Korrektur oder Bärenmarkt?

Markt / 04.02.2022 • 18:23 Uhr
Korrektur oder Bärenmarkt?

Dornbirn 61 Wochen dauerte es, bis der S&P500 einen Verlust von mehr als sechs Prozent verzeichnete – eine Serie, welche erst drei Mal in den letzten 20 Jahren vorkam. Nun fragen sich viele, was die Hauptgründe für die Turbulenzen sind und ob wir auf dem Weg in einen langanhaltenden Bärenmarkt sind.

Schwierigkeiten bei Lieferketten, Omikron-Variante, Ukraine-Konflikt, Inflationssorgen sowie eine aggressivere Haltung der US-Notenbank, machten den Anlegern im Januar zu schaffen. Besonders Letzteres hatte gravierende Auswirkungen auf die Wachstumsaktien. Die Nasdaq kämpfte zu Beginn 2022 mit starken Abverkäufen. Die Gründe liegen auf der Hand. Im Laufe des Januars haben sich die Renditen der zehnjährigen US-Staatsanleihenpapiere von circa 1,50 auf 1,80 Prozent erhöht, mit gravierenden Folgen für die Tech-Aktien. Denn bei den IT-Firmen liegen die großen Gewinne in der Zukunft und diese haben bei höheren Zinsen einen niedrigeren diskontierten Wert in der Gegenwart. Historisch gesehen ergab sich immer dann ein Bärenmarkt, wenn sich auch die Wirtschaft in einer Rezession befand. Damit sich nun die Aktienkurse deutlich nach unten bewegen, müssen die Unternehmensgewinne merklich fallen. Nach den jüngsten Auswertungen von Refinitiv sieht es nicht danach aus. Von den 145 Unternehmen aus dem S&P 500, welche ihre Ergebnisse für das vierte Quartal 2021 bereits veröffentlicht haben, konnten rund 79 Prozent die Analystenerwartungen übertreffen. Aktuell gehen wir nicht von einem langanhaltenden Bärenmarkt aus, rechnen für die nächsten Monate aber mit einer erhöhten Volatilität. Langfristig dürfte allerdings kein Weg an Aktien vorbeiführen.

Clemens Lengauer, Leiter Vermögensverwaltung, Volksbank Vorarlberg e. Gen.