Darum ist das Brot für Bäcker hart

Markt / 15.10.2021 • 03:30 Uhr
Heute, Freitag, schließt die Vandanser Traditionsbäckerei Greber die Tore.   <span class="copyright">VN/Lerch</span>
Heute, Freitag, schließt die Vandanser Traditionsbäckerei Greber die Tore.   VN/Lerch

Zahl der Betriebe nimmt weiter ab. Preiserhöhungen wegen steigender Rohstoffpreise.

Schwarzach, Vandans Am Samstag ist Tag des Brotes, doch zum Feiern ist vielen Bäckern beileibe nicht zumute, trotz eines zwischenzeitlichen Hochs bei der Wertschätzung durch die Kundschaft, denn die Menschen entdeckten in den Lockdowns wieder vermehrt die regionalen Lebensmittelhandwerker, die als systemrelevante Betriebe immer geöffnet hatten, wie Innungsmeister der Bäcker, Wolfgang Fitz, berichtet. „Viele Kunden haben unsere Produkte in dieser Zeit wieder mehr zu schätzen gelernt.“

Stolz ist Fitz auch darauf, dass es in den 70 Bäckereien, die es in Vorarlberg derzeit noch gibt, im Coronajahr nie zu Versorgungsengpässen gekommen ist. Ob die Versorgung mit Brot und Gebäck durch die Handwerksbetriebe aber auch in Zukunft so gut ist, steht in Frage. Denn das Geschäft ist „hartes Brot“. Seit 2015 haben im Land acht Bäckereien die Tore für immer geschlossen. Heute, Freitag, kommt eine neunte dazu. Kurt Greber, der seit 26 Jahre den Familienbetrieb in Vandans sowie einen Standort in St. Gallenkirch führt, hat seinen Backofen in der Nacht auf Freitag zum letzten Mal befeuert.

Elisabeth und Anton Fink haben ihre Bäckerei Ende Mai geschlossen.  <span class="copyright">VN/Mayer</span>
Elisabeth und Anton Fink haben ihre Bäckerei Ende Mai geschlossen.  VN/Mayer

„Ich hätte noch zwei Jahre bis zur Pension, doch ich habe mich entschlossen, jetzt gleich zuzusperren. Ich kann nicht mehr“, so Greber im VN-Gespräch. Entscheidend für das Ende war schlussendlich der Mangel an Arbeitskräften. In den letzten Wochen und Monaten wurde das bestehende Team regelrecht ausgepowert. „Wir haben jeden Tag zwölf bis 13 Stunden gearbeitet“, schildert er die Lage, die ihn zur Schließung bewogen hat. Ein Nachfolger war nicht zu finden.

2017 hat die Bäckerei Beck in Rankweil für immer geschlossen.  <span class="copyright">VN</span>
2017 hat die Bäckerei Beck in Rankweil für immer geschlossen.  VN

Nachfolger suchen weitere Bäckereien im Land. Was schwierig ist, denn mit einem Besitzerwechsel sind auch neue Genehmigungen und damit teure Umbauten notwendig, so der Fitz. „Da scheuen die meisten zurück“. Kritisch bleibe die Mitarbeitersuche. Viele gelernte Bäckerinnen und Bäcker wechseln nach der Lehre in einen anderen Beruf, viele ältere Mitarbeiter stehen kurz vor der Pension. Und noch etwas macht Sorgen: Die Preise für Rohstoffe haben – wie in anderen Branchen – stark angezogen. Konsumenten müssen sich auf eine Preissteigerung von rund fünf Prozent gefasst machen.

Die ehemalige Bäckerei Konditorei Nuderscher ist heute eine Filiale der Bäckerei Mangold. <span class="copyright">VN</span>
Die ehemalige Bäckerei Konditorei Nuderscher ist heute eine Filiale der Bäckerei Mangold. VN

Bäckereien in Vorarlberg

Bäckereien 70 Betriebe mit 150 Filialen

Lehrlinge 61

Mitarbeiter ca. 1075