“Arbeit muss sich lohnen”

Jürgen Kessler und Hans-Peter Metzler bei der Pressekonferenz in Dornbirn.
Der Vorarlberger Wirtschaftsbund präsentiert seine Agenda für den kommenden Herbst.
Dornbirn „Die Wirtschaft hält keinen weiteren Lockdown mehr aus“, hält Jürgen Kessler, Direktor des Wirtschaftsbundes Vorarlberg, bei einer Pressekonferenz in Dornbirn fest. Gemeinsam mit Hans-Peter Metzler, Präsident der Wirtschaftskammer Vorarlberg, fordert er im Namen des Wirtschaftsbundes mehr Klarheit und Planungssicherheit.
Hoffnungsschimmer Impfung
Um den derzeitigen Wirtschaftsaufschwung beizubehalten und die Infektionszahlen in ein verkraftbares Ausmaß einzudämmen, hält er die Covid-19 Impfung für den größten Hoffnungsträger. Deswegen ruft Kessler erneut zur Impfung auf, um vor allem die Bereiche Gastronomie, Tourismus, Freizeitwirtschaft und Veranstaltungen zu entlasten, die weiterhin stark unter den Einschränkungen leiden. Um die Impfquote zu erhöhen und somit die genannten Branchen zu unterstützen, richtet der Wirtschaftsbund folgende Verbesserungsvorschläge an den Gesundheitsminister: Antikörpertests sollten künftig der Öffentlichkeit gratis zur Verfügung stehen, es sollte zwischen den Inzidenzen der Geimpften und Ungeimpften unterschieden werden, und der Einsatz von PCR Tests sollte weiter ausgebreitet werden. Laut Kessler wird es noch einige Zeit dauern, bis sich die Wirtschaft vollständig erholt hat.
Über zwei Drittel der Unternehmen rechnen mit einer Erholung frühestens in einem Jahr, fast die Hälfte geht von einer Erholung ab 2023 oder später aus. Um die momentane positive Stimmung der Vorarlberger Wirtschaft beizubehalten, fordert Metzler Entlastungen und Anreize in Form von konkreten Maßnahmen, um die Unternehmen zu weiteren Investitionen zu ermutigen. Unter anderem setzt er sich für die Reform der Einkommenssteuer, die Einführung eines gestaffelten Investitionsfreibetrages und die Senkung der Körperschaftssteuer auf 21 Prozent ein. Um dem branchenübergreifenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken, werden zusätzliche Änderungen beim Arbeitslosengeld gewünscht: Die Einführung eines degressiven Arbeitslosengeldes, die Lockerung der Zumutbarkeitsregeln und die Reform der Zuverdienstmöglichkeiten. „Unser Ziel muss es sein, das Beschäftigungsverhältnis gegenüber dem Bezug von Arbeitslosengeld wieder attraktiver zu machen, denn Arbeit muss sich lohnen“, so der Wirtschaftsbund.
Reform im Lehrstellenmarkt
Ferner setzt Metzler auf eine Fachkräfteoffensive bei den Lehrstellen. Trotz der nach wie vor hohen Arbeitslosigkeit gibt es auf viele ausgeschriebene Lehrstellen nur wenige Bewerbungen. Eine Neuauflage des Lehrlingsbonus und eine steuerliche Absetzbarkeit von Weiterbildungskosten durch einen Bildungsfreibetrag und eine Bildungsprämie sollten am genannten Problem ansetzen.
Abschließend lobt der Präsident der Wirtschaftskammer das Durchhaltevermögen der Unternehmer während der Krise, meint aber, dass die geforderten Entlastungen und Anreize so schnell wie möglich fällig sind, um als Unternehmer mutig in den Herbst zu starten. VN-MRK