“Ohne Corona wäre Idee nie entstanden”

Das Gespräch mit Abstand mit Wolfgang Preuß auf der Tribüne des Dornbirner Sportvereins. Dort ist er nun Sponsor und Veranstalter.
Gastronom Wolfgang Preuß zeigt, wie man mit Mut der Krise trotzen kann.
dornbirn Gastronom Wolfgang Preuß macht das Areal am Sportplatz Haselstauden in Dornbirn einen Monat lang zum Schauplatz von Fußball-EM-Spielen und Konzerten. Im Interview spricht er über seine Beweggründe, diesen mutigen Schritt zu gehen, und darüber, was er Positives aus dem herausfordernden Coronajahr mitnimmt.
Kommende Woche startet Ihr Event am Sportplatz Haselstauden mit Fußball und Konzerten. Wie entstand die Idee zur „Emma & Eugen Arena“?
preuß Während der Coronazeit habe ich einen Foodtruck gekauft, für den es gleich eine große Nachfrage von Unternehmen für den Mittagsservice gab. Weil durch die Pandemie Veranstaltungen im Innenbereich schwierig sind, wollte ich den Sommer eben outdoor voll nutzen. Letztlich ist die Idee zur „Eugen & Emma Arena“ entstanden, weil dem Dornbirner Sportverein der Hauptsponsor abgesprungen ist. So habe ich die Chance ergriffen und bin nun nicht nur Sponsor, sondern trage zugleich die Veranstaltung auf dem Sportplatz aus. Dadurch dass mein Lokal auch in Dornbirn ist, passt das perfekt.
Woher kommt der Name?
Preuß Mein Opa hieß Eugen. Ich habe immer gesagt, wenn ich einmal einen Sohn habe, nenne ich ihn Eugen. Nachdem ich drei Töchter habe, heißen nun eben die Foodtrucks Eugen. Emma hieß seine Frau, und ihr Name steht für die Musik und die mobile Bühne.
Was ist alles notwendig, um alle coronabedingten Regeln einzuhalten?
Preuß Neben dem Präventionskonzept und einem Sitzplatz pro Besucher müssen wir bei zwei Veranstaltungen am Tag dazwischen eine zweistündige Pause einlegen. Zutritt hat, wer getestet, geimpft oder genesen ist. Dazu werden wir vor Ort eine Teststation einrichten.
Corona war für die Gastronomie keine leichte Zeit. Wieso nehmen Sie diese Herausforderung an? Was reizt Sie daran?
Preuß Das alles nimmt man nach der herausfordernden Coronazeit und nach allem, was wir erlebt haben, in Kauf. Wir haben die Infrastruktur, die Mitarbeiter und mit dem Sportverein den Partner. Somit sehe ich es als einmalige Chance. Wir sehen auch, dass die Menschen davon begeistert sind. Klar bedeutet es einen Mehraufwand, aber ich denke, der Zeitpunkt ist gut, damit es letztlich auch wirtschaftlich interessant wird.
Wie war das Pandemiejahr für Sie als Gastronom? Ihr Lokal hat ja zwei Besonderheiten: Es ist im WIFI Dornbirn, wo viele Kurse nur digital stattfanden, und es hat einen großen Fokus auf Konzerte, die auch nicht stattfinden durften.
Preuß Die Coronahilfen haben natürlich geholfen, um alle Mitarbeiter in Kurzarbeit zu halten. Nichtsdestotrotz hätten wir im vergangenen Jahr 2020 ohne Corona aufgrund der Anmeldungen ein noch besseres Jahr als das bereits gute Jahr 2019 gehabt. Am Anfang habe ich immer in den Kalender geschaut und gesagt „heute wäre das Konzert gewesen, heute hätte diese Hochzeit stattgefunden“. Bis meine Tochter Sarah gesagt hat, wirf den Kalender weg. Die erste Zeit war sicherlich schwer, aber ich habe mich dann mit der Situation arrangiert. Persönlich konnte ich mich in der Zeit anders entfalten. So hatte ich mehr Zeit, um joggen zu gehen.
