Vorarlberger Bierbrauer schlagen Alarm: “Bier darf nicht patentiert werden”

Privatbrauereien sehen Bierhandwerk massiv gefährdet.
Schwarzach Bei den Vorarlberger Privatbrauereien (Mohrenbrauerei, Brauerei Egg, Brauerei Frastanz) ist die Sorge derzeit groß. Denn in drei Wochen steht eine politische Entscheidung an, die über deren Zukunft maßgeblich mitentscheidet.
Kritik
Hintergrund ist ein Patent auf Braugerste, das die Braugroßkonzerne Heineken und Carlsberg eingebracht haben. Die Kritik: Diese Braugerste, die sich besonders für energiesparendes Brauen eignet, wäre durch den Patentschutz dann nicht mehr für alle Brauereien frei zugänglich. Zudem stelle das Patent eine Umgehung des Verbots von Patenten auf konventionell gezüchtete Pflanzen und Tiere dar. Denn laut Verein Arche Noah, der genauso wie der Verein der Unabhängigen Privatbrauereien Österreichs diese Kritik teilt, beruhe dieses Patent auf zufälligen genetischen Veränderungen der Gerste und sei daher nicht als patentierbare Erfindung zu qualifizieren.

Beeinflusst den Markt
„Die Natur ist nicht patentierbar“, sagen auch die Geschäftsführer Heinz Huber (Mohrenbrauerei), Kurt Michelini (Brauerei Frastanz) und Lukas Dorner (Brauerei Egg) und weisen darauf hin, dass dieses Patent die Vielfalt regionaler, privat gebrauter Biere bedrohe. Wenn große Anbauflächen für diese patentierte Gerste zur Verfügung stehen und dadurch andere Getreidesorten in den Hintergrund rücken beziehungsweise andere Sorten deutlich teurer würden, beeinflusse das den Markt erheblich und sperre den Mitbewerb aus. Das vergrößere die Kluft zwischen großen und kleinen Brauereien noch mehr.
Zudem erstrecke sich dieses Patent nicht nur auf die Pflanze und das Saatgut, sondern auch auf die Ernte, das Malz, die Würze und auf das Bier, das daraus gebraut wird. Kritik äußert Lukas Dorner auch daran, dass das Patent Braukonzernen quasi eine Monopolstellung bei energiesparenden Brauverfahren ermöglicht. „Das bringt uns Nachteile in der Produktion.“

Gegen die Entscheidung über das Patent auf Braugerste und Bier legte das europäische Bündnis „No Patents on Seeds!“ bereits Beschwerde beim Europäischen Patentamt ein. Diese wurde jedoch abgelehnt. „Eine Entscheidung, die überhaupt nicht nachvollziehbar ist“, so die drei Vorarlberger Brauerei-Chefs.
Hoffnung auf Novelle
Die große Hoffnung liegt nun auf Österreich. Denn hier ist gerade eine Novelle des Patentgesetzes auf dem Weg. Darin werde der Begriff „im Wesentlichen biologische Verfahren“ präziser definiert. Diese Verfahren und ihre Ergebnisse sind von der Patentierbarkeit ausgeschlossen. „Der Begutachtungsentwurf enthält wichtige Klarstellungen, mit denen das Patent auf Braugerste hätte verhindert werden können. Es sind natürlich noch zusätzliche Änderungen auf europäischer Ebene notwendig, um das Problem endgültig zu lösen. Aber mit der präsentierten Novelle würde Österreich ein eindeutiges Signal an das Europäische Patentamt schicken“, so Kurt Michelini.

Ein Weihnachtsgeschenk
Eine Beschlussfassung der Novelle wäre somit „ein wichtiges Zwischenziel“, damit Lebensmittel nicht exklusiv in die Hände von Konzernen kommen und „das beste Weihnachtsgeschenk“.
