Diese zwei Vorarlberger Hotels setzen auf einen Ruhetag

Neue Wege und Konzepte als Antwort auf die aktuelle Mitarbeitersituation.
Bezau Es gäbe genügend herausfordernde Themen, über die man mit Gastronomen oder Hoteliers derzeit reden könnte. Spannend sind neue Konzepte, wie man diesen Herausforderungen begegnen kann.
Ellen Nenning (Hotel Gams), Susanne Kaufmann und Stephanie Rist (Hotel Post) gehen neue Wege, um die Zukunft zu meistern. Abseits der Masse haben sie in ihren Häusern individuelle Konzepte etabliert.

Gesund und zu zweit
So sind die Restaurants in beiden Hotels nur mehr für Hausgäste geöffnet. In der Post setzt man den Fokus auf einen ganzheitlichen Ansatz mit gesunder Ernährung, Bewegung und Retreats. Die Gams ist ausschließlich für Paare geöffnet, die Zeit zu zweit genießen wollen.

Dabei wurde in den Hotels vor ein paar Jahren noch alles angeboten. Urlaub für Gourmets, für Familien, für Erholungssuchende genauso wie Hochzeiten oder Seminare. Am Ende wollten sie kein Bauchladen mehr sein, wo man alles und jederzeit anbietet. Das bringt auch kritische Stimmen mit sich. Aber für Susanne Kaufmann steht fest: „Es gibt einfach Hotelkonzepte, die nicht darauf eingerichtet sind, rund um die Uhr Gäste von außen empfangen zu können. Wir wissen, was wir können. Wir sind ein Hotel, aber eben kein Café und kein Nachtlokal.“
Neue Wertehaltung
Letztlich müsse jedes Hotel seinen individuellen Weg finden, der zu einem passe, auch was die Mitarbeiter betrifft. Gerade in den vergangenen Jahren habe man gemerkt, wie sehr sich die Arbeitswelt wandelt. „Die Arbeit am Wochenende wird immer unattraktiver. Geld zu verdienen ist nicht mehr der größte Anreiz“, sagt Post-Hoteldirektorin Stephanie Rist. Das bedinge einen Kurswechsel.
Ellen Nenning hat in der Gams im Jänner den Sonntag als Ruhetag fix eingeführt. „Das geht natürlich nicht in jedem Hotel“, betont sie. Von ihren Gästen gebe es aber zu 99 Prozent positives Feedback. Generell hätten ihre Mitarbeiter unterschiedliche Arbeitszeitmodelle. „Die einen wollen sechs Tage arbeiten, die anderen vier. So gibt es bei uns maßgeschneiderte Jobs“, so die Hotelchefin.
Klar, die Mitarbeitersituation sei nicht einfach. Doch es gebe durchaus Parameter, die man als Betrieb selbst beeinflussen könne, ist Nenning überzeugt. Auch wenn man dabei immer die Balance zwischen Es-jedem-recht-machen und Wirtschaftlichkeit halten müsse.

Für Bernhard Bereuter, Chef des AMS Vorarlberg, ist es spannend zu beobachten, wie viel im Tourismus gerade passiere. Das Image einer Sieben-Tage-Woche bei schlechter Bezahlung sei schon lange überholt. Viele Betriebe hätten bei Bezahlung, Zusatzangeboten und Arbeitszeitmodellen ordentlich nachgebessert. Aber auch das AMS hat sich angepasst, vermittelt Beschäftigte noch individueller. „Ein Koch ist nicht gleich Koch und nicht jeder passt in jedes Hotel.“


Ruhetag ab Jänner
Als Kaufmann vom Gams-Ruhetag hörte, war sie Feuer und Flamme. „Ich war sofort begeistert. So können wir das Wochenende etwas entschärfen.“ Nun soll auch die Post am Sonntag ruhen. Das bedeutet, Gäste können ab Jänner an diesem Tag nicht mehr anreisen. Zudem wird ab dem Zeitpunkt noch mehr reduziert und fokussiert. Zwar ist das Neubauprojekt vorerst verschoben worden, weil die finanziellen und zeitlichen Unsicherheiten derzeit zu groß sind, doch erfüllt sich die Post ihren Traum eines neuen Konzepts, wenn auch noch im alten Kleid. Im Herbst kommt die Tennishalle weg. Das Hotel bleibt deshalb ab Mitte November zu. „Ab 2. Jänner öffnen wir, vollständig fokussiert auf unsere Retreats.“ Inklusive Entspannungstag für die Mitarbeiter. 50 Mitarbeiter beschäftigt die Post, 45 die Gams. Somit schaffen die beiden Hotels in Bezau knapp 100 Arbeitsplätze.
