Zum 1. Geburtstag einen Betreuungsplatz

Markt / 18.06.2021 • 22:11 Uhr
IV-Präsident Martin Ohneberg, ÖGB-Landesvorsitzender Reinhard Stemmer und ÖGB-Landesfrauenvorsitzende Iris Seewald. ögb
IV-Präsident Martin Ohneberg, ÖGB-Landesvorsitzender Reinhard Stemmer und ÖGB-Landesfrauenvorsitzende Iris Seewald. ögb

Gewerkschaft und IV fordern Kinderbetreuungsoffensive.

Dornbirn Alle Sozialpartner und die Industriellenvereinigung sind sich in einem Thema besonders einig: Die Kinderbetreuung ist eine der wichtigsten Zukunftsfragen für den Wirtschafts- und Lebensraum Vorarlberg. Egal ob es um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gehe, um Chancengleichheit für jedes Kind oder mehr Fachkräfte für den Arbeitsmarkt – für all diese Ziele spiele ein entsprechendes Angebot an ganztägigen, ganzjährigen und leistbaren Kinderbetreuungsplätzen eine zentrale Rolle.

Viel Aufholbedarf

Allerdings gebe es hier noch viel zu tun, sagt IV-Präsident Martin Ohneberg. Dazu reiche ein Blick auf die Zahlen. Denn aktuell liege Vorarlberg in Sachen Kinderbetreuung österreichweit nur im Mittelfeld. Die Kinderbetreuungsquote bei den unter Vierjährigen lag im Jahr 2019/2020 bei 42,4 Prozent, bei den unter Dreijährigen bei nur gut einem Viertel. Aufholbedarf ortet Ohneberg vor allem auch bei den Öffnungszeiten und Schließtagen.Denn in Vorarlberg gebe es im Österreichvergleich am zweitmeisten Betreuungseinrichtungen, die weniger als acht Stunden pro Tag geöffnet haben. Bei den durchschnittlichen Schließtagen liege man zwar auf Rang vier, dennoch sei es bedenklich, dass Wien fast viermal weniger Schließtage habe als Vorarlberg.

Die Forderung lautet deshalb: Ein Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für jedes Kind ab dem ersten Geburtstag. „Jetzt ist die Politik auf Landes- und Gemeindeebene gefordert“, sagt Reinhard Stemmer, Landesvorsitzender des Gewerkschaftsbundes (ÖGB). Denn nur mit einer Kinderbetreuungsoffensive könnten Frauen und Männer erwerbstätig sein und hätten somit gleiche Chancen in der Arbeitswelt.

„Jede zweite Frau in Vorarlberg arbeitet in Teilzeit. Das wirkt sich negativ auf die soziale Absicherung und Altersvorsorge aus“, sagt ÖGB-Landesfrauenvorsitzende Iris Seewald. Frauen seien unverzichtbar für den Arbeitsmarkt, aber nur mit einer entsprechenden Kinderbetreuung könnten sie entlastet und zudem Vollbeschäftigung ermöglicht werden.

Klare Ansage

Für all jene, die eine Vereinbarkeit von Beruf und Familie für unnötig halten, weil Frauen ihrer Meinung nach nach Hause zu den Kindern gehören, haben Seewald, Ohneberg und Stemmer auch eine klare Botschaft: „Es ist nicht verwerflich, wenn man ein Kind früh in eine Betreuung gibt. Dafür sollte sich niemand rechtfertigen müssen. Diese alten Muster müssen wir als Gesellschaft endlich überwinden.“ VN-reh

Kinderbetreuung

7 Schließtage hat Wien bei den Kinderbetreuungseinrichtungen, Vorarlberg kommt auf 27 Schließtage

 

8. Platz: Vorarlberg hat österreichweit die zweitmeisten Einrichtungen, die weniger als acht Stunden pro Tag geöffnet haben

 

42,4 Prozent aller Kinder unter vier Jahren sind in Vorarlberg in einer Kinderbetreuung. Bei den unter Dreijährigen ist es nur ein Viertel