Weltkonjunktur: Wenn “weniger düster” schon “überraschend positiv” ist

Markt / 31.01.2023 • 17:33 Uhr
Die Konjunkturprognose des Internationalen Währungsfonds für Großbritannien sorgt bei Londons Börsianern für schlechte Stimmung. <span class="copyright">Reuters</span>
Die Konjunkturprognose des Internationalen Währungsfonds für Großbritannien sorgt bei Londons Börsianern für schlechte Stimmung. Reuters

Noch im Herbst waren die Prognosen des Internationalen Währungsfonds düster.

Singapur, Washington, Wien Die Weltwirtschaft wird die Folgen des Ukraine-Kriegs und die hohe Inflation etwas besser verkraften als zunächst befürchtet, heißt es in der Prognose des Internationalen Währungsfonds (IWF) zur Weltwirtschaft. “Die globalen Wirtschaftsaussichten haben sich dieses Mal nicht verschlechtert. Das ist eine gute Nachricht, aber nicht genug”, sagte IWF-Chefvolkswirt Pierre-Olivier Gourinchas in Singapur. Zwar werde sich das Wachstum im Vergleich zu 2022 (3,4 Prozent) heuer auf 2,9 Prozent verlangsamen. Doch die Aussichten seien “weniger düster” als noch im Oktober angenommen. Grund dafür seien “positive Überraschungen” und eine “unerwartet hohe Widerstandsfähigkeit” in zahlreichen Volkswirtschaften. Ein Treiber der Weltwirtschaft könnte Chinas Abkehr von der Null-Covid-Strategie sein.

Prognose ein “Wendepunkt”

Der IWF erwartet in diesem Jahr kein Abrutschen der Weltwirtschaft in die Rezession – eine Option, welche die Ökonomen im Herbst nicht ausgeschlossen hatten. Gourinchas zufolge könnte die aktuelle Prognose einen “Wendepunkt” darstellen und das Wachstum seinen Tiefpunkt erreichen, während die Inflation zurückgehe. Sollte China mit den Impfungen gegen das Coronavirus schneller vorankommen, würde dies einen Aufschwung sichern.

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Allerdings zählt der Bericht auch etliche Risiken auf, die eine Verschlechterung der Wirtschaftslage zur Folge hätten: eine weitere Verschärfung der Corona-Situation in China, eine Eskalation des russischen Angriffskriegs in der Ukraine und eine Schuldenkrise aufgrund der strengen Geldpolitik der Zentralbanken.

An China hängt die Hoffnung, dass sich nach Lockerung der Covid-Regeln in der Volkswirtschaft auch die internationale Konjunktur stabilisiert. <span class="copyright">AFP</span>
An China hängt die Hoffnung, dass sich nach Lockerung der Covid-Regeln in der Volkswirtschaft auch die internationale Konjunktur stabilisiert. AFP

In seiner aktualisierten Prognose rechnet der IWF in diesem Jahr mit einem globalen Wachstum von 2,9 Prozent. Das sind 0,2 Prozentpunkte mehr als noch im Oktober angenommen – allerdings ist das Wachstum im Vergleich mit den vergangenen zwei Jahrzehnten unter dem “historischen Durchschnitt”. Für das Jahr 2024 wird ein Wachstum von 3,1 Prozent erwartet.

Für die Eurozone prognostiziert der IWF ein Wachstum von 0,7 Prozent in diesem Jahr – ein um 0,2 Prozentpunkte höheres Wachstum als zuvor angenommen. “Die Prognose für ein geringes Wachstum im Jahr 2023 spiegelt die Zinsanhebung der Zentralbanken im Kampf gegen die Inflation – insbesondere in den Industrieländern – sowie den Krieg in der Ukraine wider”, heißt es in der Prognose. Für etwa 90 Prozent der Industrieländer werde in diesem Jahr ein Wachstumsrückgang prognostiziert.

Dass die Weltwirtschaft aber nun doch stärker wachsen soll, als noch im Oktober angenommen, liegt dem Bericht zufolge auch daran, dass Europa die Energiekrise durch den Krieg in der Ukraine besser verkraftet hat als erwartet. Generell sei trotz heftiger Gegenwinde das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal 2022 in zahlreichen Volkswirtschaften überraschend stark gewesen – darunter in den Vereinigten Staaten und im Euroraum.

