Rekordinflation, nur in der Schweiz wird vieles günstiger

Schweizer Inflation sinkt im Oktober weiter auf drei Prozent.
Zürich Während die Inflation in Österreich im Oktober laut Schnellschätzung auf elf Prozent stieg, ist jene in der Schweiz auf drei Prozent gesunken. Das ist bereits der zweite Rückgang in Folge. Im August hatte die Inflation den zumindest vorläufigen Höhepunkt bei 3,5 Prozent erreicht – und lag damit auf dem höchsten Stand seit fast dreißig Jahren.
Insgesamt sind die Preise für Gas, Heizöl und Mobilnetz-Kommunikation gestiegen, ebenso wie jene für Bekleidung und Schuhe. Demgegenüber sind die Preise für Kombi-Angebote von Fest- und Mobilnetz, Treibstoffe und neue Automobile gesunken.
Eine Insel
Die Schweiz ist damit international gesehen in Bezug auf die Inflation eine Insel. So lag die Teuerung in der Eurozone zuletzt im Oktober bei 10,7 Prozent und damit so hoch wie nie seit Einführung der Gemeinschaftswährung im Jahr 1999. In den USA wurde sie im September bei 8,2 Prozent ausgewiesen, wobei die Teuerung dort im Juni mit 9,1 Prozent den höchsten Stand seit über 40 Jahren erreicht hatte.
Das wurde in der Schweiz billiger
Olivenöl -8,7 Prozent
Inland-Pauschalreisen -4,1 %
Computer -4,4 %
Diesel -3,5 %
Benzin -6 %
Neue Autos -0,9 %
Kombi-Angebote Fest- und Mobilnetz -7,8 %
Rotwein inländisch -3,7 %
Beeren -4 %
Hotellerie -1,9 %
Bettzeug -4,6
Suppen -2,2
Geflügel -1,4
Preiskontrollen und Protektionismus
Sind die Schweizer also zu beneiden? Man könnte es meinen. Zum einen ist die Währung stark. “Wenn der Schweizer Franken aufwertet, werden importierte Güter für Verbraucher billiger”, sagt Alexander Rathke von der Konjunkturforschungsstelle der Universität ETH. Dieser Effekt erkläre aber höchstens einen Prozentpunkt der Inflationsdifferenz.
Tatsächlich profitieren die Schweizer in Krisenzeiten, wenn Preise weltweit in die Höhe schnellen, von hohen Importzöllen auf Lebensmittel und Agrarprodukte und bei Strom und Gas von Preiskontrollen.
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“Durch die protektionistischen Maßnahmen sind die Schweizer Nahrungsmittelpreise von der Entwicklung auf dem Weltmarkt abgekoppelt”, sagt Maxime Botteron, Analyst der Bank Credit Suisse (CS). Die Schweizer heben den Preis für ausländische Agrarprodukte, die auch im Inland hergestellt werden, durch Importzölle auf das höhere Schweizer Niveau, um heimische Getreide-, Obst- und Gemüsebauern vor ausländischer Konkurrenz zu schützen. “Wenn der Preis für Güter, die wir selber produzieren, am Weltmarkt steigt, sinkt nur der Zoll”, sagt Rathke.
Preise insgesamt höher
Allerdings zahlen die Schweizer in Zeiten ohne Krisen auch einen hohen Preis: “Die Preise sind zwar jetzt stabiler, dafür ist das Preisniveau aber auch sonst immer höher”, sagt Rathke. Für Lebensmittel, die in den Nachbarländern 10 Euro kosten, seien in der Schweiz umgerechnet 18 Euro fällig. Weil 2021 die Schweizer Ernte schlecht war und in dem Fall fehlendes Getreide, Obst und Gemüse ohne hohe Importzölle importiert werden konnte, gab es sogar Schnäppchen: “Weil Tomaten aus Spanien und andere Nahrungsmittel aus dem Ausland billiger sind, fielen die Preise”, sagt Botteron.

Thema Energie: Die Schweiz deckt ihren Strombedarf fast ganz aus Wasser- und Atomkraft, während in Deutschland viel Strom mit Gas produziert wird. Nur im Winter muss die Schweiz Strom importieren, dann könnten sich höhere europäische Preise auswirken.
Anderer Warenkorb
Hinzu kommt, dass die Warenkörbe sich unterscheiden, anhand derer die Inflation berechnet wird. Sie richten sich danach, wie viel Geld die Menschen im jeweiligen Land im Durchschnitt für welche Produktkategorie ausgeben. Im Schweizer Warenkorb machen Energiekomponenten wie Erdöl, Strom und Gas nur fünf Prozent aus, während es in Deutschland knapp zehn Prozent und in den USA sieben Prozent sind. Der Anstieg der Weltmarktpreise bei Öl und Gas befeuern die Inflation in der Schweiz deshalb weniger.

Dasselbe gilt für Lebensmittel. In der Schweiz liegt ihr Anteil im typischen Warenkorb bei 11,5 Prozent, in den USA bei 13 Prozent und in der Eurozone bei 15 Prozent. “Je wohlhabender die Menschen sind, desto kleiner der Anteil, den sie für Nahrungsmittel ausgeben”, sagt Rathke.