Energiekosten treiben Teuerung in Österreich und Eurozone an

Die Inflationsrate ist in Österreich im Juli auf 2,9 Prozent gestiegen, nachdem sie im Juni 2,8 Prozent betrug.
Wien Hauptausschlaggebend für den Anstieg der Teuerung waren Energiekosten und Wohnen, teilte die Statistik Austria am Mittwoch mit. Ein Anstieg der Lebensmittelpreise wird von einem Experten in den kommenden Monaten erwartet. In der Eurozone kletterte die Teuerung indes auf 2,2 Prozent, berichtete Eurostat Mittwoch.
Im 19-Länder-Gebiet der Gemeinschaftswährung ist das die höchste Inflationsrate seit Herbst 2018. Im Juni lag der Anstieg der Lebenshaltungskosten in der Eurozone noch bei 1,9 Prozent. Hinter dem Zuwachs stehen auch hier vor allem die Energiepreise.
“Ein bisserl eine Überraschung sind die Nahrungsmittelpreise, die nach wie vor moderat steigen”, sagte Wifo-Experte Josef Baumgartner zur Teuerung in Österreich mit Blick auf die Entwicklung auf internationalen Märkten für agrarische Rohstoffe. Die Preisanstiege bei Nahrungsmitteln dürften im weiteren Jahresverlauf und 2022 “stärker werden”. So werden aufgrund gestiegener Getreidepreise etwa die Kosten für Brot und Gebäck schon bald ansteigen.
Bereits jetzt – also im Juli im Vergleich zum selben Monat des Vorjahres – verteuerten sich hierzulande die Ausgaben für Verkehr um 8,1 Prozent, Flugtickets wurden um 23,6 Prozent teurer. Ohne höhere Ausgaben für Verkehr bzw. Treibstoffe und Wohnen hätte die Inflation 1,2 Prozent betragen, so die Statistik Austria. Gegenüber dem Vormonat Juni stieg das durchschnittliche Preisniveau um 0,3 Prozent.
“Insgesamt sind die Preissteigerungen beim Rohöl und bei den Problemen innerhalb der Lieferketten zu suchen”, sagte Baumgartner im Gespräch mit der APA. “Wenn chinesische Häfen wegen Coronafällen gesperrt werden und sich der Transport dadurch verzögert, wird dieser teurer. Dazu kommt ein Mangel an Containern um der vermehrten Fracht in der sehr gut erholten Konjunktur Herr zu werden.” Die starke Konjunktur sorge zudem ja auch für eine vermehrte Nachfrage nach Energie in der Industrie und Treibstoffen für den Transport. Dies alles seien Faktoren, auf welche die Europäische Zentralbank (EZB) wenig Einfluss habe.
Die EZB geht heuer von einem weiteren Anstieg der Teuerung aus. Der Höhepunkt wird mit rund 3 Prozent zum Jahresende hin erwartet. Aus Sicht der Währungshüter ist der Inflationsanstieg aber ein vorübergehendes Phänomen. Bereits für 2022 wird wieder mit schwächeren Inflationsraten gerechnet. Die EZB erklärt das etwa mit Sondereffekten wie der vorübergehenden Senkung der deutschen Mehrwertsteuer im Jahr 2020. Die Inflation in Deutschland ist zuletzt mit 3,8 Prozent noch deutlich höher ausgefallen als in Österreich mit den aktuell 2,9 Prozent. Das ist laut Baumgartner vor allem dem Auslaufen der vorübergehenden Mehrwertsteuersenkung beim wichtigsten Handelspartner Österreichs geschuldet. Ansonsten habe die dortige Inflation die selben Gründe wie auch hierzulande. APA