In Barfußschuhen über die Berge

Markt / 08.09.2021 • 18:47 Uhr
Die Sohlen der Schuhe sind nur 8 mm dick.
Die Sohlen der Schuhe sind nur 8 mm dick.

Christoph Ganahl macht mit seinen Avo Schuhen Barfußlaufen salonfähig.

Bartholomäberg Einhundert Gramm. Wenn man an diese Mengenangabe denkt, sieht man einen kleinen Apfel, einen Pfirsich oder zwei Kugeln Eis vor sich. Bei einhundert Gramm denkt man selten an einen Schuh. Christoph Ganahl aber stellt Schuhe her, die so wenig Gewicht haben. Und das macht schon fast die ganze Philosophie seiner Avo Schuhe aus. „Ich würde es mit einem Gips vergleichen – der lässt dem Fuß keine Freiheiten und man verliert sehr schnell an Muskulatur. Und das ist schlecht für den eigenen Körper“, erzählt Ganahl. Seine Schuhe haben nichts Einengendes an sich, die Sandalen haben eine breite Fläche, auf der sich der Fuß ausbreiten kann. Gepaart mit einer nur 8 mm dicken Sohle, sollen sich die Avo Schuhe wie barfuß laufen anfühlen.

Von der Vision zur Sandale

Am Anfang stand nur eine Idee, ausgelöst durch Rückenschmerzen. Die neu entwickelten Schuhe sollen gegen eine Hohlkreuzstellung des Körpers helfen. Mit dieser Idee wandte sich Christoph Ganahl an die Postgarage in Dornbirn, um in das Startup-Programm aufgenommen zu werden. Die Jury ließ sich von seiner Idee so begeistern, dass er eines der begehrten Startup-Tickets erhielt und rund ein Jahr lang an seiner Vision feilen konnte. Produziert werden die Schuhe in Portugal, Ganahl ist vor allem zu Beginn der Produktion oft selbst vor Ort, um den Prototypen anzupassen. Sobald er damit einverstanden ist, beginnt die Serienproduktion des Schuhs. Der Verkauf wiederum findet regional statt, Ganahl legt Wert darauf, dass seine Schuhe bei Einzelhändlern zu kaufen sind. „Die Erfahrung zeigt mittlerweile, dass das für mein Geschäftsmodell am meisten Sinn macht. Ich arbeite sehr gerne mit den Geschäften Hopfner in Dornbirn und barfuss in Feldkirch zusammen“, erzählt Ganahl. Ausprobiert hat er zwischenzeitlich auch andere Wege, wirtschaftlich nachhaltig war davon keiner. Kollegen rieten ihm zu einer Crowdfunding-Kampagne, die er auch ins Leben rief. „Mittlerweile weiß ich, dass mein Produkt nicht das richtige dafür ist. Aber ich bereue es nicht, ich habe viel daraus gelernt – das Wichtigste ist, seinem eigenen Weg treu zu bleiben.“ Über das Postgaragenticket verliert der Montafoner im Nachhinein nur gute Worte: „Es war ein riesiger Motivationsschub.“

Nachhaltige Wanderungen

Er legt bei seinen Produkten Wert auf Nachhaltigkeit, deshalb kann man bei den Schuhen auch die Sohle oder das Obermaterial einzeln austauschen und muss sich nicht gleich ein neues Paar kaufen. Mittlerweile hat der 34-Jährige zwei verschiedene Modelle im Angebot: eines für Spaziergänge in der Stadt und ein weiteres mit einer Profilsohle für Berge. Denn einige seiner Kunden nutzen die Schuhe auch für Wanderausflüge oder zum Joggen. Durch die Halterung an der Oberseite kann der Schuh fest am Fuß fixiert werden, das System ist von Snowboard-Bindungen bekannt. Zuletzt ist auch eine Outdoor-Firma auf ihn zugekommen, um mit ihm gemeinsam Wanderschuhe zu entwickeln. Ganahl ist offen für solche Kooperationen: „Weiterentwicklung ist essenziell.“ VN-SUB

„Das Wichtigste ist, seinem eigenen Weg treu zu bleiben.“

Viele Besitzerinnen und Besitzer der Avo Schuhe tragen diese am liebsten zum Wandern und Joggen.  Ganahl
Viele Besitzerinnen und Besitzer der Avo Schuhe tragen diese am liebsten zum Wandern und Joggen.  Ganahl