Warum die Schweiz eine solch geringe Inflation hat

Die Inflation in der Schweiz steigt, jedoch weit langsamer als in der EU.
Bern Im Mai hatte die EU eine Inflation von 8,8 %, Deutschland 8,7 %, Österreich 7,7 % und die Schweiz 2,7 % (Harmonisierter Verbraucherpreisindex, Eurostat). Auch wenn die Inflation in der Schweiz ebenfalls weiterhin ansteigt, bleibt sie im Juni mit 3,4 Prozent weit unter jener der EU. Wie lässt sich das erklären?
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Sicherer Hafen Franken
Der Schweizer Franken hat am Finanzmarkt den Ruf eines sicheren Hafens, wenn andere Währungen unter Druck geraten. Dies gilt derzeit vor allem für den Euro. Der Wertzuwachs des Franken macht Importe für die Schweizer günstiger und federt damit Preissteigerungen etwas ab.
Protektionismus
Die Schweiz macht über Zölle importierte Güter teurer, um Schweizer Produkte konkurrenzfähig zu halten. Dies spüren die Schweizer in hohen Lebenserhaltungskosten. Werden ausländische Produkte teurer, profitieren jedoch Schweizer Produzenten. Fehlen gewisse Produkte in den Schweizer Regalen, kann sie die Zölle senken und die importierten Produkte werden somit günstiger. Beides senkt die Auswirkungen der Teuerung in der EU. Der Onlinehandel setzt die Schweizer Produzenten aber auch unter Druck, sie senken ihre Preise in vielen Bereichen – und damit die Inflation.
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Der Warenkorb
Die Inflation wird mit einem Warenkorb berechnet. Die Schweiz gewichtet hier fossile Brennstoffe weit geringer als beispielsweise Österreich. Diesel wird in Österreich mit 1,916 % berücksichtigt, in der Schweiz nur mit 0,59 %. Dies senkt deren Einfluss auf die Inflation ebenfalls. Dies wird im Harmonisierten Verbraucherpreisindex zwar korrigiert, aber kommuniziert wird meist der nationale Index, der damit geringer ist.
Die Sozialversicherung
In der Schweiz zahlt jeder gleich viel für die Krankenversicherung, egal wie hoch sein Einkommen ist. In der Inflationsberechnung fließt sie nicht ein, da senkt die Inflation. Viele Haushalte zahlen aber ein Achtel ihres Einkommens allein an die Krankenkasse (watson.ch), und die Prämien steigen allein heuer wieder um mindestens fünf Prozent.
Energie
Die Schweiz setzt auf Wasser- und Atomkraft, während Deutschland noch zu über 40 % Kohle und Gas für die Stromgewinnung verbrennt. Entsprechend weniger stark steigen die Energiepreise.