Warten auf Covid-Ersatz: Klosers Bäckerei meldet Insolvenz an

Covid-Umsatz- und Verlustersatz sind ausgeblieben. 89 Mitarbeiter betroffen.
bregenz Die Bregenzer Bäckerei Kloser, einer der größten Betriebe in der Branche in Vorarlberg, hat am Montagvormittag Insolvenz angemeldet. Die Bäckerei, die 17 Filialen vornehmlich im unteren Rheintal an gut frequentierten Orten betreibt, ist nach Eigenaussage des Unternehmens urkundlich die älteste Bäckerei Vorarlbergs (die Bäckerei Spiegel in Dornbirn beruft sich auf das Gründungsjahr 1826). Sie wurde am heutigen Firmenstandort in der Arlbergstraße 1834 von Michael Räfye, Bäckermeister aus Meßkirch und Ururgroßvater des heutigen geschäftsführenden Gesellschafters Thomas Kloser, gegründet und überstand in 188 Jahren Kriege, Epidemien und andere Katastrophen. Alle Hindernisse wurden unter verschiedenen Firmennamen bewältigt.
Nicht aber die Coronapandemie, wie aus den Unterlagen, die von Kloser heute ans Landesgericht geliefert wurden, hervorgeht. „Coronabedingt wurden ein Lockdown-Umsatzersatz sowie ein Verlustersatz beantragt. Diese beiden Unterstützungsmaßnahmen wurden bis heute nicht ausbezahlt“, heißt es seitens der Bäckerei. Und weiter: „Da die vorhandene Liquidität nunmehr aufgebraucht ist, musste der Antrag auf Konkurseröffnung eingebracht werden.“ Die Zusage für Umsatz- und Verlustersatz erfolgte im vergangenen Oktober. Seither habe er nichts mehr gehört, geschweige denn auf dem Konto gesehen, so Kloser gegenüber den VN. Geht es nach Kloser, wird der Betrieb auf jeden Fall fortgeführt, nun wird in Abstimmung mit dem bestellten Masseverwalter die weitere Vorgangsweise erörtert und entschieden. Die Verbindlichkeiten der Bäckerei werden mit 2,1 Millionen Euro angegeben. Betroffen sind von der Insolvenz 89 Mitarbeiter.
Die langen Wartezeiten auf die Covidzahlungen bestätigt Armin Immler, Geschäftsführer der Sparte Gewerbe und Handwerk in der WKV. „Grundproblem ist, dass man den Unternehmern Misstrauen entgegenbringt, statt die Angaben zunächst einmal zu glauben“, so Immler. Die Prüfungen durch die Abwicklungsstelle führten zu einer langen Warteschleife und so zu einer Verschärfung der finanziellen Situation, die auch für andere Firmen noch zum Fallstrick werden könne.
Die Traditionsbäckerei ist heute im Besitz der Musterknaben Capital GmbH, die 60,1 Prozent hält, und der Kloser Gesellschaft m.b.H. & Co. KG, die sich im Eigentum von Geschäftsführer Thomas Kloser befindet. Die Musterknaben Captial GmbH mit Sitz in Bregenz befindet sich im Eigentum des Investmentmanagers Marco Düngler und des Unternehmers Florian Wassel, die an der Firma jeweils 50 Prozent halten.
Bei Weiterführung müsse man, so Geschäftsführer Thomas Kloser, klären, in welchem Umfang das vernünftig sei. Denn aufgrund der Geschäftsentwicklung hätte man kein Insolvenzverfahren beantragen müssen, verweist er auf die ausgebliebenen Covid-Hilfen. Dass die Bäckerei für ihren Betrieb vier Gewerbe angemeldet habe, habe die Sache nicht leichter gemacht, um Unterstützung konnte jeweils nur für ein Gewerbe angesucht werden. Zum Masseverwalter wurde der Bregenzer Anwalt Christian Steurer bestellt. Die Tagsatzung findet am 4. August 2022 beim Landesgericht Feldkirch statt. VN-sca
