Noch keine Trendumkehr bei den Insolvenzen

Markt / 15.12.2021 • 18:28 Uhr

Weniger Firmenpleiten in Vorarlberg, leichtes Plus bei Privaten.

Feldkirch Während österreichweit die Zahl der Firmeninsolvenzen heuer laut aktueller KSV1870-Hochrechnung mit 3048 Fällen (+ 0,5%) in etwa auf Vorjahresniveau blieb, schaut es in Vorarlberg anders aus. Hier gab es ein Minus von rund 33,3 Prozent zu verzeichnen.

48 Firmen betroffen

Hochgerechnet sind von den Firmenpleiten neben knapp 260 Gläubigern auch rund 125 Dienstnehmer betroffen. Ebenfalls hochgerechnet schlitterten im Jahr 2021 in Vorarlberg 48 Unternehmen in die Pleite, hiervon wurden 15 Verfahren mangels kostendeckendem Vermögen nicht eröffnet. Noch gravierender ist der Vergleich zum letzten „Normaljahr“ 2019: Hier ergibt sich ein Minus von rund 64 Prozent.

Bei den Passiva kann heuer ebenfalls ein Minus verzeichnet werden, nämlich von rund 86 Prozent. „Einerseits setzt sich damit ein Trend fort, den der KSV1870 bereits das gesamte Jahr über beobachtet: Firmenpleiten werden zunehmend kleinteiliger“, erklärt Victoria Schuchlenz, KSV1870-Standortleiterin in Vorarlberg. „Andererseits ist dies auch darauf zurückzuführen, dass es im Vorjahr bekanntlich einige Großinsolvenzen gab, die die Verbindlichkeiten massiv in die Höhe getrieben haben“, spricht Schuchlenz damit die Firmengruppe Huber oder Vonach Fleisch an. Einen plötzlich eintretenden Insolvenz­ausbruch erwartet sie aber auch für 2022 nicht.

107.000 Euro

Leicht im Plus ist heuer die Zahl der Privatkonkurse. So wurden im Jahr 2021 in Vorarlberg 326 Schuldenregulierungsverfahren eröffnet. Dies entspricht im Vergleich zum Vorjahr einer Steigerung von 0,9 Prozent. Angestiegen sind auch die Verbindlichkeiten und zwar um rund 13 Prozent. Das bedeutet, dass sich die durchschnittliche Schuldenhöhe pro Schuldner in diesem Jahr auf rund 107.000 Euro beläuft (2020: 96.000 Euro). 

Schnellere Entschuldung

Insgesamt, so Victoria Schuchlenz, sei die Coronakrise in den seltensten Fällen der Grund für nachhaltige Zahlungsschwierigkeiten oder gar einen Privatkonkurs. Allerdings können Spätfolgen nicht ausgeschlossen werden. Dass es heuer ab August vermehrt zu Insolvenzen kam, liege vor allem an der Möglichkeit, sich als Privatperson mittlerweile deutlich rascher entschulden zu können – und zwar innerhalb von drei anstatt wie bisher innerhalb von fünf Jahren.

„Im Vorjahr gab es einige Großinsolvenzen, die die Verbindlichkeiten massiv in die Höhe getrieben haben.“

Zahlen und Fakten

48 Unternehmen schlitterten heuer laut KSV1870 in Vorarlberg in die Insolvenz. Das bedeutet ein Minus von 33,3 Prozent

 

260 Gläubiger und 125 Dienstnehmer waren von den Firmenpleiten betroffen. Die Gesamtpassiva gingen um 86 Prozent zurück

 

326 Schuldenregulierungsverfahren wurden heuer über Privatpersonen eröffnet. Dies entspricht einer Steigerung von 0,9 Prozent