Hochwasser nicht voll versichert

Markt / 19.07.2021 • 22:24 Uhr
Seit 2007 fordert die österreichische Versicherungswirtschaft, dass Naturkatastrophen voll versicherbar gemacht werden. afp
Seit 2007 fordert die österreichische Versicherungswirtschaft, dass Naturkatastrophen voll versicherbar gemacht werden. afp

Versicherungen erneuern Forderung nach Rechtsanspruch bei Naturkatastrophen.

Bregenz Verheerende Unwetter haben in den vergangenen Tagen in Deutschland und Österreich nicht nur für menschliches Leid, sondern auch für Milliardenschäden gesorgt. Vorarlberg blieb davon zwar weitgehend verschont, allerdings machen die Versicherungen seit vielen Jahren auf ein Grundproblem aufmerksam. „Hochwasser-Risiken sind nicht voll versichert. Hier braucht es endlich einen Rechtsanspruch“, sagt Robert Sturn, Vorstandsdirektor der Vorarlberger Landesversicherung und Sprecher der heimischen Versicherungsunternehmen.

Lösung bei Regierung

Denn die Deckungen beispielsweise bei Hochwasser oder Erdbeben seien aktuell sehr eingeschränkt und liegen im Schnitt zwischen 10.000 und 15.000 Euro. Das reiche, wenn ein Keller überflutet werde und die Waschmaschine kaputtgehe, allerdings nicht für so massive Schäden, wie gerade geschehen. „Bereits 2007 hat die Versicherungswirtschaft der Regierung einen Lösungsvorschlag präsentiert. Wir hoffen, dass er nun endlich diskutiert wird“, so Sturn über die Wichtigkeit einer Solidarversicherung für alle, um die finanzielle Last auf viele Schultern zu verteilen und Betroffenen einen umfassenden finanziellen Schutz bieten zu können.

Zwölf bis 15 Euro

Die Lösung wäre, eine Versicherung für Naturkatastrophen bei der Feuerversicherung anzudocken. Denn eine solche habe 98 Prozent der Bevölkerung. „Für ein durchschnittliches Gebäude wäre das eine zusätzliche Prämie von zwölf bis 15 Euro. Somit wäre es für jeden leistbar und Betroffene wären nicht auf Spenden oder den Katastrophenfonds angewiesen“, betont Sturn.

Länder wie die Schweiz hätten bereits ein solches Modell, und auch wenn Vorarlberg von den jüngsten Hochwasser-Ereignissen nahezu verschont blieb, werde die Anzahl und die Intensität von Naturkatastrophen zunehmen. „Deshalb ist auch das Hochwasserschutzprojekt Rhesi so wichtig. Jetzt wäre der richtige Zeitpunkt, mit dem Bauen anzufangen“, ist es für Sturn höchste Zeit zu handeln. Schließlich habe das Projekt eine lange Bauzeit und nicht immer habe man so viel Glück wie aktuell. VN-reh

„Hochwasser-Ereignisse nehmen zu. Wichtig ist, dass es einen Rechtsanspruch gibt.“