Deshalb wird der Seehotel-Konkurs zur Schlammschlacht

Markt / 03.11.2021 • 18:30 Uhr
Deshalb wird der Seehotel-Konkurs zur Schlammschlacht
Das Seehotel am Kaiserstrand hatte nicht erst seit Corona mit Schwierigkeiten zu kämpfen. VN/Stiplovsek

Schwere Vorwürfe der insolventen Betreiberfirma gegen Verpächter: “Feindlicher und schmutziger Plan”

Lochau, Hamburg, Graz „Weder der Insolvenzantrag noch die Übernahme der Gesellschaft sind gerechtfertigt“, meldet sich die RIMC-Gruppe, die das Seehotel am Kaiserstrand seit Eröffnung betreibt, nun zu Wort. Wie die VN berichteten, wurde am Dienstag am Landesgericht für Zivilsachen in Graz das Insolvenzverfahren gegen dieses bzw. mit der in Hamburg ansässigen RIMC-Gruppe eröffnet. Man werde mit allen Mitteln gegen das aus Sicht von RIMC ungerechtfertige Verfahren kämpfen, heißt es in der Stellungnahme des CFO der Gruppe, Audun Lekve.

“Feindliche Übernahme”

Lekve will das Feld nicht kampflos räumen. „Diese Insolvenz hat nichts mit der RIMC Hotels & Resorts Gruppe zu tun. Sie ist das Ergebnis der zu Beginn dieser Woche erfolgten, feindlichen und unrechtmäßigen Übernahme unserer Tochtergesellschaft. Diese wurde, wie die Geschäftsführung der RIMC Hotels & Resorts Gruppe zu Beginn der vergangenen Woche erfahren musste, durch einen juristischen Trick vom Verpächter unrechtmäßig und unbegründet übernommen. Ziel der Verpächterin und Eigentümerin des Seehotels am Kaiserstrand, einer mittelbaren Tochtergesellschaft des von der IMMAC Holding AG bzw. der Profunda Vermögen GmbH mit Sitz in Hamburg aufgelegten Immobilieninvestmentfonds “DFV Seehotel Am Kaiserstrand Immobilienfonds GmbH & Co. KG” sei es, „wie es sich für uns darstellt“, so Lekve, den Verkauf der Hotelliegenschaft zu ermöglichen. Um die Sache noch komplizierter zu machen: Als Eigentümer der Hotelimmobilie firmiert in Österreich die AFV1 Liegenschaftsbesitz GmbH & Co KG mit Sitz in Graz. Überhaupt befinden sich alle handelnden Firmen in Graz und Umgebung, lediglich das Objekt, um das gerungen wird, befindet sich in Lochau.

RIMC-CFO Audun Lekve kündigt Gegenwehr an. <span class="copyright">FA</span>
RIMC-CFO Audun Lekve kündigt Gegenwehr an. FA

Das Hotel, das im Jahr 2010 eröffnet wurde, hatte von Anfang an mit Problemen zu kämpfen. Seit 2010 wurden nicht weniger als 16 Hoteldirektoren bzw. General Manager verschlissen. Trotz der Lage – es ist das einzige Hotel in Vorarlberg, das direkt am Bodensee liegt – konnte scheinbar, so sieht es zumindest der Eigentümer – nicht reüssiert werden. Stimmt nicht, sagt der Betreiber des Hotels: “Bis zu der feindlichen Übernahme verfügte die RIMC Seehotel am Kaiserstrand über ausreichendes Vermögen zur Führung des Hotelbetriebs, wie die gesamte Einrichtung des Hotels, und standen ihr auch ausreichende liquide Mittel zur Verfügung, um jederzeit allen offenen und fälligen Verpflichtungen zeitgerecht und vollständig nachkommen zu können.“

Umgehender Insolvenzantrag

Die Eigentümer des Hotels haben von ihrem vertraglich festgehaltenem Recht Gebrauch gemacht, die Hotelbetreibergesellschaft an einen Dritten zu übertragen, versichert der Sprecher der Eigentümer, der Bregenzer Dieter Bitschnau und erklärt: „Mit der Übernahme der Gesellschaftsanteile an der RIMC Seehotel Am Kaiserstrand Hotel Betriebs GmbH konnte sich die eingesetzte MDK Management GmbH einen Überblick über die finanzielle Situation verschaffen.“ Eigentlich sei es die Absicht gewesen die Hotelbetreibergesellschaft zu sanieren und fortzuführen. „Aber nach Berücksichtigung der historischen Entwicklung und der uns vorliegenden wirtschaftlichen Daten waren wir gesetzlich dazu verpflichtet, umgehend einen Insolvenzantrag zu stellen, so Bitschnau in einer Stellungnahme.

Trotz bestehender Vereinbarungen wurden den Hotelbesitzern über einen längeren Zeitraum die notwendigen Daten und Unterlagen über die geschäftliche Entwicklung der Hotelbetriebsgesellschaft nicht zugänglich gemacht.


Aus der Geschichte. Vom kaiserlichen Haus zum Sorgenkind

Die Suche nach früherem Glanz

Im einstigen “Kaiser-Strand-Palast-Hotel“ wollte niemand lange Direktor sein.

Lochau Das Gebäude am Kaiserstrand hat eine lange Geschichte. Ab 1910 beherbergte es das „Kaiser-Strand-Palast-Hotel“. Später diente es dann als Lazarett und Kaserne, bis es 2005 an die Firma bauart von Roland Pircher für 6,8 Millionen Euro verkauft wurde.

Das "Kaiser-Strand-Hotel" nach seiner Fertigstellung im Jahr 1911.
Das "Kaiser-Strand-Hotel" nach seiner Fertigstellung im Jahr 1911.

Fünf Jahre und eine 45 Millionen Euro teure Sanierung später eröffnete das Seehotel. Als Pächter für 20 Jahre kam die Hotelmanagement- und Consultingfirma RIMC an Bord. Alles schien perfekt. Doch bald mehrten sich die Pannen. So gab es harsche Kritik an den langen Wartezeiten in der Gastronomie und den Öffnungszeiten.

Auch bei der Führung des Hotels konnte nie Kontinuität erreicht werden. Die erste Direktorin, Marina Ersilia Albasini, warf bereits nach kurzer Zeit das Handtuch. Auch Andreas Pfister blieb nur kurz. 2011 kam Peter Heine. „Das Haus hat Potenzial“, sagte er damals, blieb allerdings nur bis November. Es folgten weitere Kurzgastspiele diverser Direktoren. Derzeit leitet noch Olga Kaufmann die Geschicke.

2012 verkaufte bauart das Hotel an eine Tochter der DFV Deutsche Fondsvermögen AG. RIMC blieb als Pächter. Das Ziel, Flaggschiff Nummer eins am Bodensee zu sein, wurde nie erreicht. VN-REH