Kein Greenwashing mehr

Der Fondsmarkt wird in Zukunft genau unter die Lupe genommen.
Lustenau Seitdem die Marketingbranche den Begriff „Nachhaltigkeit“ für sich entdeckt hat, versuchen Konzerne alles damit zu verkaufen: von Flugreisen über Produkte zur Haushaltsführung bis hin zu Wertpapieren. Um letzteres zu regulieren, wurde seitens der Europäischen Union mit März 2021 eine neue Richtlinie eingeführt. Anlageberater müssen seither erfragen, ob den Kunden ökologische Aspekte bei der Geldanlage wichtig sind.

Finanzbranche wird reguliert
Eines der jüngsten und prominentesten Beispiele im Bereich Greenwashing bleibt das Dieselgate von VW. Anhand von Manipulation der Emissionswerte, stellte sich das Unternehmen als besonders nachhaltig dar. Defacto waren diese Werte aber weit über der zugelassenen Norm. Diese Probleme gibt es nicht nur in der Automobilbranche, auch die Finanzbranche ist davor nicht gefeit: Um den Artikel 8 zu erreichen und damit ein hellgrüner Fonds zu sein, werden einige Standards vorausgesetzt. Wenn man diese noch übertrifft, tritt Artikel 9 in Aktion und diese Fonds werden dann als dunkelgrün bezeichnet.
Die Regularien der Standards orientieren sich an den ESG Faktoren – Environment, Social, Governance – zu deutsch: Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Dabei handelt es sich um die Evaluierung der unternehmerischen Sozialverantwortung. In anderen Worten: der freiwillige Beitrag der Wirtschaft zu einer nachhaltigen Entwicklung, der über die gesetzlichen Anforderungen hinausgeht. Konkrete Ansätze sind dabei zum Beispiel die Vermeidung von Korruption, Geldwäsche, Unabhängigkeit des Vorstands und Einhaltung von Nachhaltigkeitsstandards von international anerkannten Institutionen wie zum Beispiel den „UN Principles for Responsible Investing“. Große europäische Unternehmen, Banken und Versicherungen müssen in ihren Jahresberichten Informationen zur Nachhaltigkeit offenlegen.
Ab 2022 muss die Einhaltung der Standards vom Emittenten laut EU-Richtlinie überwacht werden. Der Lustenauer Finanzberater Florian Ender weiß noch nicht, wie diese Überprüfung erfolgen soll: „Inwieweit wir involviert sind und wer diese Überprüfungen vornimmt, ist uns leider noch nicht bekannt. In Österreich gibt es 30.000 Fonds, es ist unmöglich jeden einzelnen zu kennen. Aber wir prüfen jetzt schon regelmäßig nach, in welche Unternehmen die einzelnen Fonds investieren.“ Nachhaltigkeit sei für viele Kunden ein Kaufgrund: „Bislang lassen sich in diesen Fonds aber auch Firmen wie Nestle oder Amazon finden.“
Alleingang der BaFin
Die EU-Kommission reagiert mit ihrem Vorstoß nicht nur auf die Kritik zahlreicher Branchenkenner, sondern auch auf die Pläne einiger nationaler Aufsichtsbehörden.
So war bereits bekannt geworden, dass die deutsche Finanzaufsicht BaFin an schärferen Regeln für nachhaltige Investmentvermögen arbeitet. Von der Finanzmarktaufsicht in Österreich sind solche Pläne bislang nicht bekannt. VN-SUB
„Wir wissen noch nicht, wer die Einhaltung der Regularien überprüfen wird.“