Deshalb wird Bauen noch teurer

Vorarlberger Bauwirtschaft kämpft mit Teuerung und Lieferengpässen. Auftragslage noch gut.
Schwarzach “Wenn kein Stahl mehr geliefert wird, dann steht alles“, stellt Thomas Lang, Geschäftsführer des Schrunser Bauunternehmens Jäger Bau, fest und hofft, dass dieser Worst Case nie eintritt. Denn ohne Stahl könnte nicht nur die Bauwirtschaft ihre Arbeit beenden, sondern auch so gut wie alle Gewerke auf einer Baustelle.
So gesehen kann der Baumanager auch wohl oder übel den immens gestiegenen Materialkosten noch etwas abgewinnen. Das ist es dann aber schon. Denn die Bauwirtschaft, die die vergangenen beiden Jahre trotz Covid-Einschränkungen gut durch die Krise manövrierte, hat mehrere Baustellen: Neben den Rohstoffpreisen, auch Zement soll zur Mangelware werden, sind das die gestiegenen Energiekosten und der Mangel an Mitarbeitern, die es ebenso zu bewältigen gilt, wie die aus all diesen Komponenten resultierende Inflation, die Leistungen, die zu Fixpreisen in den Auftragsbüchern stehen.
Der Geschäftsführer des Vorarlberger Baugewerbes, Hilmar Müller, zeichnet ein düsteres Bild zur aktuellen Situation und vor allem zu den Aussichten in diesem Geschäftsjahr. „Jetzt geht es auch um die kleinen Dinge, um Nägel und Schrauben, bei denen es Engpässe gibt. Auch Dämmmaterial und die Frachtkosten belasten, so Müller, die Betriebe, die über 4000 Arbeitskräfte in Vorarlberg beschäftigen. „Das was jetzt passiert, ist unvorstellbar“, fasst er die Lage zusammen. Und spricht von einem Fahren auf Sicht. Derzeit gebe es auch keine Angebote mehr zu Fixpreisen, mit vielen Kunden werde derzeit über Möglichkeiten gesprochen, wie die Kostenlawine bewältigt werden kann. Doch immer geht das nicht.
„Gleitpreise können wir nicht überall machen“, erklärt Joachim Alge, Geschäftsführer beim Bauunternehmen i+R und verweist auf die Wohnungskäufer, die ihre Wohnung zu Fixpreisen erworben haben und nicht weiter belastet werden können. Auf diese könnte auch noch durch die Zinspolitik der EZB ohnehin weitere Belastungen zukommen. Die Preiserhöhungen für die Auftraggeber können sind durchaus im zweistelligen Bereich bewegen. So hat erst kürzlich das Hörbranzer Unternehmen Rupp die Baukostensteigerung für die Betriebserweiterung mit rund 20 Prozent beziffert.
Volle Auftragsbücher
Gebaut wird trotzdem, denn es ist nicht abzusehen, wie sich die Situation weiter entwickelt. Das hängt mit dem Krieg in der Ukraine ebenso zusammen wie mit den bereits seit letztem Jahr grassierenden Lieferengpässen. „Was man heute anbietet, ist morgen schon falsch“, beschreibt Lang die Lage. Derzeit sei die Auftragslage gut, auch die Auftragsbücher sind voll. Verschiebungen verschiedener Projekte stehen im Raum, doch bisher läuft der Betrieb. Wenn genug Personal vorhanden ist, denn die Situation am Arbeitsmarkt ist ebenfalls prekär. Es sind viel zuwenig Mitarbeiter zu finden, auch die herrschende Omikron-Welle fordert Tribut. „Der Mitarbeitermangel ist ein massives Problem“, dem man bei i+R mit einer weiteren Verstärkung der Ausbildung im Betrieb entgegentrete, sagt dazu Alge.
Wie ist die Situation in der Branche, was kann man tun?

Wir sind gerade dabei, mit jedem einzelnen Kunden die Situation zu besprechen. Momentan sind Baustahl und Diesel für uns brennende Themen, doch Mangel droht auch bei Zement. Ich glaube nicht, dass sich die Lage in absehbarer Zeit wieder entspannt. Derzeit haben wir noch eine gute Auftragslage. Thomas Lang, GF Jäger Bau

FA
Derzeit können die Baufirmen wegen der ständig sich verändernden Preise keine Angebote mehr in Fixkosten machen. Was derzeit am Markt passiert, ist unvorstellbar. Die Situation ist weit gefährlicher als in den letzten zwei Jahren. Die Baufirmen können die Mehrkosten nicht allein stemmen. Hilmar Müller, GF Bauinnung

Joachim Alge (rechts), mit Reinhard Schertler, Eigentümer der i+R Gruppe. i+R
Es herrscht eine wahnsinnige Unsicherheit, vor allem bei Baustahl und Diesel, aber auch bei vielen anderen Materialien. Wir wissen nicht, wo das noch hingeht, der Druck auf die Preise steigt. Andererseits haben wir nach wie vor eine hohe Nachfrage und eine ebensolche Auslastung. Joachim Alge, GF i+R