Boom bei Notstromaggregaten: Aber es gibt auch Fallstricke

Markt / 06.09.2022 • 05:30 Uhr
Unternehmer Rene Jauk verkauft und vermietet Baumaschinen und Geräte. <span class="copyright">BauPowergroup/fasching</span>
Unternehmer Rene Jauk verkauft und vermietet Baumaschinen und Geräte. BauPowergroup/fasching

Seit Blackout-Szenarien in aller Munde sind, gehen Anfragen durch die Decke.

Schwarzach Was tun, wenn der Strom wegbleibt und es dunkel wird? Diese Frage stellen sich derzeit viele und  setzen deshalb verstärkt auf den Kauf von Notstromaggregaten.

Bei Rene Jauk laufen derzeit die Telefone heiß. Seine Firma BauPowerGroup verkauft und vermietet in Österreich, Liechtenstein, der Schweiz und Dubai Baumaschinen, Baugeräte und Tiefbautechnik, darunter seit jeher auch mobile Notstromgeneratoren für Baustellen. Rund 35 Geräte hat er davon im Angebot. Seit die Blackout-Szenarien in aller Munde sind, gehen die Anfragen durch die Decke. „Seit Ende Juli haben wir über 350 Anfragen von Unternehmen, Kraftwerken, Krankenhäusern und Privatpersonen im Haus. Vielerorts herrscht Panik“, berichtet er im Gespräch mit den VN.

Viel Unwissenheit

Dabei stellt er fest, dass auch sehr viel Unwissenheit herrscht. Denn mit dem Kauf eines Aggregats sei es lange nicht getan. Zusätzlich, so Jauk, gebe es sehr viele weitere Details zu beachten. „Egal ob Industriebetrieb oder Privatperson, fast niemand kennt seinen tatsächlichen Strombedarf. Zudem braucht man für stationäre Notstromaggregate eine Baubewilligung und einen Umbau des Schaltschrankes. Denn bei großen Geräten reden wir von einer Leistung, die bis zu 250 Einfamilienhäuser versorgen könnte. Drückt man da den falschen Schalter, ist alles schwarz.“

Auch große Diesel-Generatoren sind stark nachgefragt. <span class="copyright">RID</span>
Auch große Diesel-Generatoren sind stark nachgefragt. RID

Einiges zu beachten

Privatpersonen zählen nicht zum Kundenkreis der BauPowerGroup. Dennoch beobachtet Rene Jauk gerade Dinge, die bei ihm die Alarmglocken schrillen lassen. „Ein Notstromaggregat für den Haushalt kann nicht in den Schaltkasten einspeisen. Das heißt, ich kann nur gewisse Geräte anschließen. Ein Herd zieht den Strom vom Netz, das funktioniert schon mal nicht.“ Um zu kochen bräuchte man eine transportable Induktionskochplatte. Auch die Fußbodenheizung oder der Boiler funktioniert nicht mit Notstromaggregat. „Anschließen kann ich beispielsweise einen Heizlüfter“, gibt der Unternehmer ein Beispiel. Und wenn man einen Laptop oder ein Handy damit laden will, müsse das Gerät über eine Inverterfunktion verfügen.

Rene Jauks Fokus mit der BauPowerGroup liegt auf der Baubranche. <span class="copyright">BPG</span>
Rene Jauks Fokus mit der BauPowerGroup liegt auf der Baubranche. BPG

„Zudem brauche ich die richtigen Kabel, weil das Aggregat nicht in geschlossenen Räumen eingeschaltet werden darf und es verbraucht auch ordentlich Treibstoff, der irgendwo gelagert werden muss“, betont der Unternehmer. Dazu komme noch der Lärm, den das Gerät eingeschalten auf der Terrasse verursacht.

Kosten-Nutzen-Rechnung

Für Unternehmen gibt es je nach Größe Dieselgeneratoren mit einer Leistung von bis zu 2500 Kilovoltampere. Die Lieferzeiten bewegen sich derzeit von drei Monaten bis eineinhalb Jahren. „Als Betrieb sollte man die Frage stellen: Wie hoch ist mein Schaden, wenn ich vier Stunden keinen Strom habe? Und diese Kosten dann den Anschaffungskosten eines Aggregats gegenüberstellen“, so Jauk. Rund 50 Bestellungen hat er derzeit im Haus, täglich kommen ein bis zwei neue hinzu. Dabei hätte er mit dem Fokus auf Baukunden bereits mehr als genug Geschäft.

Aber auch hier gelte, dass es mit dem Kauf des Generators nicht getan ist. Beispielsweise müsse man je nach Größte über eine Tankanlage verfügen. „Ein Notstromaggregat läuft mit einer Tankfüllung gut acht Stunden. Bei großen Firmen reden wir schon mal von 240.000 Litern Diesel in der Woche.“