“Wer arbeiten kann, muss auch” – Druck auf Arbeitslose wird größer

Markt / 01.09.2021 • 12:10 Uhr
"Wer arbeiten kann, muss auch" - Druck auf Arbeitslose wird größer
Die Landesregierung zeigt sich mit der aktuellen Entwicklung zufrieden, es gibt aber noch immer rund 1000 Arbeitslose mehr als vor der Krise.  vn

Das degressive Arbeitslosengeld wird wahrscheinlicher: Wallner spricht sich dafür aus.

Bregenz „Wer arbeiten kann, muss arbeiten“, sagt Markus Wallner. Damit wiederholt der Landeshauptmann die Worte von Bundeskanzler Sebastian Kurz, der exakt diese am vergangenen Parteitag der ÖVP geäußert hat. Markus Wallner schlägt gleichzeitig in dieselbe Kerbe wie AMS-Chef Johannes Kopf. Für diesen habe er Verständnis und halte seine Aussagen für richtig. Johannes Kopf hat in der vergangenen Woche damit aufhorchen lassen, dass er die Zuverdienstmöglichkeiten für Arbeitslose massiv einschränken möchte. Wallner spricht sich damit klar für das degressive Arbeitslosengeldmodell aus, umso länger Arbeitslosengeld bezogen wird, umso geringer soll dieses werden. In Österreich erhält man derzeit 55 Prozent des Nettoeinkommens und dieser Betrag bleibt relativ stabil. In den meisten Ländern Europas ist das degressive Arbeitslosenmodell bereits angekommen: in Deutschland erhalten Arbeitslose zu Beginn rund 60 Prozent, dieser Betrag verringert sich dann jährlich.

Konjunktur zieht stark an

Die Landesregierung ist von der Gesamtlage des Arbeitsmarktes positiv überrascht: es sind zwar noch immer rund 1000 Personen mehr als vor der Krise arbeitslos, aber mit derzeit rund 9800 arbeitslos gemeldeten Personen liegt man unter dem österreichischen Durchschnitt. Eine Joboffensive soll vor allem in zwei Bereichen stattfinden: bei Langzeitarbeitslosen und bei Jugendlichen. Ende Juli waren rund 3000 Personen langzeitarbeitslos, das bedeutet mehr als zwölf Monate ohne Beschäftigung. Laut AMS Landesgeschäftsführer Bernhard Bereuter betrifft die Langzeitarbeitslosigkeit überwiegend Männer und etwa 50 Prozent sind bereits über 50 Jahre alt. „Oft werden Menschen von den Betrieben gar nicht mehr zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen, nur weil sie schon 57 oder 58 Jahre alt sind“, erzählt er und fügt hinzu: „Besonders erfreulich ist jedoch die Entwicklung bei den unter 25-jährigen. Mit rund 1250 arbeitslosen Jugendlichen per Ende Juli liegen wir bereits um sieben Prozent unter dem Vorkrisenniveau von 2019.“ Trotz Corona hat das Land Vorarlberg gemeinsam mit dem AMS an der Beschäftigungs- und Ausbildungsgarantie für Jugendliche festgehalten. Jeder Mensch zwischen 15 und 25 Jahren, der länger als drei Monate ohne Arbeit ist, erhält innerhalb der nächsten drei Monate ein Beschäftigungs- oder Ausbildungsangebot. „Wir schöpfen sämtliche Mittel, die uns aus dem europäischen Sozialfonds zur Verfügung gestellt werden, aus, und investieren in das Projekt Netzwerk Arbeit von Aqua Mühle und Caritas 1,33 Millionen Euro“, erzählt Wirtschaftslandesrat Marco Tittler.

Pandemieplan für den Herbst

Dass die Konjunktur anhält, wünscht sich die Landesregierung, dies hänge aber auch von der Pandemie und dem Impffortschritt im Herbst ab. Marco Tittler betont, dass derzeit niedrigschwellige Angebote auf die Beine gestellt und diese auch wohlwollend aufgenommen werden. Sollten diese Angebote nicht ausreichen, bestätigt Markus Wallner, dass er es Geimpften gegenüber nicht für fair halte, erneute Einschränkungen einzuführen. „Wir müssen die Belastung der Intensivstationen im Auge behalten und diskutieren regelmäßig darüber. Bevor es noch einen Lockdown gibt, wird es zu Einschränkungen für Ungeimpfte kommen.“