Der Fluch der globalen Allmende
In der Geschichte der Menschheit gab es immer wieder unterschiedliche Formen gemeinschaftlichen Eigentums. Eine der bekanntesten, die sogenannte Allmende, ermöglicht die gemeinsame Nutzung von Wald- und Weideflächen durch die Mitglieder einer Gemeinde. Noch größer ist der Nutzerkreis beim Allgemeingut, etwa öffentlichen Wegen oder Brunnen, die jedem zur freien Benutzung zur Verfügung stehen.
Doch ob Allmende oder Allgemeingut – immer besteht die Gefahr, dass Güter, die keinen Preis haben, von uns Menschen – egoistisch, wie wir sind – übermäßig genutzt werden. Die langfristige Folge kurzsichtigen Handelns bzw. die Tragik gemeinschaftlichen Eigentums besteht also darin, dass frei verfügbare, aber nur begrenzt vorhandene Ressourcen durch Übernutzung gefährdet sind, was in letzter Konsequenz auch die Nutzer selbst bedroht. Heutige Beispiele dafür sind die Überfischung der Meere und die exzessive Schlägerung der Amazonaswälder, insgesamt also die Überbeanspruchung von begrenzt vorhandenen Ressourcen, die unsere Existenzgrundlage darstellen. Vor allem aber betrifft diese „Tragik der Allmende“ die existenzgefährdende Veränderung des globalen Klimas durch die vom Menschen gemachte Erderwärmung. Das ist die heutige Überforderung unserer globalen Allmende. Die Forderung nach Klimaschutz und Sicherung unserer Umwelt muss daher längst überfällig Ziel unseres gemeinsamen Handelns sein. Daher war auch die nun politisch groß verkündigte Forderung nach Klimaschutz eine überfällige Notwendigkeit. Doch ehe nur annähernd konkrete Schritte dafür gesetzt werden, werden die utopischen Ziele durch fehlenden Mut für die notwendigen Maßnahmen wie den Bau von Wasserkraftwerken und Windparks oder den notwendigen Ausbau von Netzwerken – Stichwort: 380 kV Leitung – zum Transport der zudem noch ungenügend vorhandenen erneuerbaren Energie blockiert. Die Verhinderung von klimaverbessernden Verkehrslösungen ist schlicht Klimafeindlichkeit. Vielmehr brauchen wir Technologieoffenheit und Anwendung von Brückentechnologien. Aber noch gefährlicher ist die Vorstellung, dass der Klimaschutz ohne Kosten zu erreichen sein wird. Gerade hierzulande, wo wir ohnehin in Sachen Klimaschutz nachhinken, wie der Vergleich mit der Schweiz deutlich macht, ist die Diskussion unehrlich, wenn sie fordert, dass die Einkommensschwachen beschützt werden müssen, die Konsumenten nicht mehr belastet werden dürfen und die Produktion nicht höhere Kosten zu tragen bekommen darf.
All dies aber hieße „Klimaschutz zum Nulltarif“, weil eine die Knappheit lenkende Funktion des Preises außer Kraft gesetzt wird. Zwar braucht es soziale Abfederung, etwa durch höhere Mindesteinkommen, doch Klimaschutz zum Nulltarif ist eine lächerliche Illusion. Sich so zu verhalten, würde nur den Fluch der Allmende im globalen Maßstab bestätigen. Dies aber wäre unser aller Untergang.
„Heutige Beispiele dafür sind die Überfischung der Meere und die exzessive Schlägerung der Amazonaswälder.“
Hannes Androsch
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Dr. Hannes Androsch ist Finanzminister i. R. und Unternehmer.
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