Gebürtiger Bregenzer leitet bei Biontech die Geschicke

Das Unmögliche möglich gemacht: Michael Böhler, General Manager bei Biontech, über den Erfolg des Pharmaunternehmens.
Bregenz Als im Dezember 2020 die Unternehmen Biontech und Pfizer für ihren Impfstoff gegen Covid-19 die Notfallzulassung in den USA und die Zulassung in der Europäischen Union erhalten hatten, nahm die Erfolgsgeschichte des Mainzer Forschungsunternehmens so richtig Fahrt auf.
Der mRNA-Impfstoff Comirnaty wurde im Rahmen des Projekts „Lichtgeschwindigkeit“ unter der Leitung des Gründerpaars Özlem Türeci und Uğur Şahin in Rekordzeit entwickelt. Nebst der eigentlichen Entwicklung spielte auch die Umsetzung der globalen Markteinführung des Impfstoffs eine entscheidende Rolle beim Durchbruch.

Der gebürtige Bregenzer Michael Böhler, Vice President Commercial und General Manager des Pharmaunternehmens, war bei der Realisierung des Mammutprojekts für die Vermarktung verantwortlich. Bevor er 2019 zu Biontech wechselte, arbeitete Böhler 13 Jahre lang bei anderen branchenführenden Unternehmen wie Novartis, Amgen und Takeda Pharmaceuticals.
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Projekt Lichtgeschwindigkeit
Dass der Impfstoff von Biontech innerhalb von nur zehn Monaten zugelassen werden konnte, führt Böhler auf folgende Aspekte zurück: Einerseits forscht das Unternehmen seit der Gründung 2008 an der mRNA-Technologie, die bei der individualisierten Krebstherapie zum Einsatz kommen soll. „Als dann vergangenes Jahr die genetische Sequenz von SARS-CoV-2 veröffentlicht wurde, war das der Startschuss für uns, den Impfstoff zu entwickeln. Uğur kam damals aus den Weihnachtstagen zurück und stellte ganz schnell das Projektteam zusammen“, erklärt Böhler. In weiterer Folge konnte gemeinsam mit dem Pharmaunternehmen Pfizer die Produktionsleistung erhöht und große Studien durchgeführt werden. „Das gemeinsame Arbeiten mit Regierungen und Behörden war dann ein weiterer großer Treiber.“

Biontech gelang es, den Prozess vom Labor bis zur globalen Verbreitung zu verkürzen, indem die bis zur Zulassung nötigen Schritte nicht nacheinander, sondern soweit wie möglich parallel angegangen wurden. „Wir konnten so das Unmögliche möglich machen.“
Datenbasiert
Wie lange bzw. in welcher Form uns die Coronavirus-Impfung noch begleiten wird, sei derzeit noch nicht absehbar: „Das werden die Daten zeigen, die wir weiterhin generieren. Es ist aus Sicherheits- und Qualitätsgründen wichtig, dass Follow-ups gemacht und weitere Studien durchgeführt werden.“

Das Augenmerk wird auch weiterhin auf der Krebsforschung liegen. Seit 30 Jahren wird in dem Bereich an der mRNA-Technologie geforscht. Seit der Gründung hat BioNTech an der Entwicklung der mRNA-Technologie und an mRNA-basierten Impfstoffen gearbeitet. In der Onkologie sollen diese Ansätze dazu verhelfen, über das Immunsystem bösartige Zellen zu erkennen und letztlich zu zerstören. Bereits laufende und künftige Studien sollen den möglichen Einsatz der ersten Wirkstoffkandidaten nun unter Beweis stellen. „Wir kommen aus dem Bereich der Onkologie, damit hat eigentlich alles begonnen. Die Onkologie mit Fokus auf der Immuntherapie ist unser Steckenpferd“, erklärt Böhler.
Die Entwicklung des Corona-Impfstoffs hat Biontech zu einem der wertvollsten Unternehmen in der Branche gemacht. Für 2021 werden Verkaufserlöse mit dem Vakzin von rund 16 bis 17 Milliarden Euro erwartet. Die Prognose basiert auf unterzeichneten Lieferverträgen über bis zu 2,5 Milliarden Impfdosen in diesem Jahr. Für das kommende Jahr wird eine Produktionskapazität von bis zu vier Milliarden Dosen angestrebt.
Zur person
Michael Böhler
ist General Manager beim Pharmaunternehmen Biontech, das den Corona-Impfstoff Comirnaty entwickelte.
Geburtsort Bregenz
Wohnort Berlin
Laufbahn Promotion an der Universität Innsbruck als Humanmediziner, langjährige Erfahrung bei branchenführenden Unternehmen wie Novartis, Amgen und Takeda. Seit 2019 ist Böhler bei Biontech tätig.
Alter 51
