IV-Präsident Ohnebergs letzter Neujahrsempfang

Im Juli übergibt der Unternehmer sein Amt. Sein Wunsch: Mehr Mut – auch zu unangenehmen Entscheidungen.
Schwarzach Für Martin Ohneberg ist es der letzte Neujahrsempfang der Industriellenvereinigung als deren Präsident. Acht Jahre lang hatte er das Amt inne, nach zwei Perioden kann er nun nicht mehr gewählt werden. Im Juli soll es einen Nachfolger geben.
Wer das ist? „Es laufen Gespräche, aber es ist noch nichts entschieden“, sagt Ohneberg im VN-Gespräch. Generell werde es immer schwieriger, Menschen für ein Ehrenamt zu gewinnen. Er selbst habe das Amt acht Jahre lang mit Freude und aus Idealismus ausgeübt. Letztlich sei es aber auch gut, dass ein neues Gesicht eine neue Perspektive einbringe.

Insgesamt ist er mit seiner Zeit als Präsident zufrieden. „Uns ist einiges gelungen, einige Dinge wurden ins Rollen gebracht. Beispielsweise die HSG-Niederlassung in Dornbirn oder die internationale Schule. Aber die Umsetzungsgeschwindigkeit in der Politik ist natürlich manchmal frustrierend. Denn andere Länder schlafen nicht.“

Seinen letzten Neujahrsempfang nutzte Ohneberg, zusammen mit IV-Geschäftsführer Christian Zoll, um mehr Mut einzufordern. Nur wenn man Visionen habe, sehe man, was möglich wäre. Deshalb wurde beim Empfang auch die 2016 erstmals präsentierte und nun adaptierte Industriestrategie präsentiert. Sie umfasst 21 Ziele aus den Bereichen Leben, Wirtschaften und Lernen. Grundlage sind über 90 Gespräche mit Unternehmern und Stakeholdern.

Projekte ohne Vision
„Wir haben einen Cocktail aus Krisen, es herrscht Frustration und es herrscht Handlungsbedarf, bei der Infrastruktur, hinsichtlich Arbeitskräften bei der Marke Vorarlberg“, so Ohneberg.
Visionslosigkeit ortet er bei vielen Projekten im Land, bei der Bahn in Bregenz, bei der S18 oder der Wälderbahn. Bei vielem gebe es zwar Schritte, die aber nach Meinung der IV nicht weit genug gehen. So auch bei der Kinderbetreuung oder der Raumordnung.

Aktuell würden viele Projekte aufgrund von Widerstand viel zu schnell aufgegeben oder erst gar nicht verfolgt. Ohnebergs Appell: „Dinge lassen sich realisieren, wenn man mutig ist.“ Dazu hat die IV drei Zukunftsbilder entworfen. Diese zeigen drei Orte in Vorarlberg und wie diese in der Zukunft aussehen könnten – mit dem Seilbahnprojekt “Wälderexpress”, mit einem Streckenabschnitt der Autobahn, der mit Wohnraum überbaut ist und dem Lustenauer Ried inklusive Park und S18. Denn, so Ohneberg, auch ein Miteinander von Wirtschaft und Lebensraum sei durchaus realisierbar.