></p>

Wolfgang Fritz, Vorsitzender PRO-GE Vorarlberg: „Die Mitarbeiter in unseren Betrieben freuen sich, wenn sie vom Arbeitgeber unterstützt werden."  VN

Unterschiedliche Handhabung

Bei den zehn größten Arbeitgebern Vorarlbergs wird die Auszahlung eines Teuerungsbonus sehr unterschiedlich gehandhabt: Beim größten Arbeitergeber des Landes, Julius Blum GmbH, gibt es jährlich einen Erfolgsbonus, der natürlich je nach Umsatz und Ertrag schwankt, beim Energiekonzern illwerke vkw, so Sprecher Andreas Neuhauser, wird die Möglichkeit nicht wahrgenommen, es gibt keinen Teuerungsbonus, wie die VN bereits berichteten. Der Sprecher der Vorarlberger Industrie, der Bludenzer Markus Comploj, begrüßt die Möglichkeit des steuerfreien Teuerungsbonus grundsätzlich, schränkt aber auch wie Gewwerkschafter Fritz ein, dass natürlich die Unternehmen auf den Geschäftsverlauf und die Liquidität Rücksicht nehmen müssen. „Wer mit dem Rücken zur Wand steht, kann keinen Bonus bezahlen“, so Getzner-Holding-Vorstand Comploj. Bei Getzner hat man übrigens im vergangenen Jahr außertourlich eine Prämie von 3000 Euro an die Mitarbeiter bezahlt.

<p class="infozeile">Industriesprecher Markus Comploj: Grundsätzlich begrüße ich die Möglichkeit für den steuerfreien Bonus, doch auch die Ertragslage der Firmen muss stimmen. <span class="copyright">WKV</span></p>

Industriesprecher Markus Comploj: Grundsätzlich begrüße ich die Möglichkeit für den steuerfreien Bonus, doch auch die Ertragslage der Firmen muss stimmen. WKV

Teuerungsbonus ja oder nein?

Julius Blum GmbH zahlt Erfolgsprämie je nach Geschäftsverlauf im Herbst

Zumtobel Group Betriebsräte prüfen, wenn Zustimmung, dann gibt es Erfolgsprämie

Liebherr Nenzing hat im Moment nichts geplant

Doppelmayr Group 2022 gestaffelten Bonus ausbezahlt, außerdem wurden Essenszuschüsse als auch der Beitrag zu Tankgutscheinen erhöht

illwerke vkw zahlen keinen Teuerungsbonus

Hirschmann Automotive – ist von der Geschäftsentwicklung abhängig

Georg Meusburger GmbH – ist von der Geschäftsentwicklung abhängig, im Vorjahr kein Bonus

GRASS GmbH Teuerungsbonus 500 für alle unter 5000 brutto

Getzner Textil 3000 Euro Erfolgsprämie für die Mitarbeiter im Jahr 2022

Alpla Group Ende 2022 wurde Teuerungsprämie für Mitarbeitende in Hard, Fußach und Nüziders ausbezahlt.

Wissen für die Lohnverrechnung

Abgabenfreie Teuerungsprämien 2022 und 2023 Zulagen und Bonuszahlungen, die der Arbeitgeber in den Kalenderjahren 2022 und 2023 aufgrund der Teuerung zusätzlich gewährt, sind bis zu 3.000 EUR jährlich pro Arbeitnehmer abgabenfrei (LSt-, SV-, BV-, DB-, DZ-, KommSt-frei).

Die Abgabenfreiheit gilt allgemein nur bis zu 2.000 EUR pro Jahr. Die Ausschöpfung des restlichen Abgabenfreibetrages (1.000 EUR) setzt voraus, dass die diesbezügliche Zahlung aufgrund einer lohngestaltenden Vorschrift gemäß § 68 Abs. 5 Z. 1 bis 7 EStG erfolgt. (z. B.  aufgrund eines Kollektivvertrages, aufgrund einer KV-ermächtigten Betriebsvereinbarung, für alle Arbeitnehmer oder für bestimmte Arbeitnehmergruppen).

Der abgabenfreie Maximalbetrag (3.000 EUR) gilt als gemeinsamer Höchstdeckel für Teuerungsprämie und Gewinnbeteiligung gemäß § 3 Abs. 1 Z. 35 EStG. Betriebe, die bereits lohnsteuerfreie (aber SV-, BV, DB-, DZ-, KommSt-pflichtige) Gewinnbeteiligungen gewährt haben, können diese im Jahr 2022 rückwirkend als Teuerungsprämien behandeln (§ 124b Z. 408 EStG).

Da die Teuerungsprämie verglichen mit der Gewinnbeteiligung abgabenrechtlich günstiger ist (in allen Bereichen abgabenfrei und nicht bloß in der Lohnsteuer, keine Deckelung mit dem Vorjahres-EBIT, außerdem ist bis zu 2.000 EUR kein steuerliches Gruppenmerkmal erforderlich), könnte es günstiger sein, die Gewinnbeteiligungsregelung (§ 3 Abs. 1 Z. 35 EStG) für 2022 und 2023 außer Acht zu lassen.