Was den Bäckern das Handwerk verleidet

Brotwoche unter besonderen Bedingungen. Bäcker fordern Energiezuschuss.
Schwarzach Am Sonntag ist Tag des Brotes, bereits ab Samstag laden die Vorarlberger Bäcker zur Brotwoche, die heuer nicht mit einer gemeinsamen Aktion, sondern mit individuellen Angeboten der 67 Betriebe gefeiert wird. Doch zu feiern gibt es heuer eigentlich nicht viel. Am frühen Dienstagmorgen dürfte Landesstatthalterin Barbara Schöbi Fink das Brötle, das Innungsmeister Wolfgang Fitz ihr verehrte, im Hals steckengeblieben sein. Denn der Berufsgruppensprecher sagte klipp und klar, dass es mit dem täglichen Brot in vielen Gemeinden bald zu Ende gehen könnte, wenn die Betriebe nicht schnell und unbürokratisch einen Energiekostenzuschuss erhalten. Angesprochen ist ganz klar das Land. Fitz verweist auf eine ähnliche 80-Millionen-Euro-Hilfe die das Bundesland Salzburg bereits auf den Weg gebracht hat.
Verständnis der Kunden
Es gehe für viele Betriebe ums nackte Überleben. Denn nicht nur die Energiekosten plagen die Bäcker, sondern auch die Rohstoffpreise, so ist Mehl um 60 Prozent teurer als vor einem Jahr. Auch die Lohnkosten, „die wir den Mitarbeitern gönnen“, steigen stark. Das alles sei in der Kalkulation der Handwerksbetriebe nicht mehr unterzubringen. Und deshalb muss auch trotz der 15-prozentigen Preissteigerung seit vergangenem Jahr auch weiterhin mit Preiserhöhungen gerechnet werden. „Bislang haben die meisten Kunden Verständnis für die Preissteigerungen, sie kennen unsere Situation“. Doch wie lange das noch so ist, sei ungewiss.

„Man kann sich nicht immer auf Wien oder Brüssel hinausreden“, stellen Fitz und die Geschäftsführererin der Innung, Jennifer Grabher in Richtung Landesregierung klar. Die Unsicherheit sei groß, obschon die Versorgung im laufenden Jahr für die Bäcker – abgesehen von den Preissteigerungen – gut gelaufen sei. Doch wie der Winter wird, sei ein großes Fragezeichen wegen der vielfältigen Herausforderungen. Es sei zu hoffen, dass die Tourismusbetriebe ohne Einschränkungen funktionieren, so der Innungsmeister.
Grabher und Fitz besuchten die VN zusammen mit Austauschlehrling Vivienne aus Oldenburg. Ihr macht der Beruf Spaß, ihre Berufswahl bereut sie nicht, wie sie bekräftigt. Ein positives Zeichen zum Start der Brotwoche.

Zahlen zum beliebtesten Lebensmittel der Vorarlberger
300 Brotsorten sind in Österreichs bzw. Vorarlbergs Bäckereien gelistet, die Zahl der Sorten, die in den Bäckereien hergestellt werden, sind aber Sache des Bäckers. In Deutschland sind es sogar 3183 verschiedene Brotsorten, die vom Deutschen Brotinstitut gelistet sind.
48 Kilo Brot ist der durchschnittliche jährliche Pro-Kopf-Verbrauch. Das sind monatlich ca. 4 Kilogramm. Hauptsächlich verspeisen Frau und Herr Österreicher Schwarzbrot, gefolgt von weißem. Ein Drittel genießt zum Frühstück am liebsten Korngebäck, jeder Vierte hat Lust auf eine Semmel.
6000 Jahre ist es ungefähr her, dass das erste Brot mit Sauerteig gebacken wurde. Bis dahin gab es nur Fladenbrote wie das Südtiroler Schüttelbrot. Mehl wurde schon früher hergestellt, wie Funde zeigen. Gemahlen wurde laut Forschung schon vor über 30.000 Jahren.
67 Bäckereien sind in Vorarlberg mit der Herstellung von Brot, Gebäck und süßen Teilen beschäftigt, die in 145 Verkaufsstellen erhältlich sind. Die Vorarlberger Bäckereien sind aktiv in der Ausbildung tätig und bieten mit Stand Oktober 64 Lehrlingen einen Ausbildungsplatz.