Für Hotelgäste in Vorarlberg ist an Silvester um 22 Uhr Schluss

Heimische Hoteliers sind wütend und enttäuscht über kurzfristige Planänderung der Bundesregierung.
Schwarzach, Lech „Wie blauäugig muss man sein, um zu glauben, dass die Gäste um 22 Uhr aufs Zimmer und zu Bett gehen oder fernsehen oder Minuten zählend warten, bis die Pummerin das neue Jahr einläutet? Das Gegenteil ist der Fall. Die Gäste decken sich mit alkoholischen Getränken ein und feiern dort, wo sie niemand kontrolliert.“

Deutliche Worte findet der Vorarlberger Hotelier und Tourismussprecher Markus Kegele für die Coronapolitik der Bundesregierung. Der Tenor aus Gesprächen mit zahlreichen Hoteliers und Gastronomen vom Bregenzerwald über das Montafon bis zum Arlberg ist unisono derselbe: Sie sind entsetzt und wütend. „Die Verhältnismäßigkeit stimmt einfach nicht mehr“, so Kegele im VN-Gespräch.
Privatfeiern erlaubt
Grund für den Missmut ist die kurzfristige Planänderung, dass ab dem 27. Dezember und damit auch zu Silvester, die Sperrstunde in der Gastronomie und Hotellerie auf 22 Uhr vorverlegt wird. Dabei seien genau das die Orte, an denen die Einhaltung der 2G-Maßnahmen streng kontrolliert werde und es Hygiene- und Sicherheitskonzepte gebe. „Jetzt hat sich die Politik für das Gegenteil entschieden. Keine Kontrolle, keine Abstände und privat darf jeder feiern“, so Kegele.

Quasi zum Tod verurteilt
Auch Johannes Pfefferkorn (Hotel Krone, Lech) ist sauer. Mit Blick auf das Lukasevangelium („Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!“) sagt der Hotelier: „Mir scheint, die Bundesregierung agiert nach diesem Grundsatz und erwartet sich von unserer gepeinigten Branche Vergebung für das, was sie mit uns tun und dem Tourismus antun. Wie sonst kann es sein, dass sie uns mit den sich aktuell täglich ändernden Verordnungen quasi zum Tod verurteilen?“

Großer Unmut herrscht in der Branche auch über die Einreisebestimmungen. „Für die Geimpften wird die Einreise durch einen zusätzlichen PCR-Test oder die dritte Impfung erschwert. Wo bleibt da die Logik? Sind ausländische Gäste Gäste zweiter Klasse?“, fragen sich die Hoteliers und sind sich sicher, dass die Gäste das Urlaubsland Vorarlberg bei der Planung ihrer nächsten Urlaubsreise ignorieren werden. „Denn sie wissen: Auch andere Länder haben schöne Hotels. Gleichzeitig werden wir Touristiker mit Füßen getreten und nicht einmal die Entschädigungen von März 2020 werden korrekt ausbezahlt. Man fragt sich, ob sich die Bundesregierung bei all diesen praxisfernen und skurrilen Entscheidungen überlegt hat, wohin die Reise gehen soll? In den Ruin einer ganzen Branche? In die Selbstaufgabe der Unternehmer?“
Nichts gelernt
Leider, so Kegele und Pfefferkorn, sei aus den bisherigen Fehlern nichts gelernt worden. „Wir als Gastgeber verlieren gegenüber unseren Gästen unsere Glaubwürdigkeit. Wer soll und wird diesen immateriellen Schaden des Imageverlustes und den materiellen Verlust des Umsatzverlustes bezahlen?“.
Auch in der Gastronomie ist der Unmut groß. “Unsere Betriebe haben bereits Waren bestellt, Menüs geplant und Musiker engagiert. Denn wir sind davon ausgegangen, dass es eine Sonderregelung für Silvester gibt”, spricht Mike Pansi von Enttäuschung, Wut und Frust in der Branche.
