“60 bis 70 Prozent bestellen wieder”

Die Palette umfasst mittlerweile dreizehn verschiedene Farben. Auch die Tischsets werden in der Manufaktur im Bregenzerwald handgefertigt.
Clarissa Steurer begeistert Kunden mit ihren Produkten aus Korkleder.
Langenegg Clarissa Steurer hat mit ClarissaKork ein Unternehmen für hochwertige Kork-Teppiche und Wohnaccessoires geschaffen. Im Interview spricht sie über die Faszination Kork, die große Nachfrage nach ihren Produkten, die notwendige Erweiterung und die nächsten Projekte.
Die Nachfrage nach Ihren Kork-Produkten scheint ungebrochen. Woran liegt das?
Steurer Wir sind die absolute Nische, bedienen aber viele Nischen und haben unterschiedliche Zielgruppen. Wir haben Eltern, die schadstofffreie Produkte suchen. Wir haben Allergiker. Wir haben jene, die die Maßanfertigung bei Teppichen schätzen. Bei uns bestellt selten jemand eine Standardgröße. Vielfach haben wir ältere Kunden, die unsere Teppiche aufgrund der guten Bodenhaftung mögen. Und es gibt Menschen, denen gefällt einfach die Optik unserer Produkte. Unsere Wiederbestellquote liegt bei 60 bis 70 Prozent, die Retourenquote bei nur 0,05 Prozent. Darauf sind wir sehr stolz.
Was fasziniert Sie persönlich so am Material Kork?
Steurer Kork ist pflegeleicht und hat eine tolle Haptik. Die Ernte kann alle neun Jahre erfolgen, und eine genutzte Korkeiche bindet viel mehr CO2 als eine ungenutzte. Somit ist es einfach ein geniales Produkt. Wichtig ist mir aber, dass alle Produkte eine Kombination aus Ästhetik und Funktion vereinen. So haben unsere Kinderteppiche auch einen Lerneffekt, auf die Tischläufer kann man einen heißen Topf drauf stellen, und mit dem Tischset lernen Kinder spielerisch das ABC. Nur schön oder nur funktional ist mir zu wenig.
Inwieweit trägt eine TV-Show wie „2 Minuten 2 Millionen“, an der Sie unlängst teilgenommen haben, zur Bekanntheit bei?
Steurer Das ist unglaublich. Dass wir damit eine sehr breite Masse erreichen, haben wir vor allem an den Bestellungen gemerkt. Vor der Ausstrahlung kamen 70 Prozent des Umsatzes aus Deutschland, und nun liegen Deutschland und Österreich fast auf gleicher Höhe.
Ihre Hauptprodukte sind Teppiche und Accessoires. Wo könnte Kork noch zur Anwendung kommen?
Steurer Unser nachhaltiger Erfolg liegt darin, dass wir nicht nur ein Produkt haben. So bestellen viele Kunden wieder. Hätten wir nur Wickelauflagen, wäre das weniger der Fall. Die Anwendungsmöglichkeiten sind dabei enorm. Wir bekommen auch sehr viele Vorschläge von Kunden. Deshalb gibt es nun beispielsweise Hundekissen und bald auch Yogamatten. Aber wir können nicht alles machen, und mein klarer Fokus liegt auf dem Wohnbereich. Deshalb produzieren wir beispielsweise auch keine Taschen.
Sie produzieren in Krumbach und haben seit Februar auch einen Schauraum in Langenegg. Sie sind aber auf der Suche nach einem neuen Standort. Was sind die Gründe?
Steurer Wir werden heuer einen siebenstelligen Umsatz erreichen und wollten eigentlich auch in neue Märkte gehen. Aber wir können nicht mehr weiter wachsen, solange wir keine neue Produktionsstätte haben. Zudem wollen wir Arbeitsplätze schaffen und uns in den kommenden Jahren personell verdoppeln.
Was muss ein potenzieller neuer Standort bieten?
Steurer Wir brauchen eine Produktionsfläche von gut 500 Quadratmetern. Aber wir wollen Arbeiten auch mit Wohnen kombinieren. Das ist zugleich die Herausforderung, um etwas Passendes zu finden. Zudem haben mein Mann und ich zwei Kinder und brauchen die Nähe zu den Großeltern. Das bedeutet, dass eigentlich nur die Gemeinden Krumbach, Langenegg, Lingenau und Hittisau infrage kommen. Es ist also insgesamt kein leichtes Anforderungsprofil. Wir hatten tolle Angebote, mussten diese aber genau aus diesem Grund schweren Herzens absagen.
Welche neuen Märkte wären für ClarissaKork noch spannend zu erobern?
Steurer Als Nächstes wäre Skandinavien für uns sehr interessant. Denn die Menschen dort sind sehr design- und interioraffin. Sie geben viel Geld für Einrichtung aus und schätzen dabei auch Naturmaterialien. Zudem wäre Luxemburg spannend. Aber solange wir nicht mehr Kapazitäten haben, sind wir hier noch entsprechend gebremst.
Individualanfertigungen bei Teppichen bedeutet einen höheren Preis. Die Kunden sind also bereit, diesen Service zu bezahlen?
Steurer Ja, obwohl uns eigentlich zu Beginn viele davon abgeraten haben, auf diese Schiene zu setzen. Ein Muss ist aber, dass der Nutzen um ein Vielfaches höher ist. Also nicht nur dass die Teppiche qualitativ hochwertig verarbeitet sind, sondern eben auch extrem pflegeleicht und nachweislich gelenkschonend sind. Wir haben zudem für Kunden einen Konfigurator und seit Neuestem auch eine App, mit der man den Teppich virtuell im Raum platzieren kann. Natürlich gibt es Mitbewerb, der bei den Standardprodukten vielleicht billiger ist, aber da gibt es schon sehr große Unterschiede.
Wie kamen Sie überhaupt auf die Geschäftsidee, Korkprodukte zu produzieren?
Steurer Ich wollte unbedingt selbstständig werden, und dabei hat es mir vor allem das Thema Stickerei besonders angetan. Meine Ursprungsidee war es, hochwertige bestickte Tischwäsche aus Leinen zu produzieren. Auf das Material Kork kam ich, als ich im Fernsehen einen Bericht über Korkleder sah. Davon war ich von Anfang an fasziniert. Gemeinsam mit meinem Sticker habe ich dann damit begonnen, Teppiche zu besticken. Am Anfang hat das viele Nerven gekostet und er hat ein großes Geduldsinvestment eingebracht, bis es funktioniert hat.


Zur Person
Clarissa Steurer
Produziert mit ihrem Unternehmen ClarissaKork Teppiche und Accessoires aus Kork
Geboren 12.12.1984
Ausbildung Pflichtschule, HTL Dornbirn mit Fachrichtung Bekleidungstechnik
Laufbahn Auslandstechnikerin in Bulgarien, Produktmanagerin für Outdoormarken, in der Qualitätssicherung in China tätig, 2018 Start in die Selbstständigkeit
Familie verheiratet mit Edwin, zwei Kinder
ClarissaKork
Segment Teppiche und Accessoires aus Kork
Mitarbeiter 9
Geplanter Umsatz 2021 siebenstellig
Standorte Krumbach und Langenegg