Schwellenländer zweigeteilt

Markt / 17.09.2021 • 18:37 Uhr
Schwellenländer zweigeteilt

Wien In den Schwellenländern zeigt sich beim Thema Inflation aktuell ein interessantes Muster: dort, wo im Vorjahr ein relativ restriktiver Lockdown verhängt wurde, sind die Inflationsraten jetzt eher moderat. Demgegenüber steigt die Teuerung besonders dramatisch in jenen Staaten, die ihre Wirtschaft trotz Corona weitgehend offen gehalten haben. Ein Paradebeispiel für die Kategorie „möglichst wenig Lockdown“ ist Indien. Im Frühling lag der Anstieg der Verbraucherpreise schon über dem Schwellenwert der Notenbank von 6 %, mittlerweile hat er sich auf 5,3 % etwas ermäßigt. Am anderen Ende des Spektrums steht Thailand, wo die Inflation bis Jahresende wahrscheinlich unter 1 % bleiben wird. In dem Land gelten derzeit allerdings auch äußerst restriktive Covid-Maßnahmen. In Lateinamerika liegt die Inflation in allen Ländern über dem Schwellenwert der jeweiligen Notenbank. Irgendwo zwischen den beiden Lagern steht offenbar China. Das Land verfolgt eine Zero-Covid- Strategie und kämpft mit rasant steigenden Produzentenpreisen, auch weil sich die Wirtschaft und damit die Nachfrage in den westlichen Industrieländern erholen. Die chinesischen Verbraucherpreise haben allerdings zuletzt nur um 1 % angezogen. Daher ist eine Zinssenkung in China zwar unwahrscheinlich, aber nicht völlig vom Tisch.

monika.rosen@
unicreditgroup.at,
Mag. Monika Rosen,
Chefanalystin, UniCredit Bank Austria Premium Banking, @Monika_Rosen