Warum das Biergerste-Patent Brauern sauer aufstößt

Markt / 19.06.2021 • 09:00 Uhr
Warum das Biergerste-Patent Brauern sauer aufstößt
Patente auf Pflanzen und Samen sorgen bei den Gerstenbauern und kleinen Privatbrauereien für große Unsicherheit.   APA

Patententscheidung lässt kleine Brauereien um Zukunft fürchten.

Dornbirn, München Ausgerechnet München, die Hauptstadt des Bierlandes Bayern, war Schauplatz für eine wegweisende Verhandlung, die die Zukunft kleiner Brauereien entscheidend verändern kann und auch vielen Bierkonsumenten sauer aufstoßen wird. Beim Europäischen Patentamt wurde über den Einspruch von Umweltorganisationen und auch der acht österreichischen  Privatbrauereien Mohrenbräu, Hirter, Zwettler, Trumer, Murauer, Eggenberger, Freistädter und Schremser gegen die Patentierung von Braugerste durch Konzerne wie Carlsberg und Heineken im Speziellen und Samen, Pflanzen und Tiere allgemein verhandelt. Die dänische Brauerei Carlsberg ließ sich eine Braugerstensorte patentieren. Und um es kurz zu machen – das Patentamt lehnte die Beschwerde ab, die Patente bleiben aufrecht, Carlsberg hat bereits weitere Patentanmeldungen angekündigt.

„Da wurde eine Braugerste patentiert, die auf natürlichem Weg entstanden ist.“

Thomas Pachole, Geschäftsführer Mohrenbrauerei

Die Culturbrauer sind nicht die einzigen, die von der Entscheidung enttäuscht sind. Auch deutsche Brauereien und Verbände kritisieren die Entscheidung. „Wir haben nichts dagegen, wenn man gewisse Produktionsverfahren patentieren lässt“, so Mohrenbräu-Geschäftsführer Thomas Pachole, „doch da wurde eine Gerste patentiert, die auf natürlichem Weg entstanden ist.“ Für kleine und regionale Brauer werde es dadurch im Wettbewerb schwieriger. Auch für die Bauern, die die Gerste anbauen, sei nun die Unsicherheit groß. „Wir sehen das extrem kritisch, das ist eine sehr gefährliche Entwicklung.“

Bereits jetzt sei Braugerste international ein Spekulationsgut mit extremen Preisschwankungen, und Sinn eines Patentes seien der Ausschluss von Konkurrenz und ein höherer Preis. Das wirke sich auch auf den Bierpreis aus, gibt er eine Aussicht auf die weitere Entwicklung. Und mit Regionalität und Nachhaltigkeit habe diese Entwicklung schon gar nichts zu tun.