Politiker sieht Chance, Amazon in Dornbirn zu verhindern

Dornbirner Vizebürgermeister sieht sehr wohl Einflussmöglichkeit auf geplante Ansiedlung.
Dornbirn Die geplante Ansiedlung von Amazon in Dornbirn sorgt seit Monaten für große Diskussionen. Auch die Dornbirner SPÖ bleibt bei ihrem klaren Nein zur Ansiedlung des Amazon-Verteilzentrums in Dornbirn. Man wolle aber nicht auf die Baueingabe warten, sondern bereits jetzt tätig werden, sagt Markus Fäßler, Vizebürgermeister und Fraktions- und Parteivorsitzender der Dornbirner SPÖ, gegenüber den VN.
Bezahlung, Flächenverbrauch
Für ihn ist die Ansiedlung aus fünf Gründen abzulehnen. Erstens seien hochwertige Betriebsgebiete ein sehr knappes Gut und müssten daher für die Ansiedlung von produzierenden Betrieben freigehalten werden. Zweitens sei der Flächenverbrauch von Amazon mit 33.000 Quadratmetern riesig. Drittens bezahle Amazon kaum Steuern in Österreich. Viertens zeige eine Studie der Wirtschaftsuniversität Wien und der Arbeiterkammer prekäre Arbeitsbedingungen, enormen Arbeitsdruck und schlechte Bezahlung bei Amazon auf. Und fünftens drohe durch die Ansiedelung ein totaler Verkehrsinfarkt beim Knoten Dornbirn Nord.

Chancen vorhanden
„Die Bürgermeisterin hat mehrfach gesagt, dass die Stadt nur wenig Einflussmöglichkeiten auf die Ansiedlung von Amazon auf einem privaten Betriebsgrundstück habe. Dieser Meinung sind wir nicht. Natürlich besteht die Chance, zum Beispiel durch Erlassung einer Bausperre und Ausarbeitung eines Bebauungsplans für das Betriebsgebiet Dornbirn Nord“, betont Fäßler.
Bausperre erlassen
Würde man eine Bausperre erlassen, so der Vizebürgermeister, könnte sichergestellt werden, dass genügend Zeit für eine qualitätsvolle Entwicklung des Bebauungsplans zur Verfügung stehe. Dieser könnte die baulichen Rahmenbedingungen mit Verordnungscharakter klar festlegen, beispielsweise das Maß der baulichen Nutzung, die Art der Bebauung, Geschossanzahl, die Höhe der Bauwerke, Baulinien, Baugrenzen, nachhaltige Nutzung erneuerbarer Energien und die Gestaltung der Fassaden. Das Land könnte zudem ein Verkehrsgutachten in Auftrag geben, so Fäßler.
In der kommenden Sitzung der Stadtvertretung am 17. März will die Dornbirner SPÖ einen eigenen Tagesordnungspunkt „Betriebsgebiet Dornbirn Nord“ beantragen und Anträge bezüglich Bausperre, Bebauungsplan und Verkehrskonzept stellen, erklärt Fäßler. „Da auch andere Parteien sich kritisch über eine Amazon-Ansiedlung geäußert haben, besteht die Chance auf gemeinsame Anträge.“
Aus in Graz
Indes ist das geplante Verteilzentrum von Amazon in Graz offenbar Geschichte. Wie Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ) mitteilt, hat das US-Unternehmen alle Anträge zurückgezogen. Die Flächeninanspruchnahme hätte rund 5,7 Hektar betragen. Allerdings könnte das Verteilzentrum im Umland gebaut werden.