Hätte es die „Emma & Eugen Arena“ ohne Coronakrise gegeben?
Preuß Nein, ohne Corona wäre die Idee zur „Emma & Eugen Arena“ nie entstanden. Denn normalerweise wären wir im Lokal gut ausgelastet, und im Sommer haben wir normalerweise auch vier Wochen geschlossen. Die Idee ist also quasi aus der Not entstanden.
Sie haben mittlerweile drei Foodtrucks angeschafft. Welche Pläne verfolgen Sie damit?
Preuß Neben dem Mittagsservice werde ich damit auch eigene Events veranstalten, denn ich habe auch eine mobile Bühne. Im Bregenzerwald findet beispielsweise im Sommer eine Konzertreihe statt. Ich habe sehr viele Anfragen, denn der Markt dafür ist sehr groß. Auch für die Mitarbeiter ist es ein anderes Erlebnis. Aber ich möchte nicht alles machen, sondern nur bewusste Geschichten. Es muss entweder wirtschaftlich oder emotional interessant sein. Denn meine tollen Mitarbeiter habe ich auch wegen den tollen Arbeitszeiten. Sie haben Sonntage und Feiertage frei, im Sommer und über Weihnachten. Für mein Lokal „Die Wirtschaft“ habe ich noch für sieben Jahre einen Vertrag. Somit sind die Trucks für mich auch eine Option, um in der Pension Projekte zu realisieren.
Woher kommt eigentlich Ihre Begeisterung für Konzerte und Events?
Preuß Das ist eigentlich auch aus einer Not heraus entstanden. Denn im ersten Jahr ist es mit der „Wirtschaft“ nicht so gut gelaufen, wie ich ursprünglich dachte. Da ich immer schon ein Fan von Live-Musik war, haben wir damit begonnen, ein Essen in sechs kleinen Gängen plus das Konzert gratis dazu anzubieten. Das erste Konzert war der Holstuonarmusigbigbandclub und gleich ausverkauft. Später kam zum Konzept Dinner & Concert auch Dinner & Comedy dazu.
Viele sprechen ja von einer neuen Wertschätzung gegenüber dem Tourismus. Spüren Sie das vonseiten Ihrer Gäste?
Preuß Der große Nachteil der Coronakrise ist, dass viele in unserer Branche aus dem Job ausgestiegen sind. Sehr gut hingegen ist, dass die Wertschätzung gegenüber der Gastronomie massiv gestiegen ist. Das ist sicherlich das Positive, was ich aus der Coronazeit mitnehme. Und auch der Handel hat gemerkt, wie wichtig die Gastronomie im Zusammenspiel ist. Da müssen wir nun schauen, dass wir diese Chance nutzen und dranbleiben.


Zur Person
Wolfgang Preuß
Der Gastronom (“Die Wirtschaft”, Dornbirn) veranstaltet in Haselstauden einen Monat lang die “Emma & Eugen Arena” mit Fußball-EM-Übertragung und Konzerten
Geboren 5. November 1962
Ausbildung Lehre zum Werkzeugmacher
Laufbahn während der Lehre Nebenjob als Kellner; später u.a Barkeeper in der Tenne Mellau; vor 35 Jahren Start in die Selbstständigkeit; zunächst als Betreiber des WIFI Café in Dornbirn, nach Umbau der Bildungsstätte Umzug ins vergrößerte Lokal “Die Wirtschaft”
“Die Wirtschaft”
Café, Bar, Restaurant, Schwerpunkt auf Konzerte und Comedy-Veranstaltungen
“Emma & Eugen Arena”
Sportplatz Haselstauden; Übertragung Fußball-EM-Spiele und Konzerte, 11. Juni bis 11. Juli. Tickets unter www.emmaundeugen.family