Börsen trotzten allen Sorgen
ATX beendet starkes Jahr mit Plus von 38,9 Prozent. Auch international ging es nach oben.
Wien Die Wiener Börse hat das zweite Coronajahr 2021 mit einem deutlichen Plus beendet, nachdem nach dem ersten Pandemiejahr noch ein Minus von zwölf Prozent zu Buche gestanden war. Damit liegt der heimische Markt im internationalen Trend. An den meisten Börsen weltweit ging es heuer steil nach oben. Getrieben wurden die Kurse von dem starken globalen Konjunkturaufschwung und den massiven Hilfsprogrammen von Nationalstaaten und Notenbanken.
Sehr starkes Börsenjahr
Der ATX ging mit einem Plus von 39 Prozent aus dem Handel, der ATX Total Return (inklusive Dividenden) verzeichnete im Jahresverlauf einen Gewinn von 44 Prozent. Im Jahresverlauf ging es im Grunde stetig nach oben. Das Jahrestief lag gleich zu Beginn 2021 bei rund 2775 Punkten, das Hoch erreichte der ATX dann im November bei 3961 Punkten.
Performancesieger im heimischen Leitindex waren der Leiterplattenhersteller AT&S mit einem Jahresplus von 70,31 Prozent, gefolgt von den Großbanken Erste Group (plus 65,28 Prozent) und Raiffeisen Bank International (plus 55,28 Prozent). Auch Öl- und Energiewerte wie OMV (plus 52,42 Prozent), EVN (plus 49,05 Prozent) und Verbund (plus 44,50 Prozent) waren heuer bei den Investoren gefragt.
Satte Kursgewinne
Auch an den meisten internationalen Märkten ging es bergauf, teils sogar recht kräftig. In Europa steht der Euro-Stoxx-50 aktuell bei einem Jahresplus von rund 21 Prozent, beendet das Börsenjahr jedoch erst heute.
Der deutsche DAX legte seit Jahresbeginn rund 16 Prozent zu und beendet das Jahr damit das neunte Mal in zehn Jahren im grünen Bereich. In Asien ging der Tokioter Nikkei-Index mit einem Jahresplus von 4,9 Prozent aus dem Handel, der Index steht damit so hoch wie seit 1989 nicht mehr. Im Vergleich zu den US-Börsen, wo die Technologiebörse Nasdaq auf ein Jahresplus von 22 Prozent zusteuert, ist der Zuwachs allerdings eher moderat. Auch der Dow Jones Industrial Average, der am Freitag seinen letzten Handelstag hat, steht aktuell mit rund 20 Prozent im Plus.
Wie es weitergeht
Im kommenden Jahr dürfte das Umfeld für die Märkte zunehmend schwieriger werden, denn die Sorgen aus dem heurigen Jahr werden laut Analysten bleiben, während die fiskal- und geldpolitische Unterstützung weniger werden dürfte. Neben der Pandemie wird auch die Inflation im kommenden Jahr ein großes Thema bleiben.
Mit Preisfestsetzungsmacht
Bei Aktien lohne sich ein genauerer Blick, sagt Felix Düregger von der Schoellerbank. „Vergleicht man Aktienveranlagungen mit Alternativen, so merkt man rasch, dass die scheinbare Überbewertung gar keine solche ist. Aktien bieten also Jahr für Jahr Gewinnsteigerungen durch Mehrerträge gegenüber vielen Zinsinvestments.“ Generell ergebe es aber mehr Sinn, so Düregger, die Attraktivität von Aktien nicht anhand von Indizes, sondern von einzelnen Unternehmen zu messen. „Gerade in einem Umfeld anziehender Inflation suchen wir vor allem Unternehmen mit Preisfestsetzungsmacht und gesunder Bilanz“, setzt er auf inflationssichere Geschäftsmodelle. Bei Unternehmensanleihen sollten Investoren indes ihren Qualitätsanspruch nicht über Bord werfen. „Nur weil die Zinsen niedrig sind, müssen Anleger nicht immer noch schlechtere Schuldner akzeptieren.“ VN-reh