Auch die Zinsanhebungen der Zentralbanken zeigten Wirkung, so der IWF. Es gebe Anzeichen dafür, dass die strenge Geldpolitik die Inflation bremse. “Aber die volle Wirkung wird sich wahrscheinlich nicht vor 2024 einstellen”, heißt es in der Prognose weiter. Der IWF mahnte an, dass die Zentralbanken weiter an der Zinsschraube drehen müssten.

Für 2023 rechnet der IWF weltweit mit einer Teuerungsrate von 6,6 Prozent, im kommenden Jahr soll sie dann bei 4,3 Prozent liegen. Dennoch werde es dauern, bis wieder Preisstabilität bei einer Teuerungsrate von ungefähr zwei Prozent herrsche. Alle Augen dürften nun vor allem auf China liegen. Gourinchas betonte, dass die plötzliche Wiedereröffnung des Landes in vielen Staaten den Weg für eine rasche Erholung der Wirtschaft freigemacht habe. Diese könnte allerdings in Stocken geraten, falls die Konjunktur in China durch heftige Corona-Wellen oder weitere Verschlechterungen im Immobiliensektor stärker als erwartet abschwächt. Im Moment gehe man aber von einer Stabilisierung der Wirtschaft aus. In dem Land lag das Wachstum im Jahr 2022 laut IWF bei 3 Prozent. Es sei das erste Mal seit mehr als 40 Jahren gewesen, dass Chinas Wachstum unter dem weltweiten Durchschnitt gelegen habe.

Österreichische Wirtschaft schrumpfte im IV. Quartal 2022

Weniger positiv sind die Vorayussetzungen in Österreich, dynamisch ins neue Jahr zu starten. Das zeigen die BIP-Zahlen für Österreich, die vom WIFO veröffentlicht wurden: Die heimische Wirtschaftsleistung ist im 4. Quartal 2022 gesunken. Gegenüber dem Vorquartal ging sie um 0,7 Prozent zurück. Damit war die Wirtschaftsleistung nach drei Quartalen Wachstum erstmals rückläufig.

Gemäß ersten Berechnungen sank das heimische BIP im IV. Quartal 2022 um 0,7% (Kennzahl laut Eurostat-Vorgabe). Damit ging die Wirtschaftsleistung nach drei Quartalen positiven Wachstums im Jahr 2022 (I. Quartal +1,2%, II. Quartal +1,9%, III. Quartal 2022 +0,2%) erstmals wieder zurück. Im Jahresvergleich stieg der Wert um 2,7% (gegenüber dem IV. Quartal 2021). Dieses hohe Wachstum ergibt sich aufgrund des niedrigeren Niveaus im Vorjahr, wo Maßnahmen des vierten Lockdown im Rahmen der COVID-19-Pandemie die wirtschaftliche Aktivität in Österreich belasteten.

Vor dem Hintergrund der weltweiten Konjunkturabschwächung verlor auch die heimische Industrie seit der Jahresmitte 2022 an Schwung. Im IV. Quartal stagnierte die Wertschöpfung in der Industrie (ÖNACE 2008, Abschnitte B bis E) im Vorquartalsvergleich. In der Bauwirtschaft wurde ein Rückgang von 0,9% verzeichnet.

Auch die Erstellung von Dienstleistungen drückte die gesamtwirtschaftliche Dynamik. Im Bereich Handel, Verkehr, Beherbergung und Gastronomie lag die Wertschöpfung um 2,7% unter dem Vorquartal. Spiegelbildlich ging die Konsumnachfrage der privaten Haushalte zurück (-2,4%). Die hohen Verbraucherpreise belasteten hier die Entwicklung deutlich.

Stabilisierend wirkte hingegen die Wertschöpfung in den Bereichen Information und Kommunikation, Finanz- und Versicherungsleistungen, Grundstücks- und Wohnungswesen (ÖNACE 2008, Abschnitte J bis L +0,4%) und in der Öffentlichen Verwaltung (+0,4%).

Im Außenhandel blieb die Dynamik noch hoch. Die Exporte stiegen um 2,9%, die Importe um 2,8%. Auch die Investitionsnachfrage verlief noch stabil. Die Bruttoanlageinvestitionen wurden im Vorquartalsvergleich ausgeweitet (+2,4%).