Kein Aprilscherz – die neuen vkw-Strompreise

Markt / 03.02.2023 • 18:45 Uhr
Keine leichte Aufgabe: Hatte Vorarlberg bisher Strompreise, die mindestens die Hälfte günstiger waren als in anderen Bundesländern, müssen die Vorstände helmut Mennel (li.) und Christof Germann nächsten Dienstag die neuen, auf jeden Fall deutlich höheren Strompreise bekanntgeben. <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
Keine leichte Aufgabe: Hatte Vorarlberg bisher Strompreise, die mindestens die Hälfte günstiger waren als in anderen Bundesländern, müssen die Vorstände helmut Mennel (li.) und Christof Germann nächsten Dienstag die neuen, auf jeden Fall deutlich höheren Strompreise bekanntgeben. VN/Paulitsch

Preiserhöhung soll mit Maßnahmen abgefedert werden. illwerke vkw geben Preiserhöhung am Dienstag bekannt.

Bregenz Am Freitag tagte der Aufsichtsrat des Vorarlberger Energiekonzerns illwerke vkw. Bestimmender und aus politischer Sicht heikler Tagesordnungspunkt ist eine Diskussion über die Erhöhungen der Strompreise, die mit 1. April unweigerlich auch die Vorarlberger Haushalte treffen wird.

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Energiepreise explodierten

Die Energiepreise explodierten im vergangenen Jahr, sind eine der Hauptursachen für die Inflation, die schon jetzt viele Haushalte an den Rand (oder darüber) ihrer finanziellen Möglichkeiten bringt. In Vorarlberg haben bislang die bis Ende März geltenden Verträge wenigstens die Energiekosten im Zaum gehalten, jetzt befürchten viele Kunden, dass diese Preiserhöhung sie endgültig überfordert. Mehr werden sie am Dienstag nachmittag kurz nach 14 Uhr wissen: Dieses Datum wurde bei der Aufsichtratssitzung für die Bekanntgabe der neuen Preise festgelegt.

Sensibles Thema

Der Energieerzeuger weiß um das sensible Thema, dementsprechend wurde gestern bei der Sitzung eine ganze Bandbreite an Möglichkeiten vorgestellt. Intern soll, so haben die VN in Erfahrung gebracht, wurde dabei auch von einer Vervierfachung des Strompreises gesprochen, doch mit der Sache vertraute Personen gehen davon aus, dass der Hauptaktionär, das Land Vorarlberg (Anteil: 95,5 Prozent), darauf dränge, dass die Strompreise auch nach der Erhöhung die günstigsten im Bundesländervergleich bleiben.

Günstiger Preis

Geht man davon aus, könnten sich die Preise knapp verdoppeln, statt bislang 727,80 Euro Jahresgesamtpreis ohne einen Neukundenrabatt könnte er bei bei rund 1470 Euro liegen, nimmt man die aktuellen von E-Control veröffentlichten Preise für die jeweils günstigsten Angebote in den Bundesländern bzw. Landeshauptstätten zum Vergleich (Siehe Grafik. Berechnungsgrundlage für die E-Control-Übersicht ist ein Durchschnittshaushalt mit einem Jahresverbrauch von 3500 kWh Strom).

Kein Aprilscherz - die neuen vkw-Strompreise

Doch wie ebenfalls zu erfahren ist, will man mit flankierenden Maßnahmen die Preiserhöhung für besonders betroffene Haushalte und Kunden im KMU-Bereich abmildern. Ein Unterfangen, das erst kürzlich auch Landeshauptmann Markus Wallner anlässlich des der Sitzung des Energiekrisenstab unterstrich: „In der Landesregierung überlegen wir aktuell, wie wir auf weitere Preisentwicklungen reagieren werden“. Eine nicht zu unterschätzende Aufgabe, denn Doppelförderungen, also vom Bund und vom Land, sind rechtlich nicht so einfach möglich. „Wir sind derzeit an den Rechnungen dran sind“, informierte illwerke vkw-Vorstand Helmut Mennel vergangene Woche, dieses Wochenende wird also noch für die endgültige Kalkulation genutzt.

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Factbox Netzentgelte

Stichwort Wissen Netzentgelte

VN-Leser Peter Hrouda hat auf seiner Stromrechnung beim Posten Netzverlustentgelt eine Steigerung des Netzverlustendgelt von 0,352 ct/KWH im Dezember auf ein Netzverlustendgelt 2,08 ct/KWH festgestellt – eine Steigerung von 590 Prozent. Netzentgelte und Netzverlustentgelt werden nicht vom Stromerzeuger, sondern von der E-Control festgelegt.

 

Netzentgelte

Wer Netzbetreiber ist, hängt ausschließlich von der Wohnadresse ab, man kann den Netzbetreiber also nicht nach Belieben auswählen. Da der Netzbetreiber diese Monopolstellung hat, werden die Systemnutzungsentgelte, die er erbringt, behördlich von der E-Control festgelegt und jährlich am 1. Jänner angepasst. Die Netzbetreiber müssen diese Netznutzungsentgelte einhalten und können keine individuellen Vereinbarungen mit Kundinnen und Kunden treffen. Um die Höhe der Netzentgelte feststellen zu können, melden die Netzbetreiber alle ihre Aufwände für die Strom- und Gasnetze. Das beinhaltet auch Neuerschließungen, Wartungen und Instandsetzungen, aber auch das Ablesen der Zähler, die Verwaltung und vor allem den Betrieb. Diese Entgelte sind für Strom in der Systemnutzungsentgelte-Verordnung festgelegt. E-Control: „Sie können sich darauf verlassen, dass Sie die wichtige Netzdienstleistung von Ihrem Netzbetreiber zu einem fairen Preis erhalten.“

 

Netzverlustentgelt

Durch das Netzverlustentgelt werden dem Netzbetreiber jene Kosten abgegolten, die dem Netzbetreiber für die Beschaffung der für den Ausgleich von Netzverlusten erforderlichen Energiemengen entstehen. Für die Bemessung des Netzverlustentgeltes ist ein arbeitsbezogener Netzverlustpreis tarifmäßig zu bestimmen.

VN-Leser Peter Hrouda ist gewarnt: Netzverlustentgelt steigt um 590 Prozent.
VN-Leser Peter Hrouda ist gewarnt: Netzverlustentgelt steigt um 590 Prozent.

Alle Tarife für Privatkunden der illwerke vkw: www.vkw.at/strom.htm#=

Preisvergleich bei E-control: https://www.e-control.at/industrie/strom/strompreis