Kompromiss im letzten Augenblick

Markt / 07.11.2021 • 15:15 Uhr
Kompromiss im letzten Augenblick
Die beiden Vorarlberger Johannes Collini (l.) auf Seiten der Arbeitgeber und Karl Dürtscher (Gewerkschaft GPA) haben für den Metaller-KV einen Kompromiss ausgehandelt. APA

Kollektivvertrag der Metaller in der Nacht auf Sonntag abgeschlossen. Streiks abgewendet.

Eugendorf, Wien, Bregenz Es ist geschafft. Heuer gingen die Kollketivvertragsverhandlungen in der metalltechnischen Industrie besonders zäh und konfliktreich über die Bühne. In der Nacht auf Sonntag wurden dann die Nägel mit Köpfen gemacht, die GPA-Geschäftsführer Karl Dürtscher am Freitag im Gespräch mit den VN gefordert hat. Die Beschäftigten bekommen drei Prozent mehr Lohn und Gehalt auf ihren Kollektivvertrag, die IST-Löhne (also die Realeinkommen über dem KV) steigen um 3,55 Prozent brutto. Der Mindestlohn legt auf 2089,87 Euro brutto zu. Bei den Lehrlingen gibt es ein Plus von bis zu 6,74 Prozent, bei den Zulagen von 3,55 Prozent, auf das man bei Gewerkschaften, aber auch auf Arbeitgeberseite als Investition in die Zukunft besonders hinweist.

Neue Arbeitszeitmodelle

Zudem haben die KV-Parteien die Einrichtung einer Expertgruppe vereinbart, die sich mit neuen Modellen der Arbeitszeitgestaltung befassen soll. In diesem Zusammenhang weist Dürtscher auch auf die deutlichen Verbesserungen in der Lohngestaltung bei Schichtarbeit hin. Verhandelt wurde der Kollektivvertrag (KV) für 1. November 2021 bis Novemberbeginn 2022.

Die Arbeitgeber meinten nach dem Verhandlungsmarathon in Eugendorf (Salzburg), dass das erzielte Ergebnis “für viele Betriebe an der Schmerzgrenze ist”, dies aber auch “eine faire Anerkennung für das schwierige letzte Jahr” ist. “Die vereinbarten Lohn- und Gehaltserhöhungen bedeuten einen deutlichen Reallohngewinn für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter”, so Arbeitgeberobmann Christian Knill vom Fachverband der Metalltechnischen Industrie. Auf Arbeitgeberseite führte der Hohenemser Industrielle Johannes Collini die Verhandlungen. Er sei ein “harter, aber fairer Verhandler”, attestiert ihm der Vorarlberger Landsmann Dürtscher, der sich aber am Sprecher der Industrie reibt: “Herr Knill muss sich endlich selbst mal einbringen und nicht einfach die Verhandlungen vom Balkon aus zu kommentieren”.

Auch symbolisch zu werten: Die KV-Verhandler haben sich in der Mitte getroffen - sowohl beim Eregebnis als auch geografisch (nämlich in  Eugendorf, Salzburg)<span class="copyright"> APA</span>
Auch symbolisch zu werten: Die KV-Verhandler haben sich in der Mitte getroffen - sowohl beim Eregebnis als auch geografisch (nämlich in Eugendorf, Salzburg) APA

Die Gewerkschaften Pro-GE und GPA sehen den Abschluss auch als Erfolg aufgrund der Warnstreiks und der breiten Unterstützung aus den Betrieben, so Dürtscher. Die bereits vorbereiteten Streik-Utensilien werden vorerst wieder eingemottet.

Die metalltechnische Industrie umfasst 1200 Unternehmen aus den Industriezweigen Maschinenbau, Anlagenbau, Stahlbau, Metallwaren und ist für ein Viertel aller österreichischen Exporte verantwortlich. Sie beschäftigt mehr als 134.000 Menschen, davon über 7100 Lehrlinge und erwirtschaftete 2020 einen Produktionswert von rund 36 Mrd. Euro. Das Ergebnis ist nicht nur für die Branche selbst wichtig, sondern auch Maßstab für die weiteren Kollektivvertragsabschlüsse der meisten anderen Branchen in Österreich.

KV-Ergebnis

3,55 Prozent plus bei IST-Löhnen. Diese Erhöhung erhalten Beschäftigten rückwirkend mit 1. November.

3 Prozent bei Mindestlöhnen und Grundgehältern

3,55 Prozent bei Zulagen werden, 2,5 Prozent bei Aufwandsentschädigungen.

Verdoppelt auf einen Euro wird die Stundenzulage für die zweite Schicht schrittweise bis November 2023.

4 Euro soll die Zulage für die dritte Schicht bis November 2027 betragen.

75 Millionen Euro in Summe zusätzlich für die Schichtarbeit

6,74 Prozent Erhöhung der Lehrlingsentschädigung.