Szenarien für „schönsten Strand Österreichs“

Markt / 05.11.2021 • 18:35 Uhr

Verkauf oder neuer Pächter: Kaiserstrand soll Hotel bleiben.

Lochau Vom Besuch Kaiser Karls I. im „Kaiser-Strand-Palast-Hotel“ im Jahr 1917 in Lochau ist das Zitat überliefert: „Das ist der schönste Strand von Österreich“. Nun, 104 Jahre später, gehen die Wellen hoch am Kaiserstrand. Denn die Gesellschaft, die das Seehotel seit elf Jahren betreibt (RIMC Seehotel Am Kaiserstrand Hotel Betriebs GmbH), ist in die Insolvenz geschlittert. Gleichzeitig wirft sie dem Immobilienbesitzer und Verpächter vor, die Insolvenz sei das Ergebnis einer feindlichen, unrechtmäßigen Übernahme der Tochtergesellschaft mit dem Ziel, die Liegenschaft zu verkaufen. Dem widerspricht Dieter Bitschnau als Sprecher des Eigentümers vehement. So seien rund zwei Millionen an Pachtrückständen offen, die sich über die Jahre angehäuft hätten.

Die Immobilie gehört seit 2012 über eine Tochtergesellschaft der DFV Deutsche Fondsvermögen AG. Da es sich um einen Immobilieninvestmentfonds handelt gibt es somit auch hunderte Anleger, die daran beteiligt sind.

Einheimischer Pächter erwünscht

Was passiert nun am „schönsten Strand von Österreich“? Verkaufsgerüchte um die Hotelliegenschaft gab es bereits vor einem Jahr. Damals dementierte der Eigentümer, betonte aber auch, das sei nur eine Momentaufnahme. Sollte sich ein interessantes Angebot einfinden, so sei man verpflichtet, es den Gesellschaftern vorzulegen. Für die Zukunft des Hotels am Kaiserstrand gibt es somit mehrere Szenarien. Entweder wird ein neuer Hotelpächter gesucht, der das Haus weiterführt. Das wäre auch der explizite Wunsch des Besitzers, so Bitschnau. „Im besten Fall ein einheimischer Hotelbetreiber, der die Mentalität hier kennt und das Haus wirtschaftlich führen kann.“ Anfragen gebe es bereits.

Verkauf zur Wertsteigerung

Zweites Szenario: Die Immobilie wird verkauft. Das sei jedenfalls nicht unwahrscheinlich, sagen mit der Thematik befasste Insider. Schließlich gehe es für die Fondsanteilseigner nicht nur um die Ausschüttungen, die aus der Verpachtung resultieren, sondern auch um die Wertsteigerung der Liegenschaft. Und diese könne nur realisiert werden, wenn ein Verkauf zustande käme.

Im Falle eines Verkaufs gibt es ebenfalls mehrere Szenarien. Am wahrscheinlichsten wäre, dass das Haus an einen Hotelier oder eine Hotelkette verkauft wird, der den Kaiserstrand dann auch als Hotel weiterführt. Denn abgerissen und durch Wohnblöcke ersetzt werden kann das Gebäude nicht. Es steht unter Denkmalschutz. Dass ein Projektentwickler im bestehenden Hotel Wohnungen schafft, bleibt eher eine theoretische Möglichkeit. Denn dieser müsste nicht nur eine zusätzliche Geldsumme in die Hand nehmen, um aus den derzeit 102 Zimmern und Suiten Wohnungen zu schaffen. Auch sind dem Lochauer Bürgermeister Frank Matt Zweitwohnsitze schon lange ein Dorn im Auge.

Teures Wohnen

Denn nur sehr wenige der bestehenden Wohnungen am Areal um das Seehotel am Kaiserstrand werden aktuell als Hauptwohnsitz genutzt. Dort zu wohnen, hat schließlich seinen Preis: Aktuell wurde eine 128,43 Quadratmeter große Wohnung um 1,43 Millionen Euro verkauft. VN-reh