Deshalb gibt es bei den Zimmerern keinen Auftragseinbruch

Markt / 18.12.2022 • 20:30 Uhr
Zwei Vorarlberger Stärken: Holzbau und Lehmbau (hier: Pavillon Haberkorn-Garten) sind Baustoffe für die Klimawende. <span class="copyright">FA</span>
Zwei Vorarlberger Stärken: Holzbau und Lehmbau (hier: Pavillon Haberkorn-Garten) sind Baustoffe für die Klimawende. FA

Vorarlberger Holzbau mit vollen Auftragsbüchern und guten Perspektiven im Jubiläumsjahr.

Ludesch, Feldkirch Vor 25 Jahren gründeten Vorarlberger Zimmerer die freiwillige Interessengemeinschaft „Vorarlberger Holzbaukunst“ mit dem Ziel, die Marketing-, Schulungs- und Strategieaktivitäten des Holzbaus zu bündeln und zu stärken.

Im Jubiläumsjahr kann das junge Team rund um Obmann Werner Flatz und Innungsmeister Manuel Feuerstein nicht nur eine beeindruckende Bilanz ziehen, sondern auch mit Zuversicht in die Zukunft schauen. „Die Auftragsbücher sind voll“, freut sich Flatz, „die Anfragen häufen sich weiter“, in der Baubranche insgesamt schaut es längst nicht so gut aus, wie die Blitzumfrage in Vorarlberg zeigte. Bis zu 30 Prozent Rückgang befürchten die Bauunternehmen (die VN berichteten), bei den Zimmerern könne davon keine Rede sein, so Holzbaukunst-Geschäftsführer Matthias Ammann.

Zukunftsstrategie beschlossen

Doch auf den Lorbeeren ausruhen wollen sich die Holzbaubetriebe nicht. Im Gegenteil: Der Holzengpass in der Coronazeit steckt den Zimmerern noch in den Gliedern. Die damals ventilierte Gründung einer eigenen Holzwerkstoffproduktion in Vorarlberg nimmt Form an, zusammen mit Partnern aus der Forstwirtschaft, dem Holzhandel und Mayer-Melnhof in Reuthe wird an einem Projekt gearbeitet, berichtet Flatz. Auch scheuen die Holzbauer nicht vor neuen Wegen zurück, was den Materialmix angeht. Zusammen mit dem Schlinser Lehmbaupionier Lehm Ton Erde arbeitet man an Möglichkeiten, die beiden regionalen, klimaneutralen und komplett recycelbaren Baustoffe kombiniert zu benutzen. Ein erstes Projekt ist der Holzlehm-Pavillon im Haberkorn-Garten in Wolfurt. Luft sehe man, so Flatz im VN-Gespräch, in Vorarlberg noch bei großvolumigen Bauprojekten mit Holz  im Land. Er verweist auf die inzwischen weltweit realisierten Großprojekte in Holzkonstruktion, die nicht nur für Aufsehen, sondern auch für aktiven Klimaschutz sorgen. Auch Vorarlberger Holzbaufirmen sind international an solchen Projekten beteiligt. „Nicht nur der Holzbau profitiert davon“, betont Innungsmeister Feuerstein, „auch Vorarlberger Handwerker vom Elektriker bis zum Installateur sind in dieser Wertschöpfungskette integriert.“ Ganz zu schweigen von der kleinen, aber feinen Nische der Architekturreisen, die in Vorarlberg sehr erfolgreich vermarktet wird.

Ein Beruf mit Sinn

Bei den jungen Leuten boomt der Holzbau ebenfalls, nicht zuletzt, weil es für sie eine Arbeit mit Sinn für Umwelt und Gesellschaft ist: 185 junge Menschen werden derzeit ausgebildet, zehn mehr als 2021, darunter sind sieben weibliche Lehrlinge, was Feuerstein besonders freut. Gefeiert wird das Jubiläum im Frühjahr, derzeit ist einfach zu viel zu tun.

25-Jahre Holzbaukunst Wo steht der Vorarlberger Holzbau, wie schaut die Zukunft aus?

Die Vorarlberger Holzbaukunst hat in den letzten 25 Jahren Pionierarbeit geleistet, die auch anderen Branchen zugute kommt. Das gute Image zeigt sich in der Auftragslage. Werner Flatz, Obmann Vbg. Holzbaukunst

Unser triales Ausbildungsmodell ist Vorbild für den Holzbau in anderen Bundesländern und es gefällt den jungen Menschen, die Sinn in der Arbeit suchen. Wir haben 185 Lehrlinge. Manuel Feuerstein, Innungsmeister Holzbau

In den vergangenen 25 Jahren konnten wir viel bewegen, das zeigen die Zahlen. Mit der zweiten Generation werden wir weiterhin nicht lugg lo. Holz ist der Baustoff der Zukunft. Matthias Ammann, GF Vbg. Holzbaukunst

Holzbau in Zahlen

Aktive Innungsmitgliedsunternehmen 138

Mitarbeiter 1005

Lehrlinge 185

Umsatz 2022 161,596 Millionen Euro

Projekte u. a. Holzbaupreis 2023, Plattenproduktion, Kooperation Holz- und Lehmbau

Quelle: Statistik Austria, Innung, Vorarlberger Holzbaukunst