Deshalb gibt es 756 neue Unternehmen im Land

Markt / 03.08.2021 • 15:00 Uhr
Deshalb gibt es 756 neue Unternehmen im Land
Die Neugründungen in Vorarlberg ziehen sich durch alle Branchen. Neben dem Handwerk sind es oft digitale Geschäftsmodelle, die von den Gründerinnen und Gründern verfolgt werden. Reuters


Im ersten Halbjahr 2021 wurden in Vorarlberg so viele Unternehmen gegründet wie noch nie.

Feldkirch War es die Coronakrise, die viel mehr Menschen als vor der Pandemie dazu bewog, sich selbstständig zu machen? Eine Steigerung der Neugründungen um ein Drittel ist jedenfalls alles andere als üblich. „Die Neugründungen dokumentieren den starken Unternehmergeist der Vorarlbergerinnen und Vorarlberger. Sie zeigen aber auch, dass sich die Gründerinnen und Gründer von der Krise nicht ausbremsen lassen haben“, freut sich WKV-Präsident Hans Peter Metzler über den Trend zum Unternehmertum. Das liege vor allem auch am Vertrauen in die hervorragende Wirtschaftsstruktur und dem guten Branchenmix, welche einen idealen Nährboden für Neugründungen bilden, ist er überzeugt. „Damit Mut und Entschlossenheit zum Gründen, gerade auch in Zeiten der Krise, erhalten bleiben, müssen wir auch konsequent an unseren Forderungen für ideale Rahmenbedingungen festhalten. Das sind vor allem bürokratische und steuerliche Entlastungen“, lässt WKV-Direktor Christoph Jenny keinen Zweifel daran, dass die neuen Unternehmer auch entsprechende Unterstützung durch ihre Interessenvertretung erhalten.

Keine „Not-Gründungen“

Bleibt die Gründertätigkeit auf dem Niveau des ersten Halbjahres 2021, dann werden heuer 1370 Unternehmen im Land gegründet. Noch im ersten Halbjahr 2019 gab es 579 Neugründungen in Vorarlberg. Gerade durch die Pandemie-bedingten Auswirkungen könnte das beachtliche Vorarlberg-Plus vorschnell auf Not-Gründungen zurückgeführt werden, meint Christoph Mathis, Leiter des Gründerservice in der Wirtschaftskammer Vorarlberg, doch dem ist nicht so. „Hier handelt es sich durchaus um länger geplante Vorhaben“, betont Mathis und informiert über die im Rahmen der aktuellen Erhebung für Vorarlberg abgefragten Gründungsmotive: „Der Wunsch, flexibler in der Zeit- und Lebensgestaltung zu sein, ist mit 74 Prozent klar in den Vordergrund gerückt, im Vorjahreszeitraum gaben dies noch 63 Prozent an. Sein eigener Chef zu sein und die Verantwortung als Angestellte oder Angestellter lieber im eigenen Unternehmen einbringen zu wollen, bleibt mit 69 Prozent ein zentraler Grund für Unternehmensgründungen“, sagt Mathis. Und 65 Prozent der Neugründer wollten ohnehin „immer schon selbstständig sein“.

Digitalisierung als großer Treiber

Doch eitel Sonne ist nicht alles, was die Gründer auf dem Weg zum eigenen Unternehmen erfahren: Allgemeine rechtliche Anforderungen und Amtswege sind mit knapp 33 Prozent die höchsten Gründungs-Hindernisse für Vorarlbergs Gründer. Zu jeweils 25 Prozent drückt der Schuh in Sachen Sozialversicherung, Steuern und Abgaben sowie in puncto Zugang und Kontakt zu Kunden. „Etwa 23 Prozent sehen bei der Finanzierung der Gründung durch Eigenkapital sowie knapp 19 Prozent bei den Kreditmöglichkeiten Verbesserungspotenzial. Nur rund neun Prozent wünschten sich einen besseren Zugang zu Informationen, Netzwerken und Hilfestellung durch Dritte. Das spricht für eine gute Vernetzung und Servicierung“, schlussfolgert Mathis und nimmt Bezug auf wesentliche Entwicklungen in Sachen Digitalisierung: „Ganz klar zeichnet sich ein Boom bei digitalen Geschäftsmodellen ab. Dies zeigt der Anstieg im Versandhandel und hier vor allem im E-Commerce-Bereich. Viele Gründungen im Bereich Unternehmensberatung sind auf IT-Dienstleistungen bzw. Beratung zur Unternehmensorganisation zurückzuführen. Ein Indiz für die breite Digitalisierung und eine entsprechende (Neu-)Aufstellung in der Wirtschaft.“

“65 Prozent der Vorarlberger Neugründer wollten „immer schon selbstständig sein.“

Christoph Mathis, Leiter des WKV-Gründerservice

„Genau hier müssen wir dranbleiben, vor allem, weil die meisten Gründungen als Kleinunternehmen beziehungsweise EPU erfolgen“, sagt Direktor Jenny: Eine zentrale Rolle spielen Fördermaßnahmen zur Digitalisierung. Mehr als die Hälfte der österreichweit befragten Gründerinnen und Gründer sprechen sich für eine Förderung von innovativen Wirtschaftsbereichen und für digitale Weiterbildungsangebote aus. Eine großzügige Betriebsausgabenpauschalierung, eine Tarifsenkung bei der Einkommenssteuer sowie ein konsequenter Bürokratieabbau würde außerdem einen wesentlichen und effektiven Beitrag zur Verminderung von Gründungshemmnissen leisten. „Die Übernahme von Risiko und unternehmerischer Verantwortung muss mit aller Kraft entsprechend gewürdigt und unterstützt werden“, unterstreicht Jenny die Forderungen.