“Impfbereitschaft ist kein neues Phänomen”

Verhaltensökonom Gerhard Fehr: Pandemie wird uns noch länger im Griff haben.
Schwarzach Die Corona-Impfung ist derzeit in aller Munde. Warum aber werden nicht alle Menschen erreicht? Weshalb gibt es einen Teil der Bevölkerung, die sich nicht impfen lassen will? „Es ist kein Thema, das wir 2021 das erste Mal haben. Es war in jeder Pandemie der Vergangenheit so“, sagt Gerhard Fehr, Verhaltensökonom und Vorstandschef von FehrAdvice & Partners.
Es ist somit kein neues Phänomen. „Wir haben gewusst, dass der Impfstoff ein Teil der Lösung sein wird. Und wenn man genau hingeschaut hat, hat man auch gewusst, dass wir eine mehr oder wenige hohe Impfbereitschaft haben“, betont Fehr. Die Gründe dafür seien mannigfaltig. „Was heute sicher anders ist, ist die Möglichkeit, sich über soziale Netzwerke alternative Informationen einzuholen.“
Richtige Maßnahme?
Zum Thema Impfpflicht sei die Frage, ob es die richtige Entscheidung sei. „Ich stelle die Frage, ob es denn der richtige Zeitpunkt ist oder ob wir nicht andere Maßnahmen als Alternative hätten?“Die Pandemie werde uns jedenfalls noch länger im Griff haben. „Wir werden morgen nicht aus der Pandemie raus sein. Alle Maßnahmen, die wir heute kreieren, sind für Herbst 2022 gedacht. Je schneller es ein Land schafft, eine hohe Impfquote zu erreichen, desto schneller sind wir wieder im Normalzustand“, erklärt Gerhard Fehr. Das bedeute, dass man länger als sechs, sieben Monate im Jahr ohne Lockdown leben könne.
Ob Impfverweigerer verloren sind? „Nein, sie sind keine verlorenen Menschen. Sie sind bereit für ihre Präferenz, in dem Fall sich nicht impfen zu lassen, die Konsequenzen auf sich zu nehmen. Aber wir brauchen bei der Durchimpfungsrate nicht 100 Prozent, sondern 90 Prozent. Wir müssen also nicht päpstlicher sein als der Papst“, sagt Fehr.
Mehr Druck auf Löhne
Für den Arbeitsmarkt bedeutet die Pandemie, dass sich der riesige Arbeitskräftemangel nun akzentuiere. Deshalb werde der Druck auf die Löhne steigen. „Neueinsteiger können erheblich mehr verdienen“, so Fehr